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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Hibler-Hysel, Volume 9
Page - 421 -
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Hummel 421 Hummel, nehmen, selbst seine Functionen als Kapellmeister mußte er öfter einstellen. Zwar schien er sich durch den Besuch von Bädern wieder herzustellen, aber es war nicht auf die Dauer. Seine Thätigkeit nie gänzlich unterbrechend — so schrieb er kurz vor seinem Tode, den er selbst noch in weiter Ferne glaubte, das Arrangement einer Beethoven'schen Symphonie — endete er im Alter von erst 39 Jahren. Mit ihm war ein reich« begabter Genius, ein großer deutscher Meister im Gebiete der Tonkunst dahin gegangen. Der letzte Schüler Mozart's, strebte er seinem erhabenen Meister mit rüstiger Kraft und glänzendem Erfolge nach. Als Componist und Claviervirtuos schuf und leistete er, was nur den Aus« erwählten zu schaffen und zu leisten vergönnt ist. Aus seinen Compositionen weht ein tiefer, sinniger Geist; seine Töne reden die ewig wahre Sprache deS Herzens in ergreifenden und groß- artigen, wie in lieblich klaren Harmonien. Als Virtuos ist er der Begründer einer neuen Schule. Mit seelenvollem Aus- drucke verband er Rundung. Solidität und Eleganz des Spiels. Bei meister» hafter Beherrschung der Technik waren ihm doch Fertigkeit und Ueberwindung der höchsten Schwierigkeiten nicht Haupt« zweck, sondern nur Mittel, um auf Geist und Gemüth erhebend zu wirken. An innerer Gediegenheit und Grazie des Spiels wurde er zu seiner Zeit von Keinem übertroffen, aber auch als Meister der freien Phantasie, als Improvisator auf dem Piano stand er wahrhaft groß und unerreicht da. Wenn er in Däm- merungsstunden am Piano saß und seine Phantasie ausströmen ließ, theils eigene Gedanken in den mannigfaltigsten Um< schreibungen, theils bestimmte Themen in freien oder gebundenen und fugirten Formen verarbeitete, in allerlei Geftal' tungen und Wendungen darstellte, dann offenbarte sich der volle Reichthum, die ganze Kraft, Schönheit und Originalität seines Geistes, dann sprach er in wunder« bar ergreifenden Tönen zu den Seelen. Hier wird namentlich auf die geistvolle Charakteristik Hummel's von Kah- lert in Bagge's „Deutscher Musik- zeitung", 1860. Nr. 7—9. aufmerksam gemacht. Als Mensch hat H. durch Lie> benswürdigkeit, Anspruchslosigkeit und eine seltene Bescheidenheit, wie durch daS wohlwollende und humane Benetz« men seinen Untergebenen gegenüber, sich allgemeine Achtung erworben. Die Zahl seiner im Drucke erschienenen Compositio» nen (das Verzeichniß desselben folgt unten) ist im Verhältniß zu seinem Fleiße weniger groß' denn H. pflegte regel- mäßig zu arbeiten; bei der reichen Phan- tasie, die er besaß, brauchte er nicht lange auf den beglückenden Kuß der Göttin zu warten; aber er überstürzte sich nicht, er feilte, rundete seine Arbeiten mit beispielloser Geduld und ebm die Voll» endung, mit der er dieselben in die Welt schickte, half mit zu ihren Erfolgen. Auch auf theoretischem Gebiete hat H. eine tüchtige Arbeit veröffentlicht, es ist seine „ZlnöknlMche tliellretiZch-prllküsche An- weisung zum Aillttlltllrte2siiel mm ersten Ole- mentar-Unterricht an bis zur Mllkammengten Ausbildung". 3 Theile (Wien 1828, Tob. Haslingcr; London bei Boosch und Comp., und Paris bei A. Ferreur), und wurde auch in's Spanische übersetzt; weniger bekannt oder eigentlich schon ganz vergessen ist eine andere Arbeit des Meisters, u. z.: „Fünfzig leichte ein- und zumZtimmige Weiler nerschiebener Gamsia- nisten kür die «Schuljugend" (Schleusingen 1838, Glaser, gr. 8".). wovon 4 Auf- lagen erschienen sind. Hummel soll
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Hibler-Hysel, Volume 9
Title
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Subtitle
Hibler-Hysel
Volume
9
Author
Constant von Wurzbach
Publisher
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Location
Wien
Date
1863
Language
German
License
PD
Size
13.41 x 21.45 cm
Pages
518
Keywords
Biographien, Lebensskizzen
Categories
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