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Aanne 443 Kannegießer
kalischen Verhältnisse nachhaltig anregender.
Er war nicht nur begründet in der Berechtigung,
als allseitig durchgebildeter Musiker, geachteter
Compunist, und umsichtiger Cavellmeister, das
kritische Schwert führen zu dürfen; K. hatte
sich denselben auch erzwungen durch die Ob'
jectivität seiner kritischen Anschauung, durch
die Schärfe und Gediegenheit seines Urtheils,
vor allem aber durch die Prägnanz und Ein»
dringlichkeit des Ausdruckes gegenüber einer
nicht unbedeutenden Menge indolenter Ansich»
ten, vor dem Forum dercn Oeffentlichkeit zu
verfechten. Seine musikalische Kritik hat noch
uor den meisten Urtheilen seiner Zeitgenossen
den Vorzug voraus, daß sie nicht mit den
Errungenschaften ihrer Zeit zufrieden, sich von
den Bestrebungen der Neuzeit eigensinnig ab-
schloß, sondern die Uebergangsperiode mit
anbahnend.- vor Allem auf das richtige Ver-
ständniß der Beethoven'schen Meisterwerke
beim musikalischen Publikum nach besten
Kräften und mit allem Nachdrucke hinzuwir»
ken suchte. In Kanne ehrt die Kunstgeschichte
einen jener »nächtigen Herolde, wclche dem
Erscheinen des großen Tonheros kühn voran-
gingen, zu einer Zeit, als noch nicht das Volk
die Blumen unbedingter Anerkennung auf
seine Wege streute. Er erklärte bei der von
Beethoven selbst im Jahre 1824 im Rcdou-
tensaale und später im k. k. Hof'Opemtheater
veranstalteten ersten und zweiten Aufführung
seiner großen Symphonie, dieses Tonwerk als
„eine der größten Erscheinungen dee
Jahrhunderts" , unbekümmert um das
mitleidige Lächeln so mancher seiner Collegen,
die sich nicht entblödeten, diese Symphonie,
sowie überhaupt alle Werke, in welchen sich
Beeth oven von der Mozart'schen Richtung
entfernte, für „Narrenmusik" zu erklären. Mit
offener Stirne trat Kanne dem Kastengeiste
der Musiker entgegen, wo er ihm nur immer
aufstirß. öffentlich erklärte er dem Zopfthuin
in der Tonkunst den Krieg und brach vollstän^
dig mit der starren Scholastik, die nicht den
Geist und das Gemüth zu ihren Zunftgenossen
zählt." — Was Kann.e'6 Comvositionen be»
trifft, so werden dieselben von Musikkennern,
als im Mozart'schen oder Haydn'schen
Style gehalten, einfach, melodienreich und
originell bezeichnet. — (sin anderer Sonder«
ling desselben Namens: Johann Arnold
Kanne (geb. zu Detmold 1773, gest. zu Er»
langen 17. December 1824), steht auch zu
Oesterreich in einiger Beziehung. Nachdem er
die Theologie zu Göttingen. Leipzig. Halle und Berlin beendet, mystischen Schwärmereien sich
hingegeben und das väterliche Erbtheil ver«
geudet hatte, begann er philologische Studien
und ernährte sich kümmerlich von der Schrift-
stellerei. Im Jahre isl)5 trat er in österrei«
chische Kriegsdienste, aus welchen er aber nach
einiger Zeit wieder losgekauft wurde. Nun
privatisirte er in Würzburg und schriftstellerte.
Noth zwang ihn um 1806 stch in Berlin an<
werben zu lassen. Von den Franzosen gefan-
gen, gerieth er in großes Elend. Es gelang
ihm zu entfliehen und nun trat er zu Hilo»
burghausen neuerdings in österreichische Dienste.
Bald erkrankte er aber und kam in's Spital
nach Linz. Als Jean Paul von seiner trau«
rigen Jage Nachricht erhielt, schrieb dieser an
Kanne's Freund Adolph Wagner nach Leip«
zig, der ihn nun wieder loskaufte, worauf sich
K. nach Bayreuth begab. 1809 wurde er Pro»
fessor der Geschichte am Realgymnasium zu
Nürnberg. 1817 Professor der Philologie
ebenda, 1818 aber Professor der orientalischen
Literatur in Erlangen, wo er, durch religiöse
Absichten verfinstert, noch sechs Jahre lebte
und erst 51 Jahre alt starb. Kayser's Bücher«
Lexikon (Bd. I I I , S. 302) zählt seine meist
theologisch « mystischen Schriften auf. ^W i»
gan d's Conuersations'Lerikon (Leipzig, gr. 8<>.)
Bd. VII, S. 336. — NouvsIIe Vio^i-a-
pliis FSu6ra,Is . . . pudlies par Nllil. 1'ii''
min viäot lrölos 5ou8 Ia üirsotion Hs
öl. lo Dr. Hoolsr (Paria 1850 st 5., 8°.)
1>oms XXVII, x. 486.
Kannegießer, Hermann Lorenz Frei-
Herr (Staatsmann, geb. zu Anfang
des 18. Jahrhunderts, Todesjahr unbe«
kannt). Trat in den Staatsdienst und war
in den Jahren 1729—1734 Oberamts-
Rath in Schlesien. I n dieser Stellung
entwickelte er zur Zeit des durch Fried«
rich I I . an Oesterreich begangenen Rau»
bes von Schlesien, kurz vor Ausbmch des
ersten schlesischen Feldzuges, eine große
Energie. I n mehreren auf eigene Kosten
durch den Druck veröffentlichten Schriften
widerlegte er die Ansprüche Preußens auf
Schlesien. Als dann 1742 der Friede zu
Stande kam, wurde österreichischer SeilS
er zum Abschlüsse desselben entsendet und
hat dabei Oesterreichs Interessen so treff.
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Jablonowski-Karolina, Volume 10
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Jablonowski-Karolina
- Volume
- 10
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1863
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 524
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon