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Kaiser 362 Kaiser
gebracht, und um die Technik des Oel«
malens sich anzueignen, nahm er Privat
unterricht bei Waldmül ler. K. übte
aber das Malen nur zum Vergnügen
aus. Zwei seiner Bilder. „Ncr Gefangene"
und daö allegorische Bild: «Nettler und
N'ünig" waren in der Kunstausstellung
d. I . 1840 (Nr. 120 und 121) ausge-
stellt; und das letztere derselben befindet
sich jetzt in der Kirchhofcapelle zu Lilien-
feld, wohin eS Castelli gab, dem eS
Kaiser geschenkt hatte. Später verlegte
sich K. besonders auf das Carrkatur«
zeichnen, welche Fertigkeit ihm aber keine
rosigen Früchte, wohl aber manche Nnan«
nehmlichkeiten, ja bittere Feindschaften
einbrachte. Jedoch diese Liebe zur Malerei
und Zeichnenkunst tritt nur episodisch in
Kaiser's Leben auf' sein Entschluß,,sich
ausschließlich dem Theater zu widmen,
war bald gefaßt, und in Gemeinschaft
mit seinem Freunde Ferdinand Thal»
Hammer schrieb er im Jahre 1838 eine
neue Posse: „Die Theaterwelt", welche
eine sehr günstige Aufnahme fand.
Mehrere Stücke, welche sich nun rasch
aufeinander folgten lind gefielen, richteten
Carl's Aufmerksamkeit auf den jungen
Poeten. Car l hatte im Jahre 1839 daS
Theater in der Leopoldstadt gekauft; ein
Theaterdichter, wie er sich einen solchen
abzurichten gedachte, war ihm um so
nöthiger geworden, als Nestroy's kost«
liche Muse bereits zu altern begann. K..
in einer solchen Stellung sein Lebens-
glück zu finden meinend, ging ohne Be-
denken ein. Kaiser mußte sich nun
verpflichten, für keine andere Wiener
Bühne als für jene Carl 's zu arbeiten.
Auf jeden einzelnen Nebertretungsfall
stand eine Straft von 100 fi.; auch mußte
er jährlich sechs den ganzen Abend füllende
Stücke, welche den Hauptmitgliedern der
Bühne auf den Leib gearbeitet waren, liefern. Dafür zahlte Car l an Kaiser
einen Monatsgehalt von 24 fi. (!) und
für jedes Stück 48 fl. Honorar. Es ist
kaum glaublich und doch Thatsache, daß
Kaiser diesen Vertrag unterschrieb.
I n diesem neuen Verhältnisse schrieb er
nun zuerst seine Posse „Dienstbo-
ten w irt h sch a f t " sdas ausführliche
Verzeichniß von Kaiser's Stücken siehe
unten in den Quellens dann „Wer wird
Amtmann", womit sich Kaiser zuerst
auf ernstlichem Gebiete versuchte und es
deßhalb auch ein Lebensbild nannte.
Zu Carl'S Ueberraschung hatte dieses
Stück einen glänzenden Erfolg und wurde
30 Mal gegeben. Car l ließ in der
ZwischenzeitKa i ser rufen, ihm eröffnend,
daß er ihm seinen Monatsgehalt auf
40 fi., im folgenden Jahre auf!50 fi. er«
höhe. und ihm jahrlich ein Benefiz, das
in der halben Einnahme der ersten Vor-
stellung deS einen seiner Stücke bestand,
gestatte. Aber Kaiser, dessen erster Ver«
trag in anderthalb Jahren ablief, mußte
seinerseits denselben auf neue 3 Jahre
verlängern. Diese scheinbare, denn nur
aufCarl'sVortheil berechnete, Großmuth
verfehlte nicht ihre Wirkung; Kaiser,
damals 26 Jahre alt, unerfahren und
nach dramatischen Lorberti heißhungrig,
unterzeichnete und wurde der Leibeigene
Carl'S. Er arbeitete nun in diesem
Joche, und in der That, nicht wenige
seiner Arbeiten tragen die Kerbzeichen
dieses Joches, wenn auch einzelne wieder
darunter sich finden, in denen sich das
wirkliche Talent vereint mit dem Streben
nach Höherem unverkennbar ausspricht.
I n oje Zwischenzeit und zwar gegen Ende
des Jahres 1840 fällt nun eine Episode
in K.'s Leben, welche seinem Namen in
der Geschichte des gesellschaftlichen Lebens
in Wien eine bleibende Stelle sichert. Die
Gründung der Künstlergesellschaft „Co n-
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Jablonowski-Karolina, Volume 10
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Jablonowski-Karolina
- Volume
- 10
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1863
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 524
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon