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Kü.ntor 447 Kapeller
hauen, theils erdrückt wurden. Am fol-
genden Tage kam K. unter den Handen
eines preußischen Arztes, der seine schreck«
lichen Wunden verband, zur Besinnung:
blieb, bis er geheilt wurde, in Gefangen-
schaft, worauf er zumRegimente einrückte.
In demselben wurde er im Jahre 1768
Oberlieutenant, 1770 Hauptmann. Nach
einigen Jahren meinte man, der damals
fast 60jährige Hauptmann K. könnte doch
in den Ruhestand sich versetzen lassen, und
schon war es nahe daran, daß K. dem
ihm voll Schonung gegebenen Winke
Folge leistete. Als aber Kaiser Joseph
Siebenbürgen, wo damals das Regiment
lag, besuchte und ein paar ermunternde
Worte dieses großen Fürsten den alten
K. an seinen Vorsatz, „in den Reihen des
Regiments zu sterben", erinnerten, wollte
dieser von einer Versetzung in den Ruhe°
stand nichts weiter wissen. Der Türken-
krieg brach aus, das Regiment wurde in
die Pässe zur Vertheidigung Siebenbür«
gens vertheilt. Am Törzburger Passe steht
der wackere Hauptmann Kantor mit
seiner Compagnie. Am 2. März rückte
der Feind heran und wird geworfen;
am 16. März greift er wieder an und
erfahrt dasselbe Schicksal. I n der Nacht
vom 23. auf den 26. März wird Kantor
und die kleine Zahl von Leuten, die er
noch hatte, von den Türken von allen
Seiten überfallen, mit Macht angegriffen.
Kantor scheint sich zu vervielfältigen,
stürzt sich mit seiner kleinen, von ihm
begeisterten Schaar mit aller Gewalt auf
den Feind, metzelt links und rechts, was
sich ihm entgegenstellt, nieder, so daß die
. Türken von dieser Handvoll Helden
überwunden und zersprengt werden.
Käntor selbst hieb den türkischen Fah«
nenträger nieder und entriß ihm die
Fahne. Auch die weiteren, im Monat Mai
erfolgten Angriffe der Türken wies K. siegreich zurück. Er wurde nun zum Major
befördert. Nur einmal noch als Major,
im Treffen beim Tömöscher Passe am
Berge Predial. 13. Juli 1779. befehligte
K. sein Bataillon, der Feind verlor an
diesem Tage 3000 Mann. Major Kän-
tor wurde blessirt und beschloß mit diesem
Tage die Reihe seiner Heldenthaten.
Diese letzte Wunde wollte nicht mehr
heilen und K. war gezwungen, in den
Ruhestand zu treten. Er genoss ihn aber
gar nicht, ehe seine Penswnirung an«
langte, wurde der Held zu Grabe getra»
gen. Vom Gemeinen zum Stabsofficier
hatte er sich durch seine Tapferkeit empor-
geschwungen, 48 Jahre hatte er ununter-
brochen gedient, 42 Schlachten und Ge>
fechte mitgemacht, keinen Ordm, aber was
mehr gilt als alle Orden der Welt,
17 mitunter sehr schwere Wunden für
Kaiser und Vaterland erhalten. Wer
glaubt es wohl, von dieses Helden
Großthaten schweigt Gedicht und Stein;
so soll, was diese Zeilen melden, das
Denkmal seiner Thaten sein.
Militär«Zeitung, herausg. von Hirten-
feld (Wien, 4».) 1836, Nr. 1l)3. S. 823:
„Negiments'Tradition".
Kapeller, Iaroslaus a Sancto Ale-
rio (gelehrter Piarist, geb. zu Horn
in Nieder »Oesterreich 47W, gest. am
21. Jänner l7o9). Trat jung in den
Orden dcr frommen Schulen, in welchem
er die philosophischen und theologischen
Studien beendete und überdieß mit beson«
derer Vorliebe das Studium der griechi»
schen und hebräischen Sprache betrieb.
Er übernahm nun ein Lehramt in den
.Grammatikalclassen und nachdem er es
mehrere Jahre versehen hatte, wurde er
Professor der Philosophie zu Leitomischl.
Nur kurze Zeit versah er die letztgenannte
Stelle. Adolph Gro l l , Bischof von
Raab in Ungarn, gleichfalls aus dem
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Jablonowski-Karolina, Volume 10
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Jablonowski-Karolina
- Volume
- 10
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1863
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 524
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon