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munde" ist die Diction am reifsten und findet
manches originelle Bild und manchen schla-
genden Ausdruck. Der Inhalt aller dieser
Dramen ist der H eroismus. der jugendliche
äußerliche, drauf losschlagende Heroismus,
während nur in Rosamunde innerliches, wenn
auch lyrisch duftiges Leben zur Geltung
kommt. Tony erschießt den Hoango; Hedwig
schlägt den Rudolph mit dem Flintenkolben
zu Boden; Helene läßt sich von Iuranitsch
erstechen; Zriny sprengt sich mit ganz Szigeth
in die Luft. Liede. Haß und Patriotismus
wirken so in der handgreiflichsten Weise. So
dürftig der Inhalt dieser Stücke ist, so haben
sie doch den Vorzug der Bühnlickkeit und des
theatralischen Effects. . . . Zu den Heldinen
Körner's hat meist oie Amalie und Leonore
gesessen; nur zur Rosamunde die Maria
Stuart. Im Zriny bewegen sich Charakter,
Diction und Handlung in lauter martialischen
Schwadronshieben; doch erregt der wackere
Haudegen selbst einen nur für fünf Acte nicht
ausreichenden Antheil. Hedwig und Tony sind
deutsche, fünfjaiubige Voulevardspocsie. . . .
So wenig Neife diese Hornec'schen Dramen
haben, so ist doch das dramatische Talent des
Dichters, das sich in einer straffen energischen
Komposition, in dem Sinne für dramatischen
Zusammenhalt und formelles Maß zeigt, kei'
neöwegs so zu verachten, wie es von den
Shakespearomcmen geschieht, denen nur die
Formlosigkeit für ein Zeichen des Talentes
gilt. Viel bedeutender aber ist Körner als
Lyriker; denn wer der Stimmung einer großen
Zeit in der Poesie den würdigen Ausdruck
gibt, der hat für die Nachwelt gedichtet, wäh-
rend er auch die Gegenwart in ihren Tiefen
bewegt. Die jugendliche Begeisterung, die
'Todesahnung, der Todesmutd. der gl-oßc freie
Sinn jener Kriege spricht sich in Körner's
„Leier und Schwert" in emer Form aus,
welche melodisch schwunghaft, sangbar, ohne
der Bänkelsängers zu verfallen, aus dem
Herzen kommt und zu dem Herzen geht. Hier
gab die Zeit dem Dichter, was ihm in seinen
Dramen fehlt: einen Inhalt. Der Dichter
zieht mit seiner „Leier" nickt hinter dem Heere
als poetischer Troß; sein Wectcuf tönt voraus
und ruft das Volk zu den Waffen. Den Gott
der Schlachten ruft er um Schuh und Beistand
an; seine einzige Braut ist das Schwert, das
er in dem herrlichen „Schwcriliede" feiert.
Dieß Lied ist ein Muster edler volksthümlicher
Liederpoesie. Viele andere athmen bei gleicher
Klarheit gleichen Schwung. Die Stimmung jener Zeir ist bei Körner durchweg rein erhal«
ten, rein von jeder deutschthümelnden, pedan»
tischen oder romantischen Zuthat. Es ist der
frische, energische, kampflustige Volksgeist l . . .
Körner hat sich in seiner Lyrik bereits von
Schiller emancipirt, denn er ist sangbarer und
oolksthümlicker in der Form und im Inhalte,
frei von allem mythologischen Ballast und von
ganz bestimmter nationaler Färbung. Daß er
auch im Drama von den allzu unmittelbaren
Einflüssen des Schiller'schen Genius sich loS»
gerungen haben würde, dafür bürgen seine
Lustspiele, in denen eine anmuthige Leichtig«
keit und Grazie und großes Bühnengeschi ct
herrscht...." — G utzkow's am 26. August
li>63 !n Dresden bei der Körnecfeier gehal>
tene Denkrede ist wohl das begeisterndste und
wahrste, was je überKörner auS deutschem
Munde gekommen. Daß sie ganz hier stehen
könnte! Ueber Körner den Dichter sagt er.
nachdem er einen schmerzlichen Rückblick auf
die Verhaltnisse wirft. wie sich diese nach
den Befreiungskriegen gestaltet, und nachdem
er von den „verkümmerten Ernten der von
Theodor Korner mitgelegten großen Saat"
gesprochen, folgendes: „Diesen traurigen Vec-
haltnissen gegenüber muß man mit dem
Dichter drn glücklich preisen, den im Jugend»
lenze die Parze dahinrafft; muß man an
Goethe's schönes Bild von jenem irdischen
Gott denken, der mit feurigen Armen zu den
Unsterblichen emporträgt, was auf Erden keine
Stätte sindet. Die lichten Höhen, in die Kör-
ner'S verklärter Geist gestiegen, ließen nach
fünfzig Jahren rosige Wolken zur Erde nieder.
Fünfzig Jahre, und eine Zeit brach an, die
d?n Heldenjüngling in seiner edlen UnbefaN'
genheit so ganz versteht, wie er lebte und starb,
ganz so rein seinen Opfertod nachempfindet,
wie er ihn erlitten, erleiden wollte. Die heu>
ti^e Jugend wäre derselben reinen Hingebung
fähig, und keine falsche Deutung mischt sich
jetzt in Körner's Entschluß, keiner von jenen
Mißklängen, die so schlill auö den Nachrufen
seiner preußischen Biographen und Bewunde
rer, cineö Stre ct s u ß, eines Stägemann,
ertönen, die iyn sogar l8!3 sich schon erklären
lassen gegen die späteren demagogischen Um»
triebe! Körner besang Fürsten, weil sie um
das gemeinsame Vaterland litten; Fürstinen,
weil sie an gebrochenem Herzen um die Nation
starben; er wollt,: nicht schmeicheln, wollte
nichts für die Theorie der Staaten beweise« —
der Sinn und der Wille, der ihn in den Tod
führte, war klar und hell, w!e der krystallene
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Klácel-Korzistka, Volume 12
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Klácel-Korzistka
- Volume
- 12
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1864
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 528
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon