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John 237 John
stechen ließ. John trug sich ihm an, eine
dieser Zeichnungen zu übernehmen. Das
Blatt stellte dar: Boleslaus den Kühnen
von Polen, den der König von Böhmen
auf seinen Thron einsetzte. Iohn's rast»
loser Eifer wurde von günstigem Erfolge
gekrönt. Da um jene Zeit in Warschau
sich noch kein Kupferstecher befand, so
fehlte es ihm bald nicht an zahlreichen Be-
stellungen. Mehre gelungene Porträts pol-
nischer Magnaten, als des Fürsten S a»
pieha, deS Kronschreibers Grafen Sol-
tyku. A.. machten ihn bald in den Adels«
kreisen bekannt und der König Stan is '
lausAugust interessirte sich, auf Iohn
aufmerksam gemacht, sehr für den jungen
Künstler, den ihm auch bald die Gräfin
Schütter, des Königs Geliebte, vor.
stellte. John gefiel dem Könige sehr,
neben der Kunst kam ihm vor dem
Könige seine Sprachenkenntniß — John
sprach 7 Sprachen — gut zu Statten.
Der König forderte ihn auf, ihm jede
fertig gewordene Arbeit im Probedrucke
vorzulegen, was John auch that und
wofür er jedesmal von Stan is laus
A ugust königlich beschenkt wurde.
Wenn nun John's Arbeiten auch in
Warschau Beifall fanden, er selbst, das
höhere Ziel des Künstlers nie auS den
Augen lassend, strebte nach Vervollkomm»
nung. wozu jedoch Warschau nicht der
geeignete Boden war. Die Wiener Aka.
demie unter Füg er's Leitung war
damals im Auslande ruhmvoll bekannt,
auch die Wiener Künstler erfreuten sich
eines günstigen Rufes, und so entstand in
Iohnder Wunsch, die Wiener Akademie
zu besuchen. Seine deßhalb dem Könige
vorgetragene Bitte fand die beifälligste
Aufnahme; der König setzte ihm eine
nahmhaste Pension aus, und gab ihm
auf die Reise 100 Ducaten nebst einem
eigenhändigen Schreiben an Füg er und an seinen Gesandten in Wien, den Grafen
Woyna. Mitte Mai 4792 reiste John
von Warschau ab und kam am 24. Mai
in Wien an. Kaum war John wenige
Wochen in Wien. als der russisch-pol-
nische Krieg ausbrach, welcher äuch den
lechten Rest der polnischen Selbstständig,
keit vernichtete. Der edle Stanis lau s
Poniatowski . einer der trefflichsten,
geistvollsten, leider aber auch ganz unselbst«
ständigen Könige, wurde bald darauf nach
St. Petersburg abgeführt, und so war
denn in diese unglücklichen politischen
Ereignisse auch das Schicksal des jungen
strebsamen John verflochten, der nun
wieder aller Hilfe und Mittel bar, auf
sich selbst angewiesen war. Der Besuch
der Akademie mußte also im Sommer
auf die Früh., im Winter auf die Nacht-
stunden verlegt werden, weil er die
Tageszeit dem Kupferstechen widmen
mußte, wovon erden Lebensunterhalt für
sich. und da er schon vcrheirathet war,
für seine Frau bestritt. Uebrigens fand er
an Füg er einen liebevollen Lehrer, der
seine Fortschritte mit Theilnahme ver«
folgte und sich einen großen Theil seiner
Zeichnungen zu Vorlegblättern für seine
geübteren, den höheren Standen ange-
hörenden Schülerinen ausbat. .Die Be-
kanntschaft mit dem Dichter Alr inger
d. I) S. 23) wurde für John sehr
nützlich. Alr inger stellte den jungen
Künstler dem Fürsten 3 i e ch t e n
st e i n vor.
und nun fehlte es ihm nicht an Befiel-
lungen, vornehmlich aus den Kreisen des
hohen Adels, wodurch sein Name bekannt
wurde und der Ruf seiner Kunst durch
seine trefflichen Arbeiten, welche so zu
sagen Mode wurden, stieg. Ein Unter»
nehmen, die Mitglieder des National-
theaterS in ihren Charakterrollen zu stechen,
kam nicht über das erste Heft, welches
die Frau Adamberg er und den
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Jablonowski-Karolina, Volume 10
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Jablonowski-Karolina
- Volume
- 10
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1863
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 524
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon