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Kaiser 364 Kaiser
und auch der wenig lockende Titel in den
für das Volk drastischeren: Hans
Hasenkopf — wie ein dummer Be-
dienter im Stücke hieß, den Carl sogar
in Hosenknopf umtaufen wollte— verwart»
delt. Der 19jährige Autor ließ sich das
Alles gefallen, um nur einmal das
namenlose Glück zu erleben, sein eigenes
Werk aufführen zu sehen. Am 16. De-
cember 1833 ging das in die Posse
„Hans Hasenkopf" verwandelte Lustspiel
„Das Rendezvous" über die Bretter und
fand eine im Ganzen günstige Aufnahme.
Das Stück wurde in Berücksichtigung
der amtlichen Verhältnisse des Autors
anonym gegeben, aber der Name des«
selben war ein lautes Geheimniß. K.
hatte bald das Recept, Possen zu bereiten,
herausgefunden und schon im folgenden
Jahre wurde zu Wenzel Scholz' Ein-
nähme seine neue Posse: „Wolf und
Braut" gegeben. Der Erfolg war ein
so günstiger, daß Kaiser dem Dränge
seiner Eitelkeit, für die weiteren Auf»
führungen der Posse genannt zu werden,
nicht widerstehen konnte. Dazu schien
aber die Bewilligung seiner Vorgesetzten
nöthig. Der Bescheid, den Kaiser
damals von dem Hofkriegsrathe Fasten»
berger erhielt, trug ganz das Gepräge
jener entwürdigenden Bevormundung,
die sich damals von den kleinen Bureau-
tyrannen bis auf die intimsten Verhalt,
nifse deS Familienlebens der bei ihnen
Angestellten erstreckte. Kaiser nahm den
Bescheid hin und stellte seinen vollen
Namen auf den Theaterzettel. Die Be>
dingungen, unter welchen damals Carl
ein den ganzen Abend füllendes Stück
annahm, waren folgende: er zahlte für
die 1., 7., 11. und 20. Vorstellung jedes-
mal 20 fi., „Wolf und Braut" wurde
11 mal gegeben, K. hatte also 60 st. und
außerdem von einem Agenten für das Recht der Aufführung auf fremden
Bühnen 40 st., also für sein zweites Stück
100 st. erhalten. Welch' eine Summe
für einen unbesoldeten Praktikanten, der
bereits 3 Jahre unentgeltlich diente und
die Aussicht hatte, noch einmal so lange,
wenn nicht länger, umsonst zu dienen!
Daß K. sich
also mit dem Gedanken her-
umtrug, seine amtliche Carriöre für die
des Schriftstellers hinzugeben, erscheint
um so begreiflicher, als seine dienstlichen
Verhältnisse auch sonst nichts Verlockendes
besaßen, und immer neue Einschübe be»
vorzugter Candidaten die Hoffnung, in
den Gehalt zu.treten, nur ferner rück-
ten. Der sehr vortheilhafte Verkauf einer
Gelegenheitsarbeit, der an allen Orten,
wo Nappo mit seiner Gesellschaft auf.
trat, aber immer anonym gegebenen
mythologischen Parodie: „SysiphuS
auf der Oberwelt", im Jahre 1837,
setzte K. in die Lage. sich alle jene Kennt-
nisse anzueignen, welche auf Schulen nicht
gelehrt werden; er lernte auf der Hof-
reitschule reiten, besuchte
steißig
denFecht-
boden und noch
steißiger die verlockenden
Plauderstübchen der schönen Schauspiele-
rinm und faßte endlich einen so gründ-
lichen Widerwillen gegen das Amtsleben,
daß er um seine Entlassung bat, welche
ihm auch nach beinahe »jähriger unentgelt«
licher Dienstleistung am 11. August 1838
anstandslos ertheilt wurde. K. war nun
auf sich selbst gestellt und mit sich noch
nicht einig, ob er Theaterdichter oder
Maler werden sollte. Denn obwohl er
bis dahin keinen Unterricht im Zeichnen
und Malen erhalten hatte, besaß er dock
eine so entschiedene Naturanlage für diese
Kunst, daß er für mehrere Kunsthand'
lungen, wie namentlich für Bermann,
F.Müller. Paternou. A. Zeichnun-
gen lieferte. Auch in der Lithographie
hatte er eS zu einiger Vollkommenheit
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Jablonowski-Karolina, Volume 10
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Jablonowski-Karolina
- Volume
- 10
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1863
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 524
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon