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Aowwrat 384 Kolowrat
Ausweisungsbefehl, welchem zufolge er sich aus
Prag zu entfernen und außerhalb der Stadt
sein weiteres Schicksal zu erwarten hatte.
Der Graf. obgleich das Haupt jener Hof«
Deputation, wurde später als gerechtfertigt
erklärt, denn er wie seine Collegen waren in
der Lage, den Beweis zu liefern, daß sie ihr
Amt zum Vortheile des Landes geführt und
sich zu verschiedenen Malen den Machtgebo«
ten der feindlichen Gewalthaber mit Nach'
druck widersetzt haben. ^Arneth (Alfred Rit-
ter von), Maria Theresia's erste Regierungs-
jähre (Wien 1862. W. Braumüller, gr. 8°.)
Bd. I, S. 343; Bd. I I , S. 133. 233. 22«.
243 und 312.) — 42. Phi l ipp Franz
Graf K.Kr. (geb. 17. April 1?56. gest. 1819.
n. A. 1824), Sohn des Grafen Leopold ^ ^
aus dessen erster Ehe mit Mar ia T heresia
Gräfin Careto.Mi l les imo. Der Graf
war in den Staatsdienst getreten und schon
Kreishaupimann des Rakonitzer Kreises. In
dieser Eigenschaft wurde er am 16. März 1782
als landesfürstlicher Commissär nach Doxan
beordert, um das dortige vereinigte Mönch»
und Prämonstratenser-Nonnenkloster aufzu-
heben. Der Graf vollzog diesen Auftrag und
mußte durch irgend einen Vorgang die Erbit-
terung der von der Aufhebung Betroffenen ge«
reizt haben. Kurz, ehe er mit der Angelegen«
heit zu Ende war. erschien von Seite des
vereinigten Klosters eine Beschwerde gegen
den Grafen, welche so infame Beschuldigun«
gen enthielt, daß es nicht möglich ist, einer-
seits daran zu glauben, der Graf habe sich
je so vergangen, und andererseits die Bc«
schwcrde als ein klug ersonnenes Lügengewebe
anzusehen, mit dem Gott weiß welche Zwecke
hätten erreicht werden sollen. Es ist hier nicht
der Platz in das Detail dieser traurigen An«
gelegenheit einzugehen. So viel ist gewiß,
daß der, auch als Archäolog bekannte Kreis»
hauvtmann Bie ner von Bienen berg ab»
geordnet wurde, die Sache zu untersuchen,
welchem von mehreren Seiten grobe Partei»
lichkeit zur Last gelegt wurde. Die Unter«
suchung endete damit, daß Graf Kolo«
wrat, obgleich er sich vollkommen gerecht«
fertigt hatte, seine Stelle verlor. Nach
dieser unerwarteten Entscheidung erbat er
sich eine neue Untersuchung durch eine
unparteiische Commission. Es gelang ihm
bei der böhmischen Hofkanzlei die Gewähr
rung seiner Bitte. Als aber die Sache
zum Staatsraihe kam, äußerte dieser dem
Monarchen gegenüber Bedenken und rieth, die unparteiische Commission zu versagen, weil
man ein ganzes Gubcrnium, die erste Lan-
dcsstelle. nicht wohl der Gefabr aussetzen
könne, prostituirt zu werden. M s wenn es
durch solch gesetzwidriges Vorgehen sich nicht
schon selbst genug prostituirt hatte!) I n der
That wurde keine unparteiische Commission
abgesendet. Da aber der Graf P h i l ipp auf
diese Art um die Möglichkeit gebracht wurde,
alle die Unwahrheiten und Ränke aufzudecken,
die gegen ihn geschmiedet worden, so wurde
auch gegen ihn das bisherige Verfahren ge»
ändert, er wieder angestellt und zwar der
Appellation zur Dienstleistung zugewiesen.
Der ganze Vorfall machte seiner Zeit großes
Aufsehen und die darüber erschienenen Schrift
ten gehören bereits zu den größten Selten»
heilen. Eine ganz aparte Wendung gibt die'
ser Angelegenheit die „Biedermanns-Chronik".
I n den Quellen werden die betreffenden Werke
angeführt. ^Steinsberg (Iuolfinger Ritter
von), Vollständiger Prozeß und Vertheidigung
des Grafen Philipp Kolowrat'Krakowsky.
Als ein Beytrag zu den noch mächtigen Prä'
latenkniffen in Oesterreich. Nebst einem wah'
ren dramatischen Scharmützel: Bischof. Prä«
laten und Nonnen (Amsterdam ^Nürnberg,
Lachner). 1783). Auf dem Titel befindet sich
das silhouettirte Porträt des Grafen. —
Gr äffer (Franz), Iosephinische Curiosa . . .
(Wien 1848. I . Klang. 8«) Drittes Band«
chen, S. 20: „Der Prozeß Philipp's Grafen
von Kolowrat und zur Geschichte der denscl'
ben betreffenden Denkschrift, die nahe daran
war, durch Henkershand verbrannt zu werden";
S. 4l.- „Die Nonnen und der Nonnerich". —
Oesterreichische Vicderman ns » Chro»
n i k. Ein Gegenstück zum F-antastew und Pre'
oiger«Almanach (Freiheitsburg ^Akademie in
Linz) 1783. kl. 8°.) I. (und einziger) Theil.
S. 12U.) — 43. Sezyma K. (gest. 2ü. August
1278), wiro von Einigen für einen Sohn jenes
Sezyma K. gehalten, den König Otto»
car von Böhmen zum Statthalter in Mähren
bestellte, als der Markgraf Heinrich, vor
der Nache Ottocar'ö für seine Allianz mit
Friedrich von Oesterreich sich fürchtend, nach
Schlesien geflohen war. Auch dieser zweite
Sezyma stand noch in O ttol.-ar's Diensten
und zog mit dessen Heeren zu der denkwür»
digen Schlacht auf dem Marchfelde. in wel»
cher Ot tocar gegen Nudolph von Habs-
bu rg Land und Lcben verlor. Sezyma K.
kämpfte an diesem Tage mit unbeschreiblichem
Heldenmuthe, und so lange Ottocar diesen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Klácel-Korzistka, Volume 12
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Klácel-Korzistka
- Volume
- 12
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1864
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 528
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon