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Jordan 261 Zordan
Denken fich nicht mit seinem Glauben
und folglich auch nicht mit dem Priester«
gewande vereinbaren laffo. Ein Aufsah,
den er geschrieben: „Ghristus und Sakrales
eine Parallele", brachte ihn mit seinen
geistlichen Lehrern in Conflicte, die noch
größer wurden, alser bei einer Mahlzeit
die Angriffe der Geistlichen, welche diese
gegen die bayerischen Schulen vorbrachten,
auf daS Entschiedenste widerlegte und sie
fich sämmtlich zu Feinden machte. Das
theologische Studium wurde sofort auf»
gegeben, Innsbruck verlassen und nach
München gewandert, wo er im Novem»
ber 1811 anlangte. Männer wie Mei«
ding er und Weitler wirkten nach«
haltig auf ihn ein; rüstig schritt er auf
der Bahn des Wissens vorwärts und nur
die Nachrichten, wie eine Partei in seiner
Heimat sich bemühte, ihn zu verketzern
und vor seinen Eltern zu verdächtigen,
trübte manche seiner Stunden. Endlich
aber kehrte er in die Heimat zurück, trat
vor seine Eltern, die nun sehen konnten,
daß aus ihrem Sohne ein tadelloser
Jüngling geworden, und sein Einfluß
wurde zuletzt so groß, daß, als er in
beredter doch kindlicher Weise seinen Eltern
das Unziemliche ihres bisherigen Wan»
dels vorstellte und sie ermähnte in Friede
und Eintracht in Zukunft zu leben, diese
gelobten, es künftig so zu halten wie er
es ihnen vorgestellt, und in der That, sie
blieben dem gegebenen Worte treu, und
Sylvester hatte die Freude, auf die Her-
zm seiner Eltern läuternd eingewirkt und
ihr Leben sittlicher gestaltet zu haben.
Nach München zurückgekehrt, trieb er
1312 und 1813 naturwissenschaftliche und
geschichtliche Studien, bezog dann die
Universität Landshut, wo Manner wie
Sa la t . H.ufeland, Schuttes,
Stahl u. A. dem jungen Manne neue
Blicke im Reiche der Wissenschaften eröff- neten, bis 1814 das Lärmen des Krieges
das wissenschaftliche Stillleben unterbrach.
Jordan begab fich nun nach Wien, wo
er ein halbes Jahr seine akademischen
Studien fortsetzte, dann nber darauf be«
dacht war, sich
für seinen künftigen Beruf
zu entscheiden. Ein letzter Besuch in seiner
Heimat ging seiner Trennung von dem
Vaterlande voran, wo der blinde Volkshaß
sich so weit verirrt hatte, daß man auf
Jordan's nunmehr in friedlicher Ehe
lebende Eltern mit den Worten wies:
„die sind es, welche einen lutherischen
und verdammten Sohn haben" — Ior«
dan hatte nie den Glauben gewechselt —
und wo zwei Priester, die er der Verstan-
digung wegen besuchte, ihm in wahrhaft
geistlicher Weise (!) drohten, die Bauern
zusammenzuläuten und ihn, wenn er sich
nicht auf der Stelle entferne, aus dem
Hause prügeln zu lassen. Am 15. Mai
1815 erwarb er in Landshut die phi-
losophische Doktorwürde, dann ging er
nach München, wo er einige Zeit als
Hauslehrer thätig war, kchrte aber bald
wieder nach Landshut zurück, wo er sich
nun ausschließlich auf rechtswiffenschaft«
liche Studien verlegte und am 23. August
1817 seine Bahn als Lernender mit
der Erwerbung des juridischen Doctor«
diploms schloß. Entschlossen, sich dem
Lehramte zu widmen, lebte er bis zur
Erlangung einer Stelle in München. Am
1. August 1820 ertheilte ihm das badische
Ministerium die Erlaubniß, in Heidelberg
als Privatdocent die Rechtswissenschaft
zu lehren. Ein Jahr war I. daselbst
thatig, als er einen Ruf als Professor der
Rechtswissenschaft nach Marburg erhielt
und dahin am 27. September 1821
übersiedelte. In Marburg lebte nun I .
seinen wissenschaftlichen Arbeiten und dem
Lehramte als der gefeierte Liebling der
Studenten und der geachtete Freund
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Jablonowski-Karolina, Volume 10
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Jablonowski-Karolina
- Volume
- 10
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1863
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 524
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon