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worauf rr sich selbst, von heiliger Begeisterung
entstammt, den feindlichen Kugeln entgegen
stürzte und den schönen Tod fand für's Pater
land. In diesem Dichterjünglinge sah das
Volk das Vorbild seiner Jugend, eine reich,
Verheißung, dann pries man ihn glücklich
daß er nicht älter ynvmden war, daß die
Hoffnung in voller Iugendschöne mit ihm
starb, bevo: sie bleich und runzlicht wurde.
Außer seinm herrlichen Kriegsliedern hat er
auch Trauerspiele gedichtet, die nicht mindrr
von patriotischer Gluth und dem reinsten
Seelcnadel zeugen, in der Form aber vielleicht
allzusrlavisck die Manier Schiller's festhalten
Seine kleinen Lustspiele können hier kaum
als Nebensache erwähnt werden." — Dr. Thco<
--dor Mundt in seiner „Geschichte der Litera»
tur der Gegenwart" (Leipzig 1833. M. Si«
mion, 8".) Zweite Auflage. S. 34t, zweifelt
ungeachtet er Körner's Kriegslieder kennt,
daß ein nachhaltiger poetischer Kern in ihm
gesteckt habe!!! Mundt schreibt - „Schöner
und reiner erklang die deutsche Poesie, welche
in stolzer und freudiger Begeisterung aus d> n
Bewegungen der Befreiungskriege hervortöntc
und an ihnen ihren Stoff sich erkoren hattr,
Leier und Schwert wurde das Symbol dieser
Muse. Theodor Körner zeigte eine edle Begei-
sterung in einem schönen poetischen Naturell.
Die Lyrik der Befreiungskriege hatte in ihm
ihre liebenswürdigste Vertretung, sonst war
schwerlichein nachhaltigecpoetischer
Kern in ihm! ! „Leier und Schwert" erschien
zuerst 18l4. Seine dramatischen Arbeiten
schwanken zwischen Schiller und Kotzebue und
konnten keine eigenthümliche Form gewinnen.
Aber Körner's Gedichte waren das Organ
der vaterländischen Jugend dieser Zeit um
sind darum eines ihrer edelsten Monumente
urworden." — Adolph Stahr, der geist
volle Kritiker, bemerkt anläßlich der Bespre«
chung der illustrirten Prachtausgabe von Kör«
ner's „Leycr und Schwert": „Was Fichte,
drr gewaltige Denker, der philosophische Ne.
geisterer der Jugend, der „Nedner der deut'
schen Nation", mit den Blitzen und Donnern
seines Geistes in Verlin begonnen hatte: die
deutsche Jugend zum Kampfe auf Leben und
Tod, zum Kampfe für Nationalität und Frei»
heit zu entflammen, zu einem Kampfe des
„wahren Krieges", der keinen Vertrag, keine
Versöhnung kennen sollte vor dem vollstän«
digm, entschiedenen, niederwerfenden Siege
über die Tyrannen und die Tyrannei: das
srhle der jugendliche Dichter, der Sän- ger des Z r iny , dl-r ron Wien auf den
ersten Hornruf des Kampfes herbeieilte zu der
Iunglingsschaar der schwarzen Jäger, sich zur
Aufgabe feines Sanges, das schmetterte sein
Lied in immer stärker, feuriger, begeisterter
anschwellenden Klängen und Weisen in die
Herzen der Nation, so weit die deutsche Zunge
klang. . . . Ein deutscher König hat ihm nach-
gesungen: „daß Throne stürzen, Throne ent»
stehen werden, aber Körner's Ruhm bestehen
wird. bis die deutsche Zunge vergeht. Die
deutsche Jugend aber soll ihr Herz mit seinem
Sinne erfüllen, und bei dem Klänge seiner
ewig jungen Lieder das Gelübde sich ablegen,
das er einst gethan und gehalten, das Ge-
lübde: wenn die Stunde des Kampfes ruft,
Alles zu verlassen und der Freiheit nachzu.«
folgen." — Der mit Chiffre 1. bezeichnete
Kritiker der von Adolph Wolf f besorgten
Gesammtausgabe von Körner's Werken
bemerkt treffend: „Körner ist zu einer Art von
Ideal f igur für die deutsche Jugend gen or»
den, zu einer Figur, in der sich der Idealis»
mus dieser Jugend herrlich verkörpert dar»
stellt. Körner repräsentirt in sich vereinigt die
höchsten Ziele ihres Streoens und ihrer Ver»
ehrung; es liegt etwas Achilleisches in ihm
und er erscheint nicht nur als der Tyrläus,
sondern gleichsam auch als der Achilles der
Freiheitskriege. Die Lyrik von „Leyer und
Schwert" ist — und darauf beruht ihre eigen«
thümliche literargeschichtliche Bedeutung —
die erste neuere deutsche Lyrik, welche Volks-
poefie geworden. Sie hat in dieser Beziehung
nur einmal, aber eben in einer weit älteren
Epoche, eine Vorgängerin gehabt, und zwar in
einer Poesie, die gleichfalls als der Ausfluß
eines gewaltigen Kampfes in die Welt getre,
ten. in dem protestantischen Kirchen»
liede. Nas in der Zwischenzeit auf Grund
einer allgemeinen Bewegung der Gemüther —
wie z. B. die,, Lieder deö „preußischen Grena«
diers" — gedichtet worden, hat keine derar»
tige Popularität gewonnen. . . . Auch muh
man nicht vergessen, in Anschlag zu bringen,
daß noch ein beträchtlicher Theil der Mit«
lebenden in einer unmittelbar zeitgenössischen
Beziehung zu den Kriegsjahren von 18l3 bis
18l5 steht. Die Erinnerung hat noch Fleisch und
Blut; das Echo der großen Weltbegebenheiten
ist noch nicht verschollen und mit ihm tönen auch
noch die Gesänge Körner's fort. Könnte man
doch sogar in der erneuerten Bedeutung der
Napoleoniden einen Punct entdecken, welcher
dem Iyteresse für Körner zu Gute kommt."
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Klácel-Korzistka, Volume 12
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Klácel-Korzistka
- Volume
- 12
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1864
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 528
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon