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Zäuerle 364 Aäuerle
Unter Einem wurde Baron Bach zum
kaiserlichen Botschafter am römischen
Hofe ernannt, welchen Posten er noch
zur Stunde bekleidet.
Unsere Zeit. Jahrbuch zum Conversations-
Zerikon (Leipzig 1839. Brockhaus, gr. 8<>.)
Bd. I I I , S. 648. — Gothaisches genea«
logisches Taschenbuch der freiherrlichen
Häuser (Gotha. Just. Pcrthes.320.) x i . Jahrg.
(186!), S. ? Daselbst die geschichtliche Ueber»
sicht und die Beschreibung des Wappens).
Schriftsteller s^. d. Vd. I, S.
gest. zu Base l in der Nacht vom
19./20. September 1839. Die Feier
seines 'i)0jahr'igen Wirkens als Reda«
cteur. welche am 30. Jänner 1836 statt-
fand, war der letzte Freudentag des
„letzten fidelen Wieners". Die Zeit war
längst eine andere geworden, alle seine
Versuche, die „Theaterzeitung" zu heben,
scheiterten an der nicht zu besiegenden
Concurrenz mit anderen billigeren Blät<
tem, an dem zurückgedrängten Interesse
für Theaterklatsch und Concertberichte
und an dem Mangel der Geldmittel, um
das zu leisten, was versprochen wurde.
Ein letzter Versuch, die werkthätige Theil«
nähme des Wiener Publicums auf sich
hinzulenken, waren «seine Memoiren",
von denen zu Anfang des Jahres 1858
der erste Band erschienen ist. Wenn der-
selbe im Allgemeinen auch nicht bofrie«
digte, so trug man doch nach der Fort«
setzung Verlangen; in den späteren
Theilen mußte das von Bauerle Er»
lebte, wenn auch die volle Wahrheit zu
erfahren Niemand erwartete, an Inter-
esse schon dadurch gewinnen, daß er ja
!'. !t den künstlerischen Persönlichkeiten
jeder Gattung und aller Lander Europa's
seit 3—4 Decenmen persönlich verkehrt
und in der vormarzlichen Periode als
Journalist eine ausnahmsweise Stellung
eingenommen hatte, wovon in der Dar« stellung seines Lebens doch mancherlei und
darunter höchst Interessantes vorkommen
mußte. Es war ihm nicht beschieden,
die Memoiren fortzusetzen. Seine, mit
jedem Tage mehr sich trübenden Verhalt«
niffe gestatteten ihm nicht die erforder«
liche Gemüthsruhe, und als gar seine per-
sönliche Freiheit bedroht ward, flüchtete
er am 57. Juni 1839 aus Wien nach
der Schweiz, wo er in der Stadt Basel
eine Zufluchtstätte fand. Nicht lange lebte
er in der Fremde. Man sagte, ihm sei
das Herz gebrochen über dem Gedanken,
als Greis in fremdem Lande unter frem<
den Leuten wie ein Verbannter sterben
zu müssen; da es denn doch anders
hätte sein können, wenn er in die neue
Zeit sich zu fügen verstanden hätte. Ein
eigenthümliches Verhangniß: er der
conservativste der Konservativen. der
nach den Maitageu nur noch in den
Erinnerungen an die Tage des absoluten
Regime's schwelgte, die ja die Tage
seines Glanzes waren, mußte in der
freien Schweiz sterben und liegt in der
Erde des freiesten Landes Europa's be-
graben. Ein literarischer Nachlaß hat sich
nicht vorgefunden. Die Theater-Zeitung
übernahm von Bauerle's Tochter Frie«
derike ein Herr Mor länder. Das
Blatt fristete noch einige Monate sein
Dasein, dann hörte cs wegen Mangel
an Theilnahme auf.
Tritsch. Tratsch (ein WimcrWi^.und Spott,
blatt). I. Iahra. (l658). Nr. 7, S. ü2: „Nie.
ner bekannte Persönlichkeiten. IV. Adolph
Väuerle" smit einem ziemlich ähnlichen Por»
trät in Holzschnitts — Presse (Wiener
polit. Journal) 1859, Nr, 241.- Nekrolog uon
F. Uhl. — Frankfurter Konversa-
ti onsblatt 18ii!), Nr. 220. — Wiener
Zeitung 1859, Nr. 241, S. 41<)7. —
Abendblatt zur Neuen Münchener
Zeitung 1869. Nr. 243 und 244: „Adolph
Bäuerle und die üocalposse", von August,
Lewald.
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Károlyi-Kiwisch, Volume 11
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Károlyi-Kiwisch
- Volume
- 11
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1864
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 498
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon