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Kaiser 368 Kaiser
im Theater an der Wien zur Aufführung,
dessen Leitung Director Strampfer
übernommen hat, und soll Kaiser, wie
es heißt, im Mai l. I . mit Strampfer
einen Vertrag als Theaterdichter abge»
schloffen haben. Viele Stücke Kaiser's
wurden zuerst bei Anton Pichler, dann
bei Wallishausser(i'ehtKlemm), bei
Letzterem der größere Theil in derSamM'
lung „Theater. Repertoire" gedruckt.
Außer diesen dramatischen Arbeiten
schrieb Kaiser bei Gelegenheit von
Carl's Tode: „Gheater-Nirectar <5arl. Sein
gellen und Wirken — in München und Wien,
u. 5. N." (Wien 1884. Sallmayer und
Comp.. kl. 8".), welche Schrift durchaus
nickt als das erscheint, als was sieKaiser
bezeichnet; als eine Entwickelung des
Charakters und der Stellung Carl's zur
Volksbühne, da darin zu vieles verschwie»
gen und das Gesagte ohne tiefere Be«
gründung gesagt ist. Auch journalistisch
war Kaiser thätig und die „Morgen-
Post", ein w Wien erscheinendes politisches
Blatt, brachte von ihm im Jahre 4838
„Ereignisse und Denkwürdigkeiten auS
dem Leben Wenzel Scbolz'" (Nr. 71 bis
106); seine Novelle „Ein Wort" erschien
im Feuilleton der „Ostdeutschen Post"
(1830) und eine andere, „Ein Diner in
einer Bauernhütte" in der Vorstadt» Zei»
tung (1833). Viele Gedichte, wohl das
schwächste was K. geschrieben, denn er
ist durchaus kein Lyriker, sind in Iour«
nalen und Taschenbüchern abgedruckt.
Was Kaiser's ästhetische Bedeutung als
Theaterdickter betrifft, so ist in allen
seinen Arbeiten entschiedenes Talent un«
verkennbar; er hat mit Glück fremde
Stoffe bearbeitet, leider aber nicht immer
die Quelle angegeben, sowie z. B. erst in
jüngster Zeit sein Stück: „Ein grober
Freund" nur die geschickte Bearbeitung
eines auch erst in neuerer Zeit veröffent- lichten italienischen Schauspiels :
amioo«, ist. Bei ihm „tritt, wie Goti-
sch al l bemerkt, „dieGöttermaschine mehr
(wir möchten sagen fast ganz) in den
Hintergrund und räumt sogar direct
politischen Tendenzen, wie der Emancipa»
tion des Bauernstandes, den Platz ein.
Ein gesunder Humor und die Gabe ge«
schickter Erfindung geben seinen meisten
Stücken inneres Leben, obwohl die Poesie
des Praters und Augartens. welche auch
von Kaiser vertreten wird. keine bedeu»
tenden geistigen Hebel anzusetzen vermag."
Kaiser ist sehr witzig, schreibt auch präch-
tige Couplets, ist im Gebiete des Grellen
groß; aber der sittliche Stoff, mit dem er
seine dramatischen Gestalten kleidet, ist
sehr fadenscheinig und feine Gewohnheit:
eben derZote die Mora l in den
Mund zu legen, ist eine empörende
Unart. Auch würde Kaiser, wenn er
nicht eben immer Lohnarbeit hätte ver«
richten muffen, ungleich Bedeutenderes
geleistet haben, da er dazu die Fähigkeiten
in ausgiebigstem Maße besitzt. Wenn ihn
der „Pester Lloyd" 1837, Nr. 103. „den
Molisre des Carl>Theaters" nennt, so
wird diese papricirte ästhetische Ansicht
hier nur deßhalb mitgetheilt, damit die
Priorität derselben diesem Pesther Blatte
in der Zukunft nicht streitig gemacht wer»
den kann.
l. Die dramatischen Arbeiten Friedrich Kaiser'H,
in chronologischer Folge. (Die mit einem
Stern (*) bezeichneten sind im Drucke, u. z.
wenn beim Sterne rin I> steht, bei Pichler,
wenn dabei cm ^V steht, bei Wall ishaus«
ser, nachmals Klemm, erschienen.)
1834. „Das Rendezvous". Lustspiel in
3 Acten (von Director Carl aber zu einer
Localposse verbalhornt, worauf es als „Hans
Haftnkopf" am 16. December 1838 im Theater
an der Wicn zur Aufführung kam und 3 Mal
gegeben wurde).
I83ß. „Wol fund Braut". Posse(s.Iuni
im Theater a. d. Wien, 11 Mal gegeben).
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Jablonowski-Karolina, Volume 10
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Jablonowski-Karolina
- Volume
- 10
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1863
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 524
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon