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ebenda, wo er bis Ende Juni 4806 in
Verwendung blieb. Während seines Auf.
enthalteS in Brunn begann er selbst
nachzuholen, was er durch den unter-
brochenen Schulbesuch versäumt hatte.
Im Verkehr mit gebildeten Männern,
wurde ihm das Bedürfniß noch höherer
Ausbildung immer lebendiger und unter
Anleitung des Astronomen Hauptmann
Kni t t lmayr in Brunn betrieb er eifrig
Physik und Astronomie. Um diese Zeit
begann auch seine literarische Thätigkeit;
die Journale, vornehmlich das „Brünner
patriotische Tageblatt" . brachten von
ihm mehrere Absätze. Indem er
sich durch
seine Arbeiten auf das Vorteilhafteste
bekannt gemacdt hatte, erhielt er im
Jahre 1306 den Ruf als Oberlehrer und
Vorsteher der zu Kunewald bestehenden,
von der Gräfin Truchseß.Zeil unter»
haltenen Erziehungsanstalt. Er nahm
diese Stelle an, und die gebildete geist-
volle Grafin gestattete I . nicht nur die
Benützung ihrer reichen Bibliothek,
sondern schaffte alle wissenschaftlichen
Hilfsmittel an und nahm I . als Begleiter
auf ihrer Reise durch die Schweiz, das
südliche Frankreich und Italien mit.
Wahrend seines Aufenthaltes in Kune«
wald war es. wo I . auf den Gedanken
gerieth, die Verbreitung gemeinnütziger
Kenntnisse durch gemeinfaßliche Schriften
zu fördern, und die Kalenderform schien
ihm zu diesem Zwecke die geeignetste. Im
Jahre 1809 erschien der erste Jahrgang
seines „Mährischen Wanderer", womit
er einerseits einem Bedürfnisse seines
Vaterlandes überhaupt abhelfen und an«
dererseits einen Versuch zur Verbesserung
des mährisch.schlesischen Kalenderwesens
machen wollte. Der Versuch glückte, und
da Iurende die Gräfin auf ihrer Reise
begleitete, mittlerweile auch Kriegsereig.
nisse eingetreten waren, setzte Professor Zernann in Brunn den Mährischen
Wanderer in den Jahren 1811 und 1812
fort. Im Jahre 1813 legte I . seine
Stelle in Kunewald nieder, übersiedelte
nach Brunn, übernahm nun selbst die
Herausgabe des genannten Kalenders,
der mehrere Jahre unter obigem Titel,
vom Jahre 1828 aber für die ganze
Monarchie berechnet, unter dem neuen
Titel: „Vaterländischer Pilger im Kaiser»
staate Oesterreich" (bis 1827 in Brünn
bei Gastl. von 1828 bei diesem und
Traßler. von 1833 bei Gastl und Nohrer
und von 1836 biS 1848 bei Rohrer
und von da ab bei Sollinger in Wien)
erschien. Das Buch hatte einen unqeahu«
ten Erfolg. Die „Annalen der österrei»
chischenLiteratur" (1812, Bd. 4, S.303)
begrüßten I . als Reformator des Kalen<
derwefens, mit der Erklärung, daß ein
solcher Kalender noch nicht dagewesen.
Der „Pi lger" wurde nicht nur in ganz
Oesterreich und Deutschland gelesen, er
wanderte auch in die Fremde und man
fand das prächtige (wenngleich lösch-
papierne*) Buch in der Türkei, in Ruß»
land, in der Schweiz, in Dänemark, ja
selbst in Amerika. Es hatte die für jene
Zeit ungeheure Austage von 6000 Exem-
plaren erreicht. Bis zum Jahre 1833
leitete I . selbst das Unternehmen', von
dieser Zeit an sich von der Welt ganz
zurückziehend, übergab er die Redaction
seinem bisherigen Mitarbeiter Ohöral .
Im Jahre 1848 ging der Kalender in
Druck und Verlag von Sol l inger
in Wien über, und mit dieser Zeit
beginnt sein Verfall', noch fristete er
einige Jahre sein Dasein' aber die
Zeit des EncyklopadiSmus, und diesen
vertrat dieser Kalender in vollende»
ter, wenngleich eigenthümlicher Weise,
) Erst 1843 erschien er zum ersten Male auf
weißem Maschinenpapiere.
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Jablonowski-Karolina, Volume 10
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Jablonowski-Karolina
- Volume
- 10
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1863
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 524
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon