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KoUar 327 Aollar
scher Abstammung und aus dem einige
Stunden von Jena entfernten, vormals
wendischen Dorfe Noslau erst spater na
Lobda übergesiedelt waren. Kol lar 's
Interesse für „Minka" (Wilhelmine)
als Abkömmling eines alten Wenden
geschlechtes verwandelte sich bald in Liebe
und hier entstanden seine ersten Gedichte,
meist Liebeslieder. Als er dann in seine
Heimat zurückkehrte, bewahrte er treu
das Gefühl an diese seine Liebe, bis ihn
die Nachricht von dem Tode seiner gelieb»
ten Braut auf das Ttiefste erschütterte.
Mehrere Sonetten in seinem Cyklus: „Die
Tochter des Ruhmes", geben Kunde von
dem tiefen Schmerze, der damals seine
Seele niederdrückte. Um sich einigermaßen
von diesem Schlage, wenigstens körperlich
zu erholen, unternahm er eine Reise. Da
traf nach Jahren ein Brief von seiner
Verlobten ein, aus welchem
sich die Falsch«
heit jener Nachricht herausstellte, wie
denn auch aus jeder Zeile die uner»
schütterliche Liebe und Treue des Mad«
chens sprach. Sie hatte mittlerweile den
Vater verloren und mehrere Jahre die
kranke Mutter gepflegt. Diese unerwartete
Wendung seines Geschickes belebte K.
aus's Neue, in wenigen Monaten eilte er
nach Lobda. Nach fünfzehnjähriger Tren<
nung führte er am 23. September 4833
in Weimar seine Braut zum Altar und
von dort als Gattin in seine Heimat.
Seine Gemeinde aber, die in K. ihren
Vater verehrte, bewillkommte den mit
der Gattin Rückkehrenden auf das Feier-
lichste. Nebenbei sei bemerkt, daß 23Jahre
spater (am 27. September 1863) in der.
selben Kirche in Weimar, in welcher K.
getraut worden war, sich Kol ler 's ein«
zige Tochter L u d m i l l a mit Herrn
Schellenberg, Lehrer an der höheren
Mädchenschule zu Weimar, vermalte.
Nach diesem kurzen Ueberblicke der seel- sorgerlichen Wirksamkeit und der Liebes»
episode in Kollär'S Leben bleibt uns
noch Einiges über Kol ler den Dichter
und Schriftsteller zu sagen übrig. Schrift»
stellerisch war K. sowohl in seinem Beruft
als Schulmann und Pastor seiner Ge-
meinde, wie als Dichter und slavischer
Forscher thatig. Hier folgen zunächst seine
zahlreichen Schriften in chronologischer
Folge ihres ersten Erscheinens: „Zcksne
"^. ^o^«>a") d. i. Gedichte von Johann
Kol lar (Prag 1811, 8«.); die zweite
Auflage unter dem Titel: „,3/</io^ cöes?-«
2os 3 LF6n^", d. i. Die Tochter des
Ruhmes in 3 Gesängen (Ofen 1824,
8o.); die dritte Auslage u. d. T.: ^
n?6/z". d. i. Die Tochter des Ruhmes,
lyrisch«episches Gedicht in 3 Gesängen
(Pesth 1832, 8".); die vierte Auflage in
2 Theilen (Ofen 1843,*8o.); — „Na-
s«?. c/i'kns ^sAKnsko-Fttck'nsHs", d. i.
Feier der ersten Iahresprüfung mit dcr
Schuljugend der slavisch'evangelischen
Pesth-Ofner Gemeinde (Pesth 1822, 8<>.)->
", d. i. Die guten Eigenschaften des
slavischen Volkes (Pesth 1822. 8<>.); —
, d. i. Erinnerung an das
denkwürdige Geburisfest des I . O. Alcr.
Nudnay von Rudna, Primas des König»
reichs Ungarn . . . uon seinen slovakischm
Verehrern (Ofen 1824. Fol.);— „6/ai/>
!'") d. i. Buchstabirbüchlein
für Kinder, mit Hinzufügung lateinischer
Lesestücke (Pesth 1826, Trattner. 8".); —
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Klácel-Korzistka, Volume 12
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Klácel-Korzistka
- Volume
- 12
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1864
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 528
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon