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Karadschitsch 468 Karadschitsch
schitsch seine Zuflucht in Oesterreich
suchte und sie in Wien fand. Von dieser
Zeit an nahm K. seinen bleibenden Auf<
enthalt in Oesterreich, besuchte jedoch öfter
seine Heimat, lebt aber ausschließlich sei»
nen gelehrten, vornehmlich linguistischen
Forschungen, dem politischen Parteige«
triebe sich fernhaltend. Auf des gelehrten
Kopitar Rath, mit dem sich K. bald
befreundete, begann er die Materialien zu
einer slavischen Anthologie zu sammeln.
Damals waren die Dichtungen der Ser«
ben, wenngleich einHerder und Goethe
bereits die Aufmerksamkeit auf diese
Schätze der Poesie gerichtet hatten, im
Allgemeinen noch wenig bekannt. Als
nun K. mit seiner Sammlung, zu der ihm
Bosnien, Serbien und Montenegro
schätzbare Materialien geliefert hatten, in
die Oeffentlichkeit trat, war man über
diesen Schah der Muse in nicht geringes
Entzücken gerathen. Seit Homer wollte
man nichts AehnlicheS erhalten haben.
Ueberdieß gehörte die Mehrzahl dieser
Lieder der jüngsten Vergangenheit an,
viele derselben feierten die Heldenthaten
des Czerny Georg, und ein Blinder,
Namens Philipp, dem einer der Haupt»
. linge für einen Siegesgesang ein weißes
Pferd geschenkt, hatte mehrere, derselben
der Erste gesungen. K.'S wissenschaftliche
Arbeiten sind theils sprachlicher, theils
historisch>ethnographischer Natur und
vermitteln in letzterer Richtung in zuver-
lässiger Weise die Kenntniß der Geschichte
und Sitten seines noch wenig gekannten
Volkes. In seinen philologischen Arbeiten
ist sein Hauptstreben dahin gerichtet, die
Sprache, wie sie im Munde deS Volkes
lebt, als Schriftsprache zur Geltung zu
bringen und an die Stelle des bisher als
Schriftsprache geltenden Kirchenslavi-
schen zu setzen. Er hat in dieser Hinsicht
die Bemühungen des Dositheus Odra«
v. Würzbach. biogr. Leiikon. X. sGedr. dowitsch von Neuem aufgenommen.
Der Umstand jedoch, daß K. zur Ausfüh.
rung dieses im Ganzen höchst glücklichen
und zweckmäßigen Gedankens sich einer
eigenen Orthographie bedient, welche letz.
tere uberdieß zum großen Theil sich auf die
russische
stützt, erschwert in nicht geringer
Weise das Verständniß. K.'s Werke sind,
wie
sie der „Almanach der kais. Akademie
der Wissenschaften" auszählt, in chrono«
logischer Folge nachstehende: Ma^a
OöHLbuo - Osp6e«a
) d. i. Serbische Volkslie-
der. Band I und I I (Wien
Schnierer); —
^63»«2.") d. i. Grammatik der serbischen
Sprache (Wien 1814, Schnierer); —
„Serbisch - deutsch > lateitmches Wörterbuch"
(Wien1818, Mechitharisten); — „Napo-
HU6 Opnoico nHeonO", d. i. Zweite ver-
mehrte Auflage der serbischen Volkslieder.
Band I, H und HI (Leipzig 1823 bis
1824,. Breitkopf und Härtet); Band IV
(Wien 1833, Mechitharisten); — „ 1 ^
(Leipzig 1824, Breitkopf und
Härtet); die Vorrede dazu schrieb der
berühmte Polyglott I . S. Vater; —
d. i. Almanach historischen
und philologischen Inhalts, für das Jahr
1826, 1827 und 1828 (Wien. Mechitha-
risten); für das Jahr 1829 (Ofen, Uni-
versitätS-Buchdruckerei); für das 1.1834
en, Mechithariften); — „M«^6
nkink^a") d. i. Biographie
des kais. russischen General-Lieutenants
Georg von Emanuel (Ofen 1826, Uni-
versit. Buchdr.); — „Nn^oiii O6^6»0-
«, d.i. Biographie deS Fürsten Mi-
losch Obrenowitsch (Ofen 1823, Univers.
Buchdr.); — „llapoHus OpiieicO noo^o-
d. i. Serbische Sprichwörter
(Cetinje >m Montenegro) 1836, Landes-
Buchdr.); — „Montenegro und die Muntene»
23. August 1863.) 30
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Jablonowski-Karolina, Volume 10
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Jablonowski-Karolina
- Volume
- 10
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1863
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 524
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon