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Fennll Jenull
dazu benutzte, der Dorfjugend Unterricht
zu ertheilen. Dann besuchte der Sohn die
Schulen zu Kötschach, Dölsach und Lienz
in Tirol und 1783 das Gymnasium zu
Salzburg. Sem Vater, der wenngleich
wohlhabend, jedoch sehr strenge war und
den Knaben frühzeitig selbstständig machen
wollte, verweigerte ihm die nöthigen
Mittel und zwang ihn, sich den Lebens«
unterhalt selbst zu verschaffen. Anfänglich
unterstützte ihn die Mildthätigkeit der
Benedictinerinen am Nonnberg, bald
aber bot sich ihm Gelegenheit, Unterricht
zu ertheilen und er wurde ein gesuchter
Privatlehrer, dem es recht gut ging.
Nachdem er das Gymnasium und die
philosophischen Jahrgänge beendet, war
es wieder der Vater, der in sein Leben
eingriff und ohne ihn zu fragen, seine
Standeswahl entschied, denn wahrend er
im Vaterhause seine Ferien zubrachte,
kam ihm die Nachricht zu, daß er in der
Gurker Diöcese als Priester.Zögling an«
genommen sei, um welche Stelle, ohne
den Sohn davon in Kenntniß zu setzen,
der Vater angesucht hatte. I . begab sick
also im Herbste 1794 nach Gratz, studirte
Theologie und erhielt am 11. September
1796 die heil. Weihen, als ein Zwischen-
fall eintrat, der seiner Laufbahn eine neue
Wendung gab. Es wurde nämlich der
bisherige SeminardirectorIüstel ^s<d< ,^
der nachmalige Staatsrath (gest. 7. April
1838) plötzlich, ohne darum nachgesucht
zu haben, vom Directorat enthoben. Die
Seminaristen hingen an ihrem Director,
von dem das Gerücht ging, daß seine
Orthodoxie von irgend einer Seite an«
gezweifelt und er deßhalb entfernt wor-
den war, mit inniger Liebe. Ienu l l
richtete an den scheidenden Director
ein Trauergedicht, worin auch Anspie-
lungen auf die Ursache seiner Ent«
fernung vorkamen. Obwohl I . das Gedicht anonym hatte erscheinen lassen,
so fand sich doch wie gewöhnlich eine
niedertrachtige Seele, .die den jungen
Mann an maßgebender Stelle verrieth
und I . war compromittirt. Er wollte
nun in den Linzer Sprengel übertreten,
was man ihm jedoch nicht gestattete. I .
faßte nun den Entschluß, die Theologie
ganz aufzugeben und das Studium der
Rechte zu beginnen. I m Herbste 1797,
begab er sich zu diesem Zwecke nach
Wien. Im nämlichen Jahre verlor I .
durch den Tod auch seinen Vater. I n
Wien begann I . nun daS Studium der
Rechte und erhielt sich vom Unterricht«
geben. Bald jedoch einer unerklärlichen
Sehnsucht nachgebend, verließ er Wien,
zog sich in sein Heimatland zurück, blieb
dort einige Zeit und ging dann nach
Innsbruck, wo er privat seine Studien
beendete und 1300 die Doctorwürde
erlangte. Wahrend er sich um die Advo»
catur bewarb, übernahm er die Suvpli«
rung des vacant gewordenen Lehramtes
der griechischen Sprache am Gymnasium
zu Klagenfurt und im August 1803 —
I . zählte 30 Jahre — erhielt er in
Kärnthen die Advocatur. 12 Jahre ver«
sah er dieselbe, dann bewarb er sich um
eineRathsftelle am kärnthnerischenStadt,
und Landrechte, welche er auch Anfang
1813 erhielt. Schon 1817 wurde er zum
Appellationsrath in Fiume befördert und
im Mai 5 820 in gleicher Eigenschaft nach
Innsbruck übersetzt; im Juni 1823
wurde er Hofrath bei der obersten Justiz,
stelle in Wien. am 27. October 5826
Präsident des k. k. Stadt- und Land»
rechtes in Innsbruck und bald darauf
taxfrei in den Ritterftand erhoben: am
27. Mai 1839 wurde er aber Präsident
des tirolisch > vorarlbergischen Appella.
tionsgerichtes. Er versah dieses Amt bis
zum Jahre 1851. in welchem er 78jährig
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Jablonowski-Karolina, Volume 10
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Jablonowski-Karolina
- Volume
- 10
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1863
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 524
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon