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Zosipomc 280 Zosipovio
M . VI I , S. 25H Obergespan deS
Agramer ComitateS, zwei Jahre früher
schon war er zum Ban von Croatien
ernannt worden und war der erste Ban
von Eroatien, der auf dem croatischen
Landtage ungarisch sprach. Diesen
Umstand beutete Iosipoviä zu seinen
und seiner Partei Gunsten aus, als wäre
die Regierung selbst mit der Magyarifi.
rung der Slaven einverstanden, trat nun
noch gewaltthätiger auf und erschien
plötzlich mit 700 Turopolern in der
Stadt, für dieselben daS Stimmrecht
begehrend. Mit einer Musikbande, welche
den Rakoczy'Marsch spielte, durchzog er
an der Spitze seiner Rotte die Gaffen
Agrams, wo die illyrische Partei als«
bald die Segnungen des magyarischen
TerrorismuS empfinden sollte. In der
rohesten Weise, fich der unanständigsten
Worte bedienend, trat er gegen den
Grafen Johann Draskoviä sBd. III,
S. 377^, den Baron Kulm er und den
Agramer Bischof Haulik >Bd. VIII,
S. 69^ im Landtage auf, und erst dem
BanuS gelang eS durch Vorweisung des
königlichen RescripteS, das bereits einge-
langt war, die Ruhe herzustellen. Der
BanuS las nunmehr das entsiegelte
Recsript vor. welches die Aufrechthaltung
der bisherigen Landtagsordnung anbe-
fahl; und Iosipoviä mit seinem An»
hange mußte unverrichteter Dinge ab-
ziehen. Aber nun rüstete er fich erst zu
den nahe bevorstehenden Wahlen der
neuen Stuhlämter, welche am 29. Juli
1843
stattfinden sollten, setzte alle Hebel,
um seine Partei durchzubringen, in Be-
wegung, und in der That trug dießmal
die magyarische Partei den Sieg über
die illyrische davon. Diese, in ihrer hoch-
sten Erbitterung, griff zu denWaffen, und
es kam zu einem blutigen Zusammen«
stoße, in welchem über 30 der slavischen Partei schwer verwundet wurden und
20 davon starben. Iosipoviä und
seine Partei, welche Sieger geblieben
waren, wirthschafteten nun nach Gutdün-
ken und es griff die magyarische Hand
gar tief in den croatischen Säckel. Der
Unwille der illyrischen Partei hatte schon
den Gipfel erreicht, als das denkwürdige
Jahr 1848 hereinbrach. Jetzt galt es für
die Slaven, den 29. Juli des Jahres
1845 zu erwidern; Iosipoviä und sein
Anhang machten sich, so rasch
sie
konnten,
auf die Beine, und ihnen auf den Fersen
folgten die
steckbrieflichen Erlaffe der neuen
Machthaber. Iosipoviä's Vermögen
wurde confiscirt und daS HauS, daS
er in Agram besaß, verkauft. Iosipo»
v iä suchte nun Zuflucht bei den Ungarn,
in deren Interesse er bisher so ohne alle
Rücksicht gewirthschaftet hatte. Die unga«
rische Regierung ernannte ihn nun freilich
zum Obergespan deS Agramer Stuhl-
bezirkes; aber was nützte diese Ernen-
nung, da I . sich gar nicht getraute das
Agramer Gebiet zu betreten. Indeffen
suchte man in Pesth ihn zu entschädigen,
bereitete ihm eine große Serenade, für
welche er mit der Versicherung dankte,
daß die illyrische Partei in Agram und
überhaupt in Croatien klein sei und bald
unterliegen werde. Die Folge hatte daS
Gegentheil bewiesen. Indeffen suchte
Iosipoviä in Kanischa die erlittene
Niederlage zu verschmerzen; dort sich
bleibend niederlassend, beschäftigte er sich
fleißig mit der Organisation der National-
garde, mit der er gegen die Croaten zu
Felde zu ziehen beschloß. Auch begab er
sich als Vertreter der Turopoler .oder
aber als Prätendent der Agramer Ober-
gespanschaft für einige Zeit nach Pesth
in den Landtag, wo er jedoch seine Rolle
als Redner bald ausgespielt zu haben
schien, denn in den Landtagskreisen
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Jablonowski-Karolina, Volume 10
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Jablonowski-Karolina
- Volume
- 10
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1863
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 524
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon