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wurde erworben hatte. I m Jahre 1848
zum Professor an dem Gymnasium auf
der Prager Kleinseite ernannt, trat e
zugleich auf der Universität als Docen
" der Philosophie in oechischer Sprach«
auf. Als im Jahre 1833 das Altstädten
Gymnasium als eine deutsche Lehranstal
erklärt wurde, verlor ö., weil er in
oechischer Sprache lehrte, seine Professur
und bewarb sich sofort um die Erlaubniß,
ein Privatgymnasium errichten zu dürfen.
Unter Einem gründete er auf seiner in der
Nähe von Prag gelegenen Besitzung
Polczawka eine höhere Lehr« und Erzie»
hungsanstalt. Im Jahre 1861 wurde er
in zwei Landbezirken, nämlich Chrudim
und Hohenmauth. in den böhmischen
Landtag und von diesem später in das
Abgeordnetenhaus des österreichischen
Reichsrathes gewählt. Als Schriftsteller
auf mehreren Gebieten, vornehmlich auf
jenem der Pädagogik und Philosophie,
thätig, schreibt ö. in deutscher und
oechischer Sprache. Seine bisher erschie-
nenen Schriften sind: „^a^Htt F^o
s^o^ H ciH?n. O^s^en/ / / " , d. i. Lese»
buch für Schule und Haus (Prag 1832.
Andrö); — „/O«^l/
a H t^te? '^") d. i. Kurzer Inbegriff
der öechischen Literaturgeschichte u. s. w.
(ebd. 1832, Andrs. 8".); — „Grundriß
der empiriöchrn Psychologie" (ebd. 1832,
8^.)', — „Praktischer Vehrgang u^m zchnelleu
untl leichten Erlernen der uüliiuiZchen Sprache"
(ebd. 1852,8".)', — „RähmiZches Gleinentar.
merk. 1. Gheil: NijhmiZche Sprachlehre tür In-
tiinger; 2. —^ . Theil: NühmiLchtt DZebnch"
(Prag 1832, Andrä. 8<>.)', — .Meinich-
Gllächelmärtrrbnch tür Tnter-
(ebd. 1833, Rohliöek, 80.); —
- deutsch - bühmi5che3 Taschenrnürter-
buch tür NntrrMinnLirli" (ebd. 1833, Rohli»
öek, 8".); — „Plan nnd Ciürichtung drr!
v. Würzbach, bio«r. Lexikon XI. fO in der Nähe uan Prng nen begründeten Achr-
nnd Grzichungzanztlllt tiir Anabln und Iiing-
lmgc" (ebd. 1834, 4".). Auch betheiligt
sich Ü. an dem von I . W. Rozum be.
gründeten Sammelwerke: „3t3.roöeckä.
didUowica", d. i. Altböhmische Biblio-
thek, in welcher mit besonderem Hinblicke
auf die lernende öechische Jugend altere
öechische Werke neu herausgegeben wer»
den. ö. bearbeitete für diese altböh-
mische Bibliothek einige Originalwerke
des V6i68iavin und schickte denselben
eine literarhistorische Einleitung voraus.
Es bildet den 2. Theil der äiavo^älvä.
diblioteku.. Im Abgeordnetenhause des
ReichSratheS zählt Ü. zur Partei der
Föderalisten. Er nahm bei mehreren
Gelegenheiten das Wort. I n eindringe
lichster Weise aber sprach er in der
Sitzung vom 2. August 1861, in welcher
er in einer ausführlichen Nede seinen
Antrag: die Revision deS Unterrichts«
planes sogleich vorzunehmen, begründete.
. will im Kampfe des modernen Rea>
lismuS gegen den antiken Humanismus,
welcher Kampf eben das neuere Schul,
wesen kennzeichnet, dem ersteren gebüh«
rende Rechnung getragen wissen. Er ver>
langt vor Allem totale Reform des bis«
herigen Gymnasialplanes, den er mit
dem Satze kennzeichnet: „Unser Gym»
nasium stößt seine Schuler in die Welt,
aber erziehen für dieselbe will es nicht".
Ü. verwirft ferner die Maturitätsprü« -
'ungen als unzweckmäßig: nachdem der
Schüler durch 8 Jahre für fähig gehalten
wurde, kann es ihm geschehen, im letzten
mit einem Zeugniß der Nnreife einen an-
eren Lebensplan einschlagen zu müssen.
Schließlich plaidirt er für die Gleich-
erechtigung der Sprachen in seinem
Vaterlande.
Stenographische Protokolle des Abge-
ordnetenhauses des österreichischen Reichs»
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Károlyi-Kiwisch, Volume 11
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Károlyi-Kiwisch
- Volume
- 11
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1864
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 498
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon