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Köfsinger 209 koffinger
Stadt Ofen, ein Mann, „der", wie es
in einem Nekrologe seines Sohnes heißt,
„mit den Besten seiner Zeit im lebhaften
literarischen Verkehre stand" ^fiehe zu
Ende dieser Lebensskizze .^ Unter seines
Vaters Leitung beendete der Sohn die
philosophischen und medicinischen Stu>
dien an der Pesther Hochschule. Im Jahre
1843 erlangte er die medicinische Doctor»
würde; nun machte er im Wiener allge»
meinen Krankenhause den praktischen
Cursus, einen gleichen über die Augen>
Heilkunde unter Professor Rosas und
trat als Tertiär«. später als Secun»
dararzt im Pesther Rochusspitale in die
Praxis. I m Herbste 1847 zum Assistenten
des Professors der Oculistik an der Pesther
Universität berufen, blieb er daselbst bis
1830, in welchem Jahre ihn die Stadt
Ofen zum wirklichen PhysicuS ernannte,
nachdem er schon seit 1847 Honorar.
Physicus der Stadt gewesen. Auch über.
nahm K. die Leitung deS stadtischen
Spitals bei den barmherzigen Brüdern.
Bald war K. ein sehr gesuchter Arzt,
seine Geschicklichkeit und seine Humanität
bahnten ihm den Weg und dann war
K. ein Armenarzt nach dem Willen deS
Herrn. Sein Tod — der ihn im Alter
von 33 Jahren hinraffte — erfolgte nach
dreitägigen martervollen Leiden ohne
vorangegangene Nrsache; die Nachricht
seines Ablebens erfüllte nicht bloß seine
Freunde, sondern die ganze Bevölkerung
mit Trauer. Köff inger hat im Vater«
ticken Hause eine classische Bildung in
des WorteS bester Bedeutung erhalten.
Er besaß bedeutende Spcachkenntnisse,
war ein Kenner der verschiedenen natio»
nalen Literaturen, schrieb selbst sinnige
Gedichte, welche jedoch nur vereinzelt
gedruckt sich finden, und für seinen
Freund Dopft ler den reizenden Text
zur Oper ^ianasiÄ.". Sonst erschien
o. Würzbach. biogr. Lexikon. XII. l^Ged noch von ihm im Jahre 1843 im Drucke
die Inaugural.Differtation: „Neber die
wichtigsten Operationen des AugeS",
welche von Fachmannern als eine tüch«
tige Arbeit bezeichnet wurde. Sie ist in
ungarischer Sprache verfaßt. Ueberdieß
war K. ein sehr geschickter Maler; zahl»
reiche Aquarelle und Oelbilder befinden
sich im Besitze seiner Freunde und diese
Arbeiten sind nicht Schöpfungen jeneS
Dilettantismus, der seine Muße in einer
angenehmen Beschäftigung verwenden
will, sondern es find Schöpfungen eines
wirklichen Talentes, das nur darum nicht
diesem Berufe sich hingab, weil es sich
eben einen anderen, der ihm innerlich
mehr zusagt, erwählte. Noch war K. ein
gebildeter Musiker, der sehr angenehm
sang und mit Vollendung Clavier spielte.
B e e t h o v e n , M o z a r t , H a y d n
waren die Meister, die ihm neben der
Dichtung und Malerei die Stunden seiner
Muße verklären halfen. Was K. als
Arzt, besonders als Augenarzt gewesen,
davon leben mehrere Züge aus seinem
Leben im Volksmunde, namentlich unter
den Armen, die an ihm, so jung er noch
war, als er starb, ihren Freund und
Wohlthater, ihren Vater verloren. — I n
Hormayr'S „Taschenbuch für vaterlän«
dische Geschichte", in den Jahren 1820
bis 1823, finden sich mehrere ganz vor«
treffliche Gedichte, einfach mit Köffin«
ger unterzeichnet; es sind im Jahrg.
1820. S.3t8: „Die Sage von Stibor";
— 1821. S. 266: „Simon Kemäny";
1823. S. 341: „Die Will i"; —
l824. S. 439: „Wie Graf Rudolph von
Habsburg den Sänger geehrt"; —
S. 434: .König Emerich"', — 1825,
>. 333: „Der Geist von Somolan".
I n den spateren Jahrgängen erscheint
dieser Name nicht mehr. Diese Dichtun-
gen, wie aus ihren Titeln ersichtlich,
23. Juni l864., 14
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Klácel-Korzistka, Volume 12
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Klácel-Korzistka
- Volume
- 12
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1864
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 528
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon