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Seurteur 489 Heurteur
HofbĂĽhne wurde. Aber H. konnte seiner
neuen Stellung nicht froh werden; Miß«
gunst, Neid, Cabalen verbitterten ihm
dieselbe und er trat '4816 als Regisseur
zum priv. Theater an der Wien ĂĽber,
welches damals unter des Grafen Palffy
Leitung eine Anzahl ganz vortrefflicher
Kräfte vereinte. Mit dem beginnenden
Verfalle löste H. 1821 auch hier seine
Verbindung und trat zum dritten Male
bei der HofbĂĽhne ein, der er nun bis zu
seiner l842 erfolgten Versetzung in den
Ruhestand angehörte. Bis zum Jahre
1830 spielte H. heroische Charaktere, von
da ab trat er in's ältere Fach über. H.,
der eine hohe Heldengestalt Mb ein Herr»
liches Organ besaĂź, in welch' letzterem er
nur von EĂźlair und Lange ĂĽbertroffen
worden sein mochte, hatte ein reiches
Rollen'Repertoir. Zu seinen trefflichsten
Rollen in seiner ersten Periode zahlten:
Montalban in „Lcmaffa", Graf
Savern in „Fridolin", Karl XII. in
„Sittah Mani", Graf Hugo ln der
„Schuld", Iaromir in der „Ahnfrau",
Orest in Goethe's „Iphigenia",
Coriolan, Esseg, Gzzelino da
Romano in „Bianca dclla Porta",
Roderich in „Leben ein Traum", der
Ezar in den „Strelitzen" und im
„Mädchen von Marienburg", Tel l ,
Wallenftein, Karl Moor, Graf
DunoiS, Abällino, Macbeth. In
seiner zweiten Periode, welche mit dem
1830 erfolgten Uebertritte in's altere Fach
beginnt, sind: der Copist MĂĽllerin
Töpfer'S „Ein Tag vor Weihnacht".
Glocester in „Lear", Theramen in
der „Phaedra", Lorenzo in „Romeo
und Julie", Daniel im „Erbvertrag",
RhamneS in „Sappho", Davison in
„Maria Stuart", der arme Poet be«
sonders hervorzuheben. Man nannte H.
anfänglich nur einenNachahmer L ang e'S und sprach ihm die Fähigkeit selbstständig
zu schaffen ab; er widerlegte diesen grund-
losen Vorwurf glänzend mit den von
ihm geschaffenen Rollen des Iaromir,
Noderich, Graf Hugo, Glocester,
des eigens für ihn geschriebenen König
Vngurd und vielen anderen. Mit einer
imposanten Erscheinung verband er ein
herrliches, aller Modulationen fähiges
Organ, glĂĽhenden Ausdruck im Emphati-
schen und eine ausgezeichnete, alle Tinten
mit Feinheit, Klarheit und Wahrheit aus-
führende Declamation. Seinen Ruhe»
stand ĂĽberlebte er wenige Monate ĂĽber
ein Jahr, indem er noch in demselben am
!9. April 1843 am k. k. priv. Theater an
der Wien als Daniel im „Erbvertrag"
zum letzten Male die BĂĽhne betreten
hatte. Seit 1807 mit der Sängerin
Sophie Hacket vermalt, hinterlieĂź er
einen Sohn Friedrich, Haus« und
Bade«Gigenthümer „Zur scharfen Ecke" m
der Leopoldstadt, und eine Tochter
Sophie, welche im Jahre 1823 als
Madame Schnell in den „Probe»
rollen" und als Toni im k. k. Hofburg»
Theater ihre theatralische Läufbahn er«
öffnete, 1829 Mitglied dieser Bühne,
später des Leopoldstädter Theaters wurde,
nach einiger Zeit aber die theatralische
Laufbahn verlieĂź und
sich
mit einem Herrn
Szelechowski vermalte.
Allgemeine Th eater«Zeitung, herausg.
von Adolph Bäuerlc. 4844. Nr. 62. S. 260:
„Nekrolog" von Weidmann. — Der Wan«
derer (Wimer Untcrhaltungsblatt. 4".), redi<
girt von Fcrd. Ritter v. Seyfricd. 1344.
Nr. 64, S. 235: „Nekrolog". — Der Hu»
morist. Rcdigirt von M.G.Saphir. 1844.
Nr. 71 u. 73. S. 290: „Nekrolog". — Realis,
Curiositäten' und Memorabilien<3erikon von
Wien. Herausgegeben von Anton Köhler
(Wien 18t6, gr. 8".) Bd. I I , S. 32. - Hor<
mayr'sArchiv fĂĽr Geschichte. Statistik, 3ite<
ratur und Kunst (Wien, 4".) Jahrgang XXV
(1824), Nr. 82. — Oesterreichische Na.
tional-Encyklopädie, herausg. von
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Hartmann-Heyser, Volume 8
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Hartmann-Heyser
- Volume
- 8
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1862
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 514
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon