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Aogler 276 Kohäry
zwei Riesengrstalten am Trattnerhofe, an de-
ren eine sich eine drollige Erinnerung knüpft.
Eine dieser Zwei Karyatiden kehrt dem Hause
den Rücken zu. Der Ursprung dieser Attitüde
ist folgender: An dieser Stelle, wo der Tratt»
nerhof steht, stand noch km Jahre 5748 der
Freisingerhof. An dem kleinen Tkore desselben
fand sich an Sonntagen ein junger Mann
ein, der nach den Fenstern des gegenüberlie»
genden Hauses spähte, an denen dann und
wann eine liebliche weibliche Gestalt sichtbar
wurde. Als sich der junge Mann eines Tages
das Herz nahm, der jungen Dame stine Ge»
fühle zu gestehen, wurde er schnöde abgewiesen
und ihm sogar mit der Numorwache gedroht.
Achtundzwanzig Jahre warrn scitdem ver-
flossen und im Jahre 1776 von dem Architek-
ten Mo l l ne r der grandiose Trattnerhof,
nach dem Namen seines Erbauers so genannt,
aufgeführt worden. An jenem Fenster, dem
Trattnerhofe gegenüber, lehnte noch immer
dann und wann eine mittlerweile alt gewor»
dene Dame. Der Erbauer des ihr gegenüber»
stehenden großen Palastes war aber derselbe
junge Mann, der vor 30 Jahren vor Sehn»
sucht nach jenen Fenstern gespäht hatte und
damals von der nun alt gewordenen Jungfrau
so schnöde abgewiesen worden war. Es war
Trattner, der sich vom einfachen Buch-
druckergehilfen zum Millionär und NeichZ«
ritter emporgeschwungen hatte, und durch die
auf seinen besonderen Befehl ausgeführte Stel-
lung der einen Karyatide das Wiedcrrergel-
tungsrecht an jener Schnöden in drastisch-bu»
moristischer Weise übte. Wie bemerkt, ist diese
wie die zweite Karyatide von einem Bildhauer.
Namens Tobias Kogler gemeißelt. M i e-
ner Zeitschrift für Literatur von Wit»
thauer u. s. w. 1829. Nr. 23, und Eber s.
berg's „Oesterreichischer Zuschauer" 5839.
Bd. I , S. 272: „Die Karyatiden am Tratt'
nerhofe in Wien".^ — Zwei Kogler alx-r
gehörten der Gesellschaft Jesu« an, der eine,
Anton K. (geb. zu Wien 28. Februar 16?3.
gest. zu Dresden 2. Mai 5721), war Doctor
der Philosophie, lehrte zu Wien und Linz ii
den Collegien seines Ordens, dann wurde er
nach Sachsen geschickt, wo er als Erzieher
des Prinzen August die Aufgabe hatte,
diesen für die katholische Kirche zu gewinnen,
und seine Mission mit solcher Geschicklichkeit
ausführte, daß Niemand erfuhr, daß er de
Gesellschaft Jesu angehöre. Er starb auch zu
Dresden, erst 48 Jahre alt. Im Drucke hat
er folgende Schriften herausgegeben: „O^ 5t6llai-um äuoäseini na,t2.s lL^inas ^.nFß-
loruni 6i6ss5,nti oai-mius curn l-^mboUs"
(Qi-aseii 1697, 12».); — ,.huiüq.U6 Lxscta.
oulg, poeticn. Varuassi Visnueu5i2" (Visun^
4 704, VoiFt, 80.); — „Mausoleum, OasLai-um
^uZtriaoai-uin aosrtum w luuei-o l.sopoläi
KIkFni claLLäi-il," (idiä. 1703, 12«.); >^ .
„HIn,nn^s etbicum, 3ou monita st yxempla
vita.6 kumanas" (idiä. t706, !2v.); ___ . ^ .
li^iiias stilico-poNtioäL ex Va,tra,ckoinio-
maokia ^acodi V<^I<1<3 8. ^." (idiä. 1708,
8°.). — Johann Waptist K. (geb. zu Gratz
9. Juni 1737, Todesjahr unbekannt), gleich-
falls Jesuit, lehrte mehrere Jahre zu Kaschau
in Ungarn die Ethik und zog sich nach Auf,
Hebung seines Ordens in sein Vaterland nach
Iudenburg zurück, wo er verschollen ist- er
gab mehrere Festreden und dann mehrere Lob,
reden auf die h, Apostel Peter und Paul, auf
den H. Stepban dcn ersten Blutzeugen, auf
die HH. Franz Xaver, Vincenz Ferrerius. die
H. Elisabeth, die selige Angela. Stifterin der
Ursulinerinen, welche zu Kaschau 1772 und
1773 (4°.) gedruckt erschienen sind, heraus.
cas 8ooiotati8 ^esii (Visnnas 1833,
0.) z>. 191.^
, Andreas Joseph Graf
(General der Cavallerie, geb. zu
Csä.brag in Ungarn 36. November
1694, gest. zu Szent-Antal 4. De-
cember ^58). Drittg^borner Sohn des
Grafen Wolfgang aus deffen Ehe
mit Mar ia Lui se Gräfin Rechberg,
Neffe des berühmten Helden und Dich«
ters Stephan j^ s. d. S. 282). Er trat
in die kaiserliche Armee und machte, erst
20 Jahre alt, 1716 und später in dem
damaligen Kürassier« Regimente Seher
den Tü/kenkrieg mit. Bei Peterward ein
unter Prinz E u g e n im Jahre 1716
wurden ihm drei Pferde nach einander
unterm Leibe erschossen; nichtsdestoweni-
ger bestieg er. um sich noch weiter
am Kampfe zu betheiligen, ein viertes.
Später bei Belgrad wurde er verwun-
det. Als im Jahre 1734 die Kämpfe
von Neuem begannen und vornehmlich
Oesterreich rüstete, errichtete K., damals
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Klácel-Korzistka, Volume 12
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Klácel-Korzistka
- Volume
- 12
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1864
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 528
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon