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Hugo 414
Stimmen melden das Gegentheil — auch l
sein Erfolg gewesen, er führte ihn nim>
mer zum Ziele und seine Blicke richteten
sich nunmehr auf Wien, dessen Hofburg«
Tbeater dem Ideale, welches er sich
von einer Bühne gemacht, am nächsten
kam. 1841 begab er sich dahin. In
Wien lebte er als homöopathischer Arzt
und die reiche Muße, welche ihm die
Praxis übrig ließ. benutzte er, um seine
seit einigen Jahren gedichteten Dramen
zur Aufführung zu bringen. Vergeblich,
auch da fand er keine Würdigung' nicht
eines seiner Stücke wurde angenommen
Noch nicht entmulhigt, sparte er sich
mühsam die Druckkosten zusammen und
gab nun „Das Schauspiel der Welt", in
4 Acten und als Fortsetzung und Schluß
„Den Stein der auch in
4 Acten, beide Dramen unter dem gemein-
samen Titel: „Nie grusse Fibel" (Wien
1844) heraus. Neben viel Verfehltem,
Ueberlriebenem, Unbrauchbarem fand die
Kritik in diesen Dichtungen Phantasie,
poetische Schönheiten, philosophischen
Geist. War er von ihrer Unbrauchbar-
keit für Bühnen, wenigstens unter den
bestehenden Theaterverhältnissen, über»
zeugt, oder fügte er sich den Umstän«
den, kurz, er schrieb nun und gab
das bühnengerechte Drama „Vrntnö und
Vnrretia" (Wien 1843) als Manuscript
heraus. Aber der Unstern verfolgte ihn
auch mit dieser Arbeit. Um diese Zeit
trat Ponsard mit seiner „Lucretia"
hervor, des Franzosen Drama machte
Sensation, wurde sogleich übersetzt und
Hugo sah überall die Arbeit des Fran»
zosen seiner Dichtung vorgezogen und
hatte wieder das Nachsehen. Dieses
Unglück eines deutschen Dichters ent-
muthigte ihn tief- Deutschland auf«
gebend, schwankte er einige Zeit, ob er
nach Frankreich gehen oder in seiner Heimat Ungarn sein Heil versuchen sollte.
Die Heimat trug den Sieg davon und
H. ging nach Pesth. Die ungarische
Sprache, welche er in der Kindheit ge»
lausig gesprochen, hatte er vergessen, aber
das Unglück stählte seinen Muth und
Eifer. Mit der Ausdauer eines deutschen
Poeten verlegte er sich sofort auf seine
Muttersprache und hatte sie sich bald
wieder so angeeignet, daß er sie nicht
nur gut sprach, sondern auch geläufig
schrieb. Von seinen Mißerfolgen auch
körperlich angegriffen, hatte er Heilung
im Bade zu Füred gesucht, aber mehr
als dieses kräftigte ihn die Mittheilung
des Directors der deutschen Bühne zu
Pesth. Herrn Forst, daß er eines seiner
Stücke zur Darstellung bringen wolle.
Sein in ungarischer Sprache ursprünglich
gedichtetes fünfactiges Trauerspiel „ D ^
'", d. i. Ein ungarischer
König, übersetzte er nun selbst in's
Deutsche, es wurde am 2. Juni 1846
im ungarischen Nationaltheater zu Pesth
gegeben und gefiel sehr; späler erschien
es in Druck unter dem Titc „(5 in
König" (Pesth 1847). Nun übersetzte er
auch sein Drama „Brutus und Lucretia"
in's Ungarische und das von den deut«
schen Bühnen zurückgewiesene Stück
wurde in Pesth zuerst in deutscher, dann
in ungarischer Sprache aufgeführt und
gefiel sowohl das eine, als das andere
Mal sehr. Nun solgte in ungarischer
Sprache 6s , d. i. Baron
und Bankier, welches auch sehr gefiel,
und viele Jahre spater als „Nrr Uantwaiill
uon Marseille, Trama in 3 Acten" (Pesth
1859. Rob. Baldini, mit des Dichters
Porträt), im Drucke erschien. H. löste
darin die interessante Aufgabe, in einem
dreiactigen Stücke nur drei Personen
auftreten zu lassen; übrigens ist das Stück
nicht Original, sondern nach einer fran-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Hibler-Hysel, Volume 9
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Hibler-Hysel
- Volume
- 9
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1863
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 518
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon