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Heffen-Homburg 442 Hessen
Neuigkeiten (Brünner polü. Blatt) 1556,
Nr. ?t: im historischen Erinnerungskalender.
— Neuer Nekrolog der Deutschen (Wei-
mar 4848. Bernh. Friedr. Voigt. kl. 8<>.)
Jahrg. XXIV (1846). S. 831. Nr. 229. —
Oesterr. Mil i tär-Konversatio nö-Lexi«
kon (Wien ttl^l'. 8".) Bd. I I I , S. 173. —
Hirten feld (I.). Der Militär.Maria The.
resien. Orden und seine Mitglieder (Wien
5837. 40.) S. 1020 und 1747. — Gedler
in seinen oben bezeichneten „Denkwürdigkei-
ten" erzählt einen Vorfall aus dem Leben
des Landgrafen Phi l ipp, den ich als Offi-
cier im Negimente Nr. 30. jetzt Graf Nugent.
vormals Prinz de Ligne, auch erzählen ge-
hört und hier in Kürze mittheile. Der Prinz
Phi l ipp war im Jahre 1803 Major im
Infanterie'Negimente Prinz de Ligne, wel«
ches in Lrmberg stationirt war. Ein Gemeiner
des Regiments wurde wegen dreimaliger De-
sertion zum Tode veructheilt. Alle Versuche
des Prinzen, die Begnadigung des Verur-
theilten zu erwirken, blieben erfolglos. Kurz
vor Vollziehung des Urtheils aber läßt der
Oberst den Prinzen zu sich entbieten, um
ihm die Begnadigung des Verurtheilten mit-
zutheilen, die jedoch unter der Bedingung
ertheilt worden war, daß der Verurtheilte
die Todesangst auszustehen habe. Der Prinz,
der das Commando zum Vollzuge des To«
desurtheils zu führen hatte, ging mit dem
freudigen Bewußtsein einen Unglücklichen zu
retten, an die Ausübung der Pflicht. Das
Erecutionsconimando mit dem Delinquenten
kam auf dem Nichtplatzc an, alles ging ord-
nungsmäßig vor sich, als ob das Urtheil
wirklich vollzogen werden sollte; der Priester
war bereits bei Seite getreten, das Quarrte
öffnete sich und die Kameraden mit den
scharfgeladenen Gewehren traten vor. Da
geschah es durch cin unseliges Mißverstehen
der Gnadenworte des Prinzen, daß die Sol-
daten Feuer gaben und d?r Begnadigte vcr«
scheidend zusammenstürzte. Der Prinz selbst,
damals kaum 24 Jahre alt, sank besinnungs-
los vom Pferde und verfiel nach der Hand
in eine mehrwochentliche schwere Nervenkrank-
heit. Die Erinnerung an dieses schmerzlichste
Creigniß seines Lebens schwand nie aus der
Seele des edlen Prinzen und immer wieder
loderte dieselbe in seiner Seele auf, wenn
Jemand im Beisein des Fürsten das Wort
„Erecution" aussprach.
Hessische Printen in Diensten des Onuscs
Oesterreich. Das hessische Fürstenhaus theilt sich mit Anbeginn des 16. Jahrhunderts in
mehrere Linien, 'von denen zwei erloschen
sind, zwei derselben aber als Hauptlinien,
jede mit Nebenlinien, noch beute fortblühen.
Ahnherr und Stifter sämmtlicher heute blü-
henden Haupt- und Nebenlinien ist der be-
rühmte Landgraf Phi l ipp, mit dem Bei«
namen der Großmüthige, von dem Dr.
Luther sagt: „er hat den gemeinen Mann
an sich hangen, und auch ist er ein Kriegs«
mann, der ein sonderlich Glück und Stern
hat". Phi l ipp's vier Söhne haben die vier
Linien Cassel, Darmstadt, Marburg
und Rheinfels gestiftet. Die letzten zwei
sind, und zwar Marburg 1604 und Nhein-
fels 4383 ausgcstorben. Zur Zeit blühen noch
die zwri Hauptlinien ^.. H essen-Cassel,
L. Hessen «Darmstadt. Die Nebenlinien
der ersteren oder kurfürstlichen Linie sind:
1) Hessen«PhilippSthal. 2) Hessen«
Phi l ippsthal-Barchfeld. 3) Hessen«
Rothenburg. Die Nebenlinien der zweiten
oder großherzoglichen Linie sind: 1) die
sogenannte ältere oder eigentlich Hessen»
Darm städtische und 2) die jüngere
Linie Hessen»Homburg. ^Ueber die Genea»
logie des gesammten hessischen Fürstenhauses
vergleiche: Hübner's „Genealogische Tabel»
len" (Leipzig 1?19 u. f.. Gleditsch, kl. Qu.
Fol.) Theil I, Tafel 207-212.) Das hessische
Fürstenhaus ist reich an Kriegern, Feldherren
und Helden. Aus jeder der genannten Linien
sind im Kriegswesen hervorragende Männer
hervorgegangen und in der Kriegsgeschichte
des deutschen Reiches, von Schweden, den
Niederlanden, von Preußen, Frankreich, Spa-
nien und Rußland glänzen die Namen vieler
hessischen Fürsten. Mit großem Nuhm aber
bedeckten sich mehrere Sproßen dieses Für«
stengeschlechts in den Befreiungskriegen, in
welchen Deutschland für die Abschüttelung
des französischen Joches im ersten Dccennium
dieses Jahrhunderts sein Blut verspritzt hatte.
Bemerkenswert!) groß ist die Zahl hessischer
Fürsten, welche seit den Zeiten der Kaiser
Friedr ick) und Maximi l ian I. zu Oester»
reich gestanden. Schon Landgraf Wil«
Helm I I . der Mittlere (geb. 26. August
1468, gest. 11. Juli 1UU9), der nach seines
Bruders Wilhelm I. des Aelteren Tod
(1493) die Regierung übernahm, hat den
Kaisern Friedrich und seinem Sohne Ma»
r imi l ian in Ungarn und Flandern wichtige
Dienste geleistet. Von dieser Zeit an tauchen
in verschiedenen Epochen immer wieder hes»
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Hartmann-Heyser, Volume 8
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Hartmann-Heyser
- Volume
- 8
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1862
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 514
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon