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Aandler 43U Kandier
Habe nach Prag zu ziehen und diese für
die Ausbildung seines Sohnes zu ver
wenden. Im Jahre 1830 begab sich der
alte Kandler mit seinem Sohne nach
Prag, stellte diesen Führ ich vor, auf
dessen Verwendung Wi lhe lm auch in
die Prager Kunstakademie aufgenommen
wurde. Nachdem er vier Jahre die Aka
demie besucht, häuften sich die Drangsale
in der Familie, der Vater wurde immer
kränklicher, der Verdienst immer spärli«
cher und die Sorgen immer größer. I n
dieser Noth gerieth der Vater auf den
verzweifelten Gedanken, die Laufbahn des
Sohnes, die nicht sobald eine Ernte
versprach, gegen eine andere, die schneller
ein Brot schaffen sollte, umzutauschen
und schon wurden Verhandlungen ange«
knüpft, um Wilhelm als Musterzeichner
in einer Kattunfabrik zu unterbringen.
Der Fabriksherr aber, nachdem er eine
Arbeit des talentvollen Jünglings gese-
hen. nahm selbst Anstand, den Pegasus
in's traurige Joch des täglichen Erwerbes
zu spannen. Dieß half aber der Sorge
im Haufe nicht ab, die Noth stieg immer
höher und erst als sie am Höchsten war,
stellte sich die Hilfe ein. Pater Franz
Hocke, der durch einen glücklichen Zu«
fall von der traurigen Lage der Familie
Kenntniß bekam, besuchte dieselbe, lernte
die Arbeiten des talentvollen Jünglings
kennen, bestellte bei ihm ein Bild, welches,
wenn es gelungen ausfiele, in der Kirche
zu Kozel aufgestellt werden sollte, wie es
auch geschah, und beschenkte die Familie,
die für eine Zeit wieder vor Noth ge«
borgen war. Nachdem das Bild vollendet,
fand sich bald neue Beschäftigung für
den jungen Künstler, auf den die Kunst«
Händler eben durch dieses Bild aufmerk,
sam geworden waren. Er erhielt nun
Bestellungen von Landschaftsbildern und
Architekturen, namentlich für daö von Gottl. Haase herausgegebene „Pano»
rama des Universums", von Zeichnun»
gen für religiöse Bilder, die dann gesto-
chen wurden; für Hanse arbeitete er
auch das von Hy r t l Md. IX, S. 462^j
gestochene Panorama von Prag; in Ge«
meinschaft mit Karl Würbs mehrere
Ansichten von Prag und einige Gedenk»
blätter an die böhmische Krönungsfeier
I I . Majestäten des Kaisers Ferdinand
und der Kaiserin Mar ia Anna. In«
dessen besuchte K. steißig die Akademie,
welche nach Waldherr 's Tode (1834)
zeitweilig unter die Leitung des Historien«
malers Wenzel Man es (gest. 1838)
kam, bis der Maler Kadl ik ^S. 346^
ihr Director wurde. I n dieser Zwischen«
zeit erhielt K. mehrere Preise für Com«
Positionen und Modellstudien. Als aber
nun der alte Kandler dem Leiden, an
dem er schon seit Jahren hinsiechte, end»
lich (1. März 1837) erlag, überging auf
Wi lhe lm, der damals 21 Jahre zählte,
die ganze fernere Sorge für die verwaiste
Familie. Sein Talent und seineGeschwister«
liebe halfen ihm die schwere Aufgabe lösen.
Schon früher war der Maler Gurk
>M. VI, S. 37^ auf den jungen talent-
vollen Künstler aufmerksam geworden,
Bei Gelegenheit der böhmischen Königs«
krönung hatte sich die Aufmerksamkeit
auf die merkwürdige Kronburg Karl«
stein gelenkt, und die von Gurk be»
antragte Copie der Kunstschätze wie die
umfassende Restauration der Burg wur«
den angeordnet. Zur Copirung der aus
der karolinischen Zeit stammenden Tem«
perabilder im Treppenhause des großen
Thurmes, welche die Legenden der Lan«
despatrone H. Wenzel und H. Lud«
milla illustriren, wurden Kandler und
Lhota von der Gesellschaft patriotischer
Kunstfreunde auf den Rath Gurk's ent«
sendet. Auch wurden unter Gurk's
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Jablonowski-Karolina, Volume 10
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Jablonowski-Karolina
- Volume
- 10
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1863
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 524
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon