Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Lexika
Wurzbach-Lexikon
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Klácel-Korzistka, Volume 12
Page - 332 -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - 332 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Klácel-Korzistka, Volume 12

Image of the Page - 332 -

Image of the Page - 332 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Klácel-Korzistka, Volume 12

Text of the Page - 332 -

Koüar 332 Koüar Berichterstatter über slavische Zustände in Oesterreich , welcher im Jahre l540 in der Beilage der allgemeinen Zeitung (S. 963) die österreichischen czccho.slavischen Dichter charak- terisirt. schreibt über Kol lär : „Wie Kollllr für den größten Dichter der neueren öechischen Literatur gilt, so ist er auch unstreitig der einflußreichste Slave Oesterreichs. Seine Ideen haben am tiefsten Wurzel gefaßt; ste Vorzugs» weise haben das slavische Bewußtsein geweckt. Keiner hat männlicher. ausdauernder die Uebergriffe des-Patriotismus der Race be- kämpft, keiner härter die Schmach der Indo» lenz und den Abfall vom eigenen Blute ge« straft. Kol lär ist ein Gelehrter und hat dieß durch mehrere Werke dargethan; aber so ge« diegen diese und überhaupt so ausgebreitet seine historischen, und philologischen Kennt« nisse sind. seinen Nuhm gründete sein lyrisch» episches Gedicht „die Tochter des Ruhmes". I n Sonetten, die ein schöner, tief poetischer Gedanke, jener der Liebe, zu einem Ganzen verbindet, besingt er den Ruhm der Slaven und ihre tausendjährigen Leiden; sein Geist überblickt von hoher Karpathenkoppe die wei- ten Slavenländer der Wolga, Weichsel, Donau und Moldau, wo die Brüder wohnen; ihrem Leben, jeder ihrer Thaten weiht er sein Lied; aber sein Geist schaudert zurück vor den Fre« velthaten des Feindes; er ficht die mißHandel' ten, die gemordeten Geschlechter der Wenden und kann ste nicht zählen; er sieht die Frem< den auf den Trümmern von Arkona, auf den Gräbein der Brüder, die sie geknechtet. Kol» lä.r'5 Ver5 ist harmoniereich, seine Sprache wohlklingend; aber der Klang seines Reims oft so weich und mild. daß er fast im Gegen« satze steht zu seinem Stoffe." — Jordan's „Jahrbücher für slavische Literatur" charakte» risiren K., wie folgt: „Die erste Ausgabe von K.'s släv? äesra enthielt Liebesgedichte, denen man leinen tieferen Sinn unterlegte, weil damals im öechischen Slaventhum eine tiefere Auffassung der Literatur und des National- lebens nicht vorhanden war; die zweite Aufl (1824) erhielt bereits einzelne nationale Ideen, allein ihr Umfang war noch zu klein (l5t) So< nette) und der Kreis, den sie besprach, zu eng. Damals schon machten diese Dinge Aufsehen in der böhmischen Literatur. Allein ganz an> ders, mit klaren und festen Worten, mit stür- mischer Begeisterung, mit allumfassender, echt slavischer Liebe trat die dritte, die vollstän- dige Ausgabe auf; mit einem Freundesopfer ward die'Möglichkcit d?s Erscheinens erkauft. mit unendlicher Begeisterung ward sie von allen Slowaken empfangen. Allein die Man« ner, die damals'in Böhmen an der Spitze der sogenannten öffentlichen Stimme derIour« nalistik standen, faßten die großen Ideen des Dichters nur unvollkommen auf, oder mußten wenigstens eine solche Auffassung der Oeffent« lichkeit übergeben. vielleicht durch äußere Hindernisse gelähmt. Nicht wenig trug dazu auch der Umstand bei, daß der Dichter, um auch seinen Landsleuten, den Slowaken, auf welche seine Dichtung zu allernächst berechnet war, verständlich zu sein, seiner Sprache, der böhmischen Schriftsprache, einzelne Eigenthum, lichkeiten der slowakischen Mundart beimischte. Demzufolge ward die große Dichtung weniger besprochen, als sie es verdiente; und die Idee von der Zukunft der Slaven, welche in ihr freilich noch wie in dichten Nebel gehüllt er« scheint, ward kaum erkannt, viel weniger an» erkannt, noch so verbreitet, wie man erwarten durfte. Auf der anderen Seite trafen die er< habenen Bilder mit solcher Heftigkeit auf oaS Herz der Feinde der Slaven, daß der. Dichter von da an als Vorkämpfer ultraslavischer Ten« denzen verschrieen wurde. Daherkam es, daß die magyarisirten Slowaken aus der Dichtung nichts als Gift und Galle sogen, die ste dann auch redlich ihren Landsleuten in Ungarn durch die Vierteljahrsschrift mittheilten. K o l. lär ist Dichter von ganzer Seele; allein seine Dichtung schweift nicht in den romantischen Gefilden einer zügellosen Phantasie umher; sie hat einen festen Ankergmnd in der slavi< schen Nat ional i tä t ; darum ist der begei» sterte Sänger der Vergangenheit und der tief, schauende Seher der Zukunft seineS VolkeS auch ein durchdringender Forscher des slaoi« schen Alterthums, darum der fleißige Sammler der Volkslieder seines Stammes zugleich der lebensvolle Reisebeschreiber, der auf seinen Wanderungen durch die Nachbarländer Spu» ren der längst vernichteten Anwesenheit seiner Nation aufsucht: Ko l lä r ist Nat ional- dichter. Allein wie in den sonnenhellen Ta- gen Homer's und Pindar',ö umgibt den, mit dem Dichterkranze Geschmückten, der ehr» würdige Mantel des Priesters; gleich B o» j a n und 3 uini r steht er, beide Würden verei« nend, da, als Seher aus alter Zeit für tünf- tige Tage „groß, wie das Geschlecht der Sla« ven aufgewachsen, wie die Abendschatten, so daß er Raum nicht hat im Grabe". — Kurz und treffend charakterisirt den Dichter sein Nekrologist in der Leipziger „Illustrieren Zei«
back to the  book Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Klácel-Korzistka, Volume 12"
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Klácel-Korzistka, Volume 12
Title
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Subtitle
Klácel-Korzistka
Volume
12
Author
Constant von Wurzbach
Publisher
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Location
Wien
Date
1864
Language
German
License
PD
Size
13.41 x 21.45 cm
Pages
528
Keywords
Biographien, Lebensskizzen
Categories
Lexika Wurzbach-Lexikon
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich