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Noch sind einige Personen des Namens Kol-
ler denkwürdig, u. z.: 1. Venedict Joseph
Maria v. K. (geb. zu Straubing im Jahre
1769, gest. 16. März 1793). studirte zu Strau<
bing die Rechte, trat dann mit den Illumi»
naten in Verbindung und wurde, als in
Bayern gegen diese Gesellschaft die strengsten
Maßregeln ergriffen wurden, als Illuminat
verfolgt, worauf er sich flüchtete und in Wien
eine Zufluchtstätie suchte. Daselbst fand er im
Dominikanerkloster als Aufseher der Layen
und Amtsschreiber einige Zeit Beschäftigung;
endlich mochte es ihm gelungen sein, eine
seinen Kenntnissen und Fähigkeiten entsprechen-
dere Bedienstung zu erhalten, denn zuletzt war
er k. k. Stabsauditor in Linz, wo er auch jung,
erst 29 Jahre alt, starb. So lauten die Nach<
richten bei Meusel. Nach Goedeke wäre er
aber zu Vinddorf 26. August 1767 geboren und
als l. t. Legationsrath zu Stuttgart 4. Sep.
tember 1817 gestorben. Daß sowohl Meusel
wie Goedeke unter diesem Kol ler eine
und dieselbe Person meinen mögen, erhellet
aus dem Umstände, daß er bei Beiden als
Herausgeber der in Gemeinschaft mit Fr. Karl
Sannen'ö gearbeiteten „Kinderschauspiele"
(Wien 1793) erscheint. I n der That war auch
ein I .Ko l ler noch im Jahre 1817 k. k. Ge«
sandtschafts'Attachs in Stuttgart und erschien
noch im genannten Jahre von ihm in Hor«
mayr's Archiv (S. 203) der Aufsatz: „Ueber
den Charakter des C. Cäsar Qctavianus Au«
gustuS". Schon in den Jahren 1786 und 1787
findet man Gedichte von K. im „Wienerischen
Musenalmanache". Außer den schon genann«
ten „Kinderschauspielcn" führt Mcusel noch
folgende Schriften oon ihm an: „Herkules,
travestirt in sechs Büchern" (Wien 1786, 8«.)
und „Gedichte" (ebd. 1793, ä».). Goedcke
aber zählt außer den erwähnten „Kinoerschau»
spielen" noch folgende dramatische Arbeiten
K.'s auf: „Verbrechen aus Liebe", dramat.
Gemälde in 3 Act. (Basel 1793. 8».); — „Der
Invalide oder der Geburtstag" (Wien 1794);
— „Obrist von Steinau", häusliches Lustsp.
in 5 Act. (Basel 179ij); — „Conoenienz und
Pflicht", dram. Gemälde in 3 Act. (Regensburg
1786. 8".); — „DerKammerhuszar". Schau-
spiel (Regenöburg 1796); — „Der Oculist",
Lustsp. in 3 Act. (RegenSburg 1800); — ,Fon»
rad oon Zähringen", vaterl. Schausp. in 5 Act.
(ebd. lül)<i); - „Das Debüt", Posse (Leipzig
1809. 30.); — „Liebe ist die beste Lehrmei.
sterin", Lustsp. in l Act,, nach dem Franz.
(Leipzig 1809); — „Der Spuck", Lustsp. in 1 Act., nach dem Franz. (ebd. 1809); — „Die
wechselseitige Ueberraschung", Lustsp. in 2 Acc.
(Leipzig 1809, 8".); — „Der Almanach",
Trauersp. in 3 Act. (Leipzig 1809, 8».) und
„Der Zauberstein", Posse in 1 Aufz., vierte
Fortsetzung der beiden Billets (Leipzig 1809,
8«.). Die Posse „das Debüt" und die drei
letztgenannten Stücke erschienen auch zusammen
unter dem Titel: „dramatische Beiträge" (Os»
nabrück 1803, neue Ausgabe Leipzig 1809,
8".). Auch schrieb K. einen „Entwurf zur Ge*
schichte und Literatur der Aesthetik uon Baum-
gürten bis jetzt" (Negensburg 1799. 8".).
Kurz in seiner Liw-amrgeschichte räumtK.'s
dramatischen Arbeiten keine Bedeutung ein.
Dem Herausgeber dieses Lexikons scheint
es aber, als ob hier zwei Personen desselben
Namens zu unterscheiden wärm. Meusel
(Ioh. Georg), Lexikon der vom Jahre 1730 bis
1800 verstorbenen teutschen Schriftsteller (Leip-
zig 1806. Gerh. Fleischer, 6".) Bo.VII, S. 253.
— Na ad er. gelehnes Bayern, 1. (und ein>
ziger) Band (4°.) S. 613. — Wieland'ö
neuer teutscher Merkur. Jahrg. 1807, Stück 3,
S. 224—226. — Goedeke (Karl). Grund,
riß zur Geschichte der deutschen Dichtung.
Aus den Quellen (Hannover 1839, 3. Ehlcr-
mann. 8») Bd. I I , S. 1068, Nr. 628.) —
2. Franz Kol ler Edler von Granzow
(geb. zu Pesth 29. November 1804). Sein Va<
terIohann war Magistratsraih. Der Sohn
Franz diente nach zurückgelegten Studien
von 1822 bis l»43 als Tabular-Iiscal und
leistete namentlich der Maroschfiuß - Neguli«
rungscommission wichtige Dienste; auch er,
warb er sich bei der Vertheilung der Unter-
stützungsgelder für die durch die Ueberschwem-
mung Verunglückten non allen Seiten Ver»
trauen und Anerkennung. I m Jahre 1843
wurde er Magistratsrath der Stadt Pesth
und ging im genannten Jahre wie im Jahre.
1847 als 2andtags'Deputil.'t!:r nach Preßburg.
Als die Revolution ausbrach, legte er — alle
Anerbietungen der revolutionären Partei ableh»
nend — sein Amt nieder, wurde, als Fürst W i n»
oischgrätz in Pesth einrückte, Stadtrichter,
unter FZM. Haynau zuerst provisorischer,
dann wirklicher Bürgermeister von Pesth und
traf die wirksamsten Maßregeln zur Verpste«
gung der kaiserlichen Armee im insurgirtea
Lande. Wie human er aber dieses Amt in
schwerer Zeit verwaltete und wie er bedacht
war, jedes Unglück von der Stadt fern zu
halten, beweist eine Stelle der uon der
Pesther Gemeinde an ihn gerichteten Adresse,
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Klácel-Korzistka, Volume 12
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Klácel-Korzistka
- Volume
- 12
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1864
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 528
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon