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403 Hügel
täns Lambert von der Fregatte Alli»
gator annehmend, den indischen Archipel
und ging nach Neuholland. Der Aufent»
halt daselbst widerte ihn jedoch so sehr
an, daß er sich bald nach Manila ein»
schiffte. Von da reiste er nach Macao
und Canton und begann von Calcutta
die Durchforschung des nördlichen In-
diens; stieg durch Bengalen das Alpen-
land des Himalayagebirges hinan, zog
längs der Grenze Tibets durch Kaschmir
1833. bis Atok am InduS und kehrte
durch das Reich der Siek nach Delhi
und von hier durch unwegsame Länder
nach Bombay zurück, wo er vier Jahre
früher zuerst eingetroffen war. Nachdem
er längere Zeit daselbst verweilt, trat er
1836 seine Rückreise über das Vorgebirge
der guten Hoffnung und St. Helena nach
England an. Im Ganzen hatte seine Reise
von Wien aus sechs Jahre gedauert.
Ihre Ergebnisse für Naturgeschichte und
Ethnographie waren bedeutend. Die auf
den Reisen von H. nach den verschiede»
mn Richtungen angelegten Sammlungen
wurden den kaiserlichen Caöineten und
der Hofbibliothek in Wien einverleibt,
sie zahlten im Gebiete der NaturwiffeN'
schaften 32.000 Nummern, in dem der
Münzkunde 1249. darunter allein 25>8
baktrische Stücke, in dem der Ethnogra»
phie 928 in 24 Abtheilungen, darunter
63 Idole und Tempelgerathschaften von
Silber, Bronze und Elfenbein, 40 musi-
kalische Instrumente, 171 Armaturen, 168
indische und chinesische zum Theile sehr
kostbare Schmuckgegenstände, 4!) Stück
indische, kaschmirische, chinesische Stoffe,
433 egyptische Gegenstände, dann mehrere
hundert Zeichnungen, seltene Handschrif»
ten und 12.000 Notizblätter. Hügel
selbst veröffentlichte über seine Reise das
Werk: „Kaschmir nnd dng Ueich t>er Siek. In
4 Randen" (Stuttgart 1840—1842, Hall- verger, gr. 8"., mit 34 Kupf. u. Stahlst.
u< Holzschn.), jedoch sind mit diesem
Werke die Ergebnisse seiner Reise lange
noch nicht abgeschlossen, denn die Zeit
seines Aufenthaltes in den im Titel ge«
nannten Ländern vom October^bis De«
cember 1833 umfassend, bilden sie einen
verhaltnißmäßig sehr kleinen Theil davon.
Fragmentarisches über und aus seinen
Fahrten ist im Journale der Z. ^sogra-
^liical 8ooi6t^ zu London und in den
Abhandlungen der Versammlungen der
Naturforscher in Prag (1838) und in
Gratz (1843) von H. mitgetheilt worden,
und der 2. Band dec Denkschriften der
kais. Akademie der Wissenschaften (in
Wien), philosophisch.historische Classe,
enthielt seine größere Abhandlung: „Das
Becken von Kabul". Auch wurden die
Sammlungsergebniffe seiner Reise von
anderen Forschern bearbeitet, u. z. ver»
faßte Endlicher >M. IV, S. 44^>
ein lateinisches Verzeichniß der von H.
am Schwanflusse gesammelten Pflanzen
(1837); H eckel^Bd.VIII, S.134^> ein
Verzeichniß der «Fische aus Kaschmir"
(1838); auch Fenzl und Schott bear-
beiteten einzelne Theile. Nach seiner Rück«
kehr von der Reise lebte H. in Wien
und betrieb die Gärtnerei mit gesteigerter
Vorliebe. Seine Villa auf der Straße
von Hietzing nach St. Veit war bis zum
Jahre 1848 ihrer Blumenzucht und Blu«
menausstellungen wegen berühmt. Auch
stiftete H. in Wien die österreichische
Gartenbaugesellschaft, wurde ihr Präsi«
dent und gab eine Beschreibung mehrerer
neuer, in seinem Garten großgezogener
Gewächse in dem „Botanischen Archiv der
Gartenbaugesellschaft deä österreichischen
Kaiserstaates" (Wien 1837) heraus. Als
im Jahre 1349 H. zum österreichischen
Gesandten in Florenz ernannt wurde,
gingen seine Villa und seine Gärten in
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Hibler-Hysel, Volume 9
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Hibler-Hysel
- Volume
- 9
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1863
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 518
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon