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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Klácel-Korzistka, Volume 12
Page - 261 -
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Page - 261 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Klácel-Korzistka, Volume 12

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karner 261 munde" ist die Diction am reifsten und findet manches originelle Bild und manchen schla- genden Ausdruck. Der Inhalt aller dieser Dramen ist der H eroismus. der jugendliche äußerliche, drauf losschlagende Heroismus, während nur in Rosamunde innerliches, wenn auch lyrisch duftiges Leben zur Geltung kommt. Tony erschießt den Hoango; Hedwig schlägt den Rudolph mit dem Flintenkolben zu Boden; Helene läßt sich von Iuranitsch erstechen; Zriny sprengt sich mit ganz Szigeth in die Luft. Liede. Haß und Patriotismus wirken so in der handgreiflichsten Weise. So dürftig der Inhalt dieser Stücke ist, so haben sie doch den Vorzug der Bühnlickkeit und des theatralischen Effects. . . . Zu den Heldinen Körner's hat meist oie Amalie und Leonore gesessen; nur zur Rosamunde die Maria Stuart. Im Zriny bewegen sich Charakter, Diction und Handlung in lauter martialischen Schwadronshieben; doch erregt der wackere Haudegen selbst einen nur für fünf Acte nicht ausreichenden Antheil. Hedwig und Tony sind deutsche, fünfjaiubige Voulevardspocsie. . . . So wenig Neife diese Hornec'schen Dramen haben, so ist doch das dramatische Talent des Dichters, das sich in einer straffen energischen Komposition, in dem Sinne für dramatischen Zusammenhalt und formelles Maß zeigt, kei' neöwegs so zu verachten, wie es von den Shakespearomcmen geschieht, denen nur die Formlosigkeit für ein Zeichen des Talentes gilt. Viel bedeutender aber ist Körner als Lyriker; denn wer der Stimmung einer großen Zeit in der Poesie den würdigen Ausdruck gibt, der hat für die Nachwelt gedichtet, wäh- rend er auch die Gegenwart in ihren Tiefen bewegt. Die jugendliche Begeisterung, die 'Todesahnung, der Todesmutd. der gl-oßc freie Sinn jener Kriege spricht sich in Körner's „Leier und Schwert" in emer Form aus, welche melodisch schwunghaft, sangbar, ohne der Bänkelsängers zu verfallen, aus dem Herzen kommt und zu dem Herzen geht. Hier gab die Zeit dem Dichter, was ihm in seinen Dramen fehlt: einen Inhalt. Der Dichter zieht mit seiner „Leier" nickt hinter dem Heere als poetischer Troß; sein Wectcuf tönt voraus und ruft das Volk zu den Waffen. Den Gott der Schlachten ruft er um Schuh und Beistand an; seine einzige Braut ist das Schwert, das er in dem herrlichen „Schwcriliede" feiert. Dieß Lied ist ein Muster edler volksthümlicher Liederpoesie. Viele andere athmen bei gleicher Klarheit gleichen Schwung. Die Stimmung jener Zeir ist bei Körner durchweg rein erhal« ten, rein von jeder deutschthümelnden, pedan» tischen oder romantischen Zuthat. Es ist der frische, energische, kampflustige Volksgeist l . . . Körner hat sich in seiner Lyrik bereits von Schiller emancipirt, denn er ist sangbarer und oolksthümlicker in der Form und im Inhalte, frei von allem mythologischen Ballast und von ganz bestimmter nationaler Färbung. Daß er auch im Drama von den allzu unmittelbaren Einflüssen des Schiller'schen Genius sich loS» gerungen haben würde, dafür bürgen seine Lustspiele, in denen eine anmuthige Leichtig« keit und Grazie und großes Bühnengeschi ct herrscht...." — G utzkow's am 26. August li>63 !n Dresden bei der Körnecfeier gehal> tene Denkrede ist wohl das begeisterndste und wahrste, was je überKörner auS deutschem Munde gekommen. Daß sie ganz hier stehen könnte! Ueber Körner den Dichter sagt er. nachdem er einen schmerzlichen Rückblick auf die Verhaltnisse wirft. wie sich diese nach den Befreiungskriegen gestaltet, und nachdem er von den „verkümmerten Ernten der von Theodor Korner mitgelegten großen Saat" gesprochen, folgendes: „Diesen traurigen Vec- haltnissen gegenüber muß man mit dem Dichter drn glücklich preisen, den im Jugend» lenze die Parze dahinrafft; muß man an Goethe's schönes Bild von jenem irdischen Gott denken, der mit feurigen Armen zu den Unsterblichen emporträgt, was auf Erden keine Stätte sindet. Die lichten Höhen, in die Kör- ner'S verklärter Geist gestiegen, ließen nach fünfzig Jahren rosige Wolken zur Erde nieder. Fünfzig Jahre, und eine Zeit brach an, die d?n Heldenjüngling in seiner edlen UnbefaN' genheit so ganz versteht, wie er lebte und starb, ganz so rein seinen Opfertod nachempfindet, wie er ihn erlitten, erleiden wollte. Die heu> ti^e Jugend wäre derselben reinen Hingebung fähig, und keine falsche Deutung mischt sich jetzt in Körner's Entschluß, keiner von jenen Mißklängen, die so schlill auö den Nachrufen seiner preußischen Biographen und Bewunde rer, cineö Stre ct s u ß, eines Stägemann, ertönen, die iyn sogar l8!3 sich schon erklären lassen gegen die späteren demagogischen Um» triebe! Körner besang Fürsten, weil sie um das gemeinsame Vaterland litten; Fürstinen, weil sie an gebrochenem Herzen um die Nation starben; er wollt,: nicht schmeicheln, wollte nichts für die Theorie der Staaten beweise« — der Sinn und der Wille, der ihn in den Tod führte, war klar und hell, w!e der krystallene
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Klácel-Korzistka, Volume 12
Title
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Subtitle
Klácel-Korzistka
Volume
12
Author
Constant von Wurzbach
Publisher
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Location
Wien
Date
1864
Language
German
License
PD
Size
13.41 x 21.45 cm
Pages
528
Keywords
Biographien, Lebensskizzen
Categories
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