Page - 169 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Jablonowski-Karolina, Volume 10
Image of the Page - 169 -
Text of the Page - 169 -
JenuU 169 Zerney
im Allgemeinen wirkte, auch an ihm nicht
ohne bildenden Einfluß vorüber; auch wurde
er vielfach neu angeregt von dem belebenden
Hauche der großen Geisteswerke eines Fichte,
Schelling, Herbert, Hegel und Stah l ;
ebenso hatten die Leistungen der historischen
Schule, zumal Hugo und Savigny, sowie
der Eklektiker vermittelnde Versuche, insbeson-
d.ere Schulze, Rotteck, Droste «Hüls»
hoff, Pöl i tz , Salomon Zachariä
S chmitthehner, Zöpf l , Warnkönig
u. m. A. gleichwie im Strafrechte die For-
schungen all' der bekannten neueren Crimina«
listen Deutschlands und die Ergebnisse der
neueren deutschen Strafgesetzbücher und Ent»
würfe, seinen Geist bis zum letzten Hauche des
Lebens thätig beschäftigt und fortgebildet.
Ueberall aber wußte der reife Denker die
Forschungen Anderer in tiefinneren Einklang
mit seinen feststehenden prinzipiel len Ueber«
zeugungen zu bringen und zu einem ebenso
selbständigen als abgerundeten Wissenschaft»
lickien System zu vollenden. Ienu l l bildete
mit Zei l ler und Pratobevera eine Herr»
liche Trias, welcher das große Verdienst ge«
bührt, die bis dahin in unserem Oesterreich
fast gänzlich unbekannten großen Werke der
allgemeinen deutschen Rechtswissenschaft durch
ihre gleich gediegenen literarischen Arbeiten auf
unsere vaterländische Jurisprudenz verpflanzt
und so in fruchtbringendster Weise nicht nur ein
wahrhaft wissenschaftliches Studium der Legistik
angebahnt, sondern insbesondere auf die Fortbil-
dung unserer Gesetzgebung gewirkt zu haben."
— Als Mensch war Ienu l l , ungeachtet seiner
fast lächerlichen Aengftlichkeit und Pedanterie,
durch und durch ein Charakter in des Wortes
bester Bedeutung. Wie groß aber seine Aengst«
lichkeit war, dafür die Thatsache: Als Nutteck
in den dreißiger Jahren in Wien war und
Ienu l l besuchte, wand sich dieser voll Ver<
legenheit auf dem Stuhle; kaum aber hatte
Rott eü das Zimmer verlassen, als der öster»
reichische Rechtsphilojoph ängstlich zum Staats»
kanzler eilte. „Ach wissen Euer Durchlaucht
schon — ich kann nichts dafür" — Nun was '?
fragte Metternich; — „Rotteck hat mich be»
sucht", wehklagte Professor Ienull. Der Fürst
lächelte über des Professors Angst und entließ
ihn mit der Versicherung, daß man ihn keines»
wegs für einen Demagogen halten werde, weil
ihn Rotteck besucht habe. So konnte das
Sedlnihki'sche Spionirsystem aus unseren besten
Männern Caricaturen machen. Und merkwür-
oiger Weise war das Vertrauen in ihn so groß, daß man ihn im Jahre 1845 an die Spitze
jenrs. aus den gewiegtesten Männern der In»
telligenz zusammengestellten Comitö's stellte,
welches persönlich von dem Monarchen Be»
seitigung der Crnsurwillkür und ein Censur»
gesetz, welches in verstandiger Weise ausgrübt
würde, erbat. Ienu l l unterzog sich dieser
Aufgabe, freilich ohne Erfolg; denn nach drei»
jährigem Hinhalten war das Gesetz vom ll.Iän»
ner 1848, mit welchem ein mues Censurcolle»
gium geschaffen, aber auch der Revolution die
Thüre geöffnet wurde, die Erledigung.
Ierißll, Franz de Paula (slovenischer
Dichter und Schriftsteller, geb. zu
St. Mart in unter Maria Gallenbeig
in Kram 3. April 1829). Nachdem er
das Gymnasium und die philosophischen
Jahrgange in seinem Vaterlande besucht
hatte, begann er das Studium der Rechte
und bereitete
sich
zu jener Zeit, aus welcher
die von dem Herausgeber benutzte Quelle
stammt, zur Erlangung der juridischen
Doctorwürde vor. Neben seinem Berufe
widmete er die Mußestunden schöngeisti»
gm Arbeiten in der Sprache seines Hei»
matlandes, in der siovenischen. Selbst»
ständiges ist von ihm noch nicht erschie«
nen, hingegen finden sich seit 4848
Aufsatze in gebundener Rede und in
Prosa aus seiner Feder, in verschiedenen
nationalen, in Laibach und Klagenfurt
herausgegebenen Zeitschriften und Antho»
logien, u. z. in des Dr. Bleiweis'
„^ovios" , in der „älovsrch'a" , im
äiovsnLki") im »äiovsnLka
u. a.
Truska (Heliodor), Frühlings'Album. Zur
Vermälungsfeier Ihrer Majestäten des Kaisers
Franz Joseph I. und Elisabeth (Wien 1854,
4".) seines jener wenigen Exemplare, denen
kurze Lebensskizzen der Schriftsteller, deren
Beiträge das Album enthält, beigegeben sind^Z.
Ierney, Johann (Geschichtsfor.
scher und Reisender, geb. zu Do»
roszman im Iaszkuner Bezirke Un>
garns 1800, gest. zu Pefth 24. December
back to the
book Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Jablonowski-Karolina, Volume 10"
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Jablonowski-Karolina, Volume 10
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Jablonowski-Karolina
- Volume
- 10
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1863
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 524
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon