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Hempel 466 Hempel
Belvedere weckte seine Liebe für die Male«
rei, die gleich so mächtig hervortrat, daß
er, ungeachtet er für das landwirthschaft,
liche Fach gebildet werden sollte, die
Erlaubniß erhielt, die Akademie der
bildenden Künste zu besuchen. Dort gab
es mannigfache Hindernisse zu besiegen,
seine Vorkenntnisse im Zeichnen warm
zu geringe, um seine Aufnahme in die
höheren Classen zu rechtfertigen und in
die Vorbereitungsschule wollte er nicht
eintreten; als Dilettant wollte er nicht
gelten, und den Unterricht stufenweise
durchzumachen, behagte ihm nicht. Bei
diesem Kampfe mit den Lehrern litt er
selbst. An Nedl fand er einen aufmun-
ternden Lehrer und als H. ein Modell
nach der Natur zu malen begann, zeigte
er einen ausgesprochenen Farbesinn. Eine
schwere Krankheit — in welche er im
Alter von 19 Jahren verfiel — unter«
brach für längere Zeit seinen Unterricht.
Nachdem er vollends genesen, veranlaßte
ein eigenthümlicher Zwischenfall die Aus»
führung seines ersten größern Werkes.
Ein Schuster, der im Hause der Mutter
wohnte und dem Jünglinge sehr zuge-
than war, erfreute den Genesenden mit
einem Paar neuer Pantoffel. Hempel
wollte nun auch feinerseits dem alten
Manne eine Freude bereiten und gestattete
ihm einen Wunsch. Dieser fiel dahin aus,
Hempel möchte ein Altarbild, das h<
Abendmahl vorstellend, für die Kapu-
zinerkirche in Wiener Neustadt malen.
Er versprach es und ging sogleich an
die Arbeit, welche er, so gewagt sie
war, mit lebensgroßen Figuren aus>
führte. Das Bild verbrannte bei der
Feuersbrunst in Wiener Neustadt. Der
häufige Besuch der Bildergalerien weckte
seine Sehnsucht nach Rom, in welche
Reise endlich seine Mutter einwilligte.
Im Frühjahre 1321 trat er sie an und reiste, 21 Jahre alt, allein, ohne Böglei'
ter, in die Fremde. Florenz fesselte ihn
längere Zeit und vornehmlich waren es
die Meisterwerke Fiesole's, die ihn
ansprachen. Nun "begab er sich nach
Rom und sein gemüthlicher lebens»
heiterer Charakter machte ihn bald in
dem dortigen deutschen Künstlerkreise
beliebt. Der Gedanke an eine Restau«
ration der Kunst gegen die akademische
Starrheit hatte schon begonnen, doch
standen sich keine Parteien feindlich
gegenüber; OVerb eck in seiner versöh.
nenden Liebe trat als Meister und Mitt«
ler dazwischen. Schon hatte Hempel
einige kleinere Bilder gemalt, als ihm
Overb eck erlaubte, irgend ein Bild
in seinem eigenen Atelier zu malen.
Erfreut über diesen Antrag, begann er
daselbst „Christus mit der Samaritanerin
am Brunnen" nach eigener Comftosition
in lebensgroßen Figuren. Obwohl ihn die
ideale Richtung Overbeck's mit ihrer
reinen Schönheitsform begeisterte, trach«
tete er doch in diesem Bilde mehr nach
einer naturalistischen Auffafsungsweise.
Das Bild kam 1822 zur Kunstausstellung
nach Wien, wo es die Akademiker gänzlich
verwarfen, manche hingegen, welche eine
Regeneration der Kunst ahnten, darin
inneres Leben, individuelle Darstellung
der Personen und Tiefe im Ausdruck
fanden, während Niemand die Schönheit
in der Farbenzusammenstellung zu leug'
nen vermochte. Der junge und strebsame
Maler aber, selbst alle Mängel und
Fehler seiner Arbeit erkennend, kam zur
Ueberzeugung, daß eS vor Allem noth.
wendig sei, tüchtig zu lernen, und zeich-
nete nun mit allem Fleiße, ja mit fast
übertriebener Aengstlichkeit und Härte
nach der Natur und alten Meisterwerken.
Ein größeres Bild, „Die Grablegung
Christi", schickte er 1824 zur Ausstellung
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Hartmann-Heyser, Volume 8
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Hartmann-Heyser
- Volume
- 8
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1862
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 514
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon