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Koller 346 Koller
Koller, Joseph Ferdinand Maria,
siehe S. 330 in den Quellen Nr. 9.
Koller, Marian Wolfgang (Natur»
forscher, geb. zu Feiftriz im Wochei-
ner Thale in Krain am 31. Octobec
4792). Sein Vater war zu Feistriz Ver»
weser der daselbst befindlichen Baron
Zois'schen Eisengewerke. Der Sohn
erhielt den ersten Unterricht im väterlichen
Hause, kam dann auf daS Lyceum in
Laibach, wo er das Gymnasium und die
philosophischen Studien beendete. Im
Herbste 1811 begab er sich auf diä Uni-
versitat nach Wien, und widmete sich da«
selbst naturwissenschaftlichen und mathe»
malischen Studien, zu welchen ihn seine
Neigung hinzog. Da er wahrend dieser
Zeit das Stift Kremsmünster und seine
wissenschaftlichen Institute, an welchen seit
Iahrzehnden mathematisch. naturwissen.
schaftlicheZweige sorgsam gepfiegtwurden.
kennen lernte, so trat er im Herbste 1816
in daS Stift ein. Nach zurückgelegtem
Noviciate und beendeten theologischen
Studien an der theologischen Lehranstalt
in Linz wurde er im Jahre 4821 zum
Priester geweiht, und von seinem Stifts»
abte als Cooperator in die Seelsorge
geschickt; im Jahre 1824 in das Stift
zurückberufen, übernahm ei an der dor-
tigen philosophischen Lehranstalt mit dem
Schuljahre 1823 die Lehrkanzel der Na-
turgeschichte, zu welcher im Jahre 1826
noch die Lehrkanzel der Physik kam. Im
Jahre 1830 übernahm Kol ler nach
dem Tode des Astronomen Schwär«
zenbrunner mit Beibehaltung der
Lehrkanzel der Physik die Leitung der
Sternwarte zu Kcemsmünster, die er bis
zum Jahre 1847 führte. I n diese Zeit
fällt seine größte wissenschaftliche Thätig-
keit, welche sich durch die unten ange-
führten Arbeiten offenbarte und seinen Ruf begründete. Im Jahre 1848 wurde er
von der Lehrkanzel der Physik enthoben,
und übernahm als Director der Stern»
warte zugleich dieDirection des k.k.Con»
victes und das Prodirectorat der Stu»
dienanstalt. Nach dem Tode des Hof»
rathes Hallaschka wurde Kol ler
nach Wien berufen, wo er als wirklicher
k. k. niederösterr. Regierungsrath, Präses
der philosophischen Facultat an der Wie«
ner Universität, Director der philosophi»
schen Studien, und Referent des philo-
sophischen und technischen Faches bei der
vormaligen Studienhofcommission seine
Stellung einnahm, daselbst Directions»
rath wurde, nachdem die Commission in
das k. k. Cultus» und Unterrichtsministe»
rium umgestaltet wurde, worauf im
Jahre 1831 seine Ernennung zum wirk»
lichen Ministerialrathe erfolgte. I n dieser
Stellung hatte Ministerialrath Kol ler
Gelegenheit, seine durch langjährige Er-
fahrung gereiften Ansichten zur Geltung
zu bringen; er, selbst einer der ausge»
zeichnetsten Lehrer, wußte und kannte am
besten die Mängel des bisherigen Unter»
richtssystems; er, der Mann der Wissen»
schast, wußte, waS den Wissenschaften
Noth thue, er griff daher werkthätjg ein
bei dem großen so wohlthätigen Um»
schwunge, den das österreichische Unter-
richtSsyftem überhaupt erfuhr; wesent»
lichen Antheil hat K. an der Organi»
sation der Realschulen Oesterreichs, dieser
ersten und
sichersten Grundlage für einen
gedeihlichen Aufschwung der Industrie
Oesterreichs. Bei dieser großen Berufs»
thätigkeii blieb K. der Wissenschaft treu.
So besuchte er selbst Vorlesungen, trat
noch im Jahre 1849 als Docent an der
Universität auf, indem er über sphärische
Astronomie Vortrage hielt, die
sich
durch.
Scharfe, Eleganz und Klarheit auszeich.-
neten, und ist auch als wirkliches Mit-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Klácel-Korzistka, Volume 12
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Klácel-Korzistka
- Volume
- 12
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1864
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 528
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon