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Kollar 33t Koüar
Gußeisen ausgeführte Medaillon-Bildniß an»
gebracht.
l>. Grabdenkmal. Kol lar ' ist auf dom St.
Marrer Friedhofe in Wien beigesetzt. Auf
seinem Grabe wurde ihm ein Monument
gesetzt. Dacselbe ist von dem Architekten
Bergmann entworfen und vom Hof-Stein-
metzmeister Wa sserburg er in hartem Stein
ausgeführt. Es ist sechs Fuß hoch und drei Fuß
breit und auf der Spitze mit einem Strauße
von Mohnblüthen geschmückt. Auf dem oberen
Steine beiläufig in der Mitte befindet sich in
einem Medaillon das eiserne, vom Medailleur
Sejdan modelürte und in der Fürst Salm»
schen Gießerei zu Wien verfertigte Bildniß
K.'s, darunter das altslauische Instrument
^Va^'to" mit der Inschrift „ 8 ^ ? äcei-a".
Unter dem Medaillon zeigt eine Tafel fob
gende Aufschrift:
52.N XoI1ä.r,
c k. pi'ol. Ltäl-oveä? 5iov.
Q2l. V ^loäovcieli äU6 29. iier-
VSUC6 1793, 26NIS1 V6 Viclni (lns
2i. leäua. 1832.
^2. ^Iv V Lläci cel^ uäroä U05Ü.
(In deutscher Nebersrtzung: Johann Kollär,
k. k. Professor der slav. Archäologie an der
Universität zu Wien, vorher Prediger der sla<
vischen evangelischen Gemeinde zu Pesth, geb.
zu Mossocz den 29. Iuli!?93. gest. zu Wien
den 24. Jänner 1832. Zlls er lebte, trug er
die ganze Nation im Herzen, Nun er gestor»
ben, lebt er im Herzen der ganzen Nation.)
L. Zur literarischeu Charakteristik Koüür's.
Es verdient wohl Herrn Wenzig's Ansicht
hier die erste Stelle. „Derjenige", schreibt
Wenzig, „welcher die noch halb vom Schlaf
Befangenm mit mächtiger Stimme zum
wachen Bewußtsein rief, war Kol lär durch
seinc „Tochter der Släwa". Die in ihrer
letzten Auflage aus mehr als 600 Sonetten
bestehende Dichtung zerfällt in fünf Gesänge
mit den Ueberschriften: l) Die Saale. 2) Elbe.
Rhein und Moldau, 3) Donau, 4) Lethe,
5) Acheron. Die Tochter der Sünva (des
Ruhmes), der singirten Mutter der Slaven,
ist eine Jungfrau, die der Dichter an der
thüringischen Saale kennen lernt, und welcher
' cr, als dem Inbegriffe aller weiblichen Voll-
kommenheiten, die eine Slavin schmücken
können, sein Herz weiht. Durch ein hartes,
nicht näher bezeichnetes Schicksal wird er von ihr getrennt und verläßt jene Gegenden. Er
wandert bis zur Donau in Ungarn, wo er
endlick die Nachricht von dem Tode der ge-
liebten Jungfrau empfängt (wir werden dabei
merklich an Kollär's eigene Liebesgeschichte
erinnert). An diesen erotischen Faden knüpft
der Dichter nach allen Richtungen und Seiten
gewaltige herzergreifende Erinnerungen der
slavischen Vorzeit bis hinüber in das Jen»
seitS, aus dem ihm die Verklärte Kunde gibt
von den himmlischen Freuden der Getreuen,
von den höllischen Qualen der Ungetreuen.
Kühnheit und Reichthum der Gedanken wie
der Phantasie, Tiefe und Feuer des Gefühls,
Kraft. Fülle und Gedrängtheit des Aus«
druckes charakicrisiren die Dichtung. Auch das
Zarte ist ihr nicht fremd, so sarkastisch derb
sie sein kann. Das Sonett ist mit großer
Kunst und Gewandtheit behandelt. Mit Ath'
letenarmen rüttelte das Werk an den Schlaf-
trunkenen; wie der Tonner schlug es an ihr
Ohr und ösinete cö. Nächst der Königinhofer
Handschrift brachte kein poetisches Erzeugniß
eine so allgemeine bleibende Wirkung hervor.
Allein obwohl K. in einem Theile des Aus»
landes Würdigung fand, so warf man ihm
in einem anderen Theile Haß gegen die Deut«
schen und Panslavismus vor. Es ist nicht zu
läugnen (gesteht Herr Wenzig im Jahre
1833 noch selbst), daß er sich Bitterkeiten er»
laubt. durch deren Wegbleiben das Werk an
imposanter Größe und erschütterndem Ein»
drucke, nichts verloren hätte; wer indessen
bedenkt, in welcher aufgeregten Stimmung
Kol lär schrieb, wie er schon damals in
Ungarn als Vertreter der Slovaken gegen
eine Partei herrschsüchtiger Ultramagyaren zu
leiden hatte, der wird gewiß Nachsicht mit ihm
haben. Was den Panslaoismus betrifft, so
kommt es darauf an, ob man einen poli»
tische Pläne schmiedenden oder einen bloß
auf natürlichen Sympathien beruhenden lite«
rarischen versteht. Daß sich Kol lär des
ersten nicht schuldig machte, beweist am brstcn
seine zuletzt erfolgte Anstellung an der Uni»
versiiät zu Wien; zu dem aiwern bekennt er
sich offen auch in einer eigenen Schrift: „Ueber
die Wechselseitigst der Slaven". Dieser Pan<
slavismus ist factisch vorhanden, in der Ge»
schichte nicht eben neu; aber so lange er sich
innerhalb der gehörigen Grenzen hält, ebenso
wenig zu verwerfen, als der unter den deut»
schen Völkern bestehende und durch eine ge»
meinsame Sprache, das Hochdeutsche, gefür»
drrt« Pangermanismus." — Der geistrolle
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Klácel-Korzistka, Volume 12
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Klácel-Korzistka
- Volume
- 12
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1864
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 528
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon