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Aoiororat 390 Aolomrat
corps und zwar, da seine Brigade ge.
theilt wurde, den rechten Flügel, welchen
die schon erwähnten 2 Bataillone Kaiser.
Infanterie, 3 Compagnien des 9. Jäger«
Bataillons und eine halbe sechspfündige
Cavallerie-Batterie bildeten. Vier Stun«
den bereits hatte General-Major GrafK.
mit abwechselndem Glücke gekampft, und
da bereits zwei Kanonen demontirt
waren, begann der Erfolg zweifelhaft zu
werden. Auch wurden die stark erschöpf»
ten Truppen von. der großen Uebermacht
des Feindes hart gedrängt. Die Lage
war kritisch. Da sammelte der Graf unter
dem Schuhe der tiraillirenden Jäger die
Mannschaft, stieg vom Pferde, stellte sich
zu Fuß an die Spitze der Truppen und
führte sie, verstärkt durch ein Bataillon
Kinsky'Infanterie, neuerdings gegen den
Feind. So nahm er drei Hohen mit
Sturm, erbeutete sechs Kanonen, machte
viele Gefangene und drängte den Feind
aus seinen Positionen. Dieser aber suchte
von Novara aus eine Diversion in den
Rücken unserer Truppen zu machen.
Schon desilirten zwei seiner Brigaden
auf der Mailänder Straße heraus, als
sich der Graf. des Feindes Absicht
errathend, mit seinen zwei Bataillons
Kaiser.Infanterie und den Resten von
3 Compagnien des 9. Iäger'Bataillons
mit solcher Gewalt mit dem Bajonnet
auf den Gegner warf, daß dieser, unver«
mögend den Angriff auszuhalten, die
Flucht ergriff. So bekam das Centrum
wieder Luft und konnte von Neuem
vorrücken; des Grafen Geistesgegenwart
und Entschlossenheit hatten somit den
glänzenden Sieg dieses Tages erringen
helfen. Den folgenden Tag stellte ihm
die Brigade aus eigenem Antriebe ein
schriftliches Zeugniß seiner Tapferkeit aus,
eine Anerkennung, deren nur Wenige sich
rühmen können. Ueber Antrag des Ordenscapitels wurdeK. in der 183. Pro-
motion (vom 29. Juli 4849) mit dem
Ritterkreuze des Maria Theresien-Ordens
ausgezeichnet. Noch erhielt er dann das
Commandeurkreuz des kais. österreichischen
Leopold-Ordens und den kais. russischen
St. Georgs-Orden 2. Classe. Der Graf
rückte nun mit dem 2. Armeecorps, m
der Division des Feldmarschall-Lieutenants
Grafen Schaafgotsche eingetheilt, in
das toscanische Gebiet, wo er sich aber»
mals bei der Einnahme von Livorno, am
7. Mai, durch seinen persönlichen Muth,
seine Unerschrockenheit und seinen mili>
tauschen Scharfblick hervorthat. Nach
beendigtem Feldzuge befehligte K. eine
Brigade im 6. Armeecorps in Florenz.
Nur kurze Zeit noch blieb der Graf im
Verbände mit der kaiserlichen Armee, zu
deren Zierden und Lieblingen er zahlte.
Eine Herzensneigung hatte seinen Aus-
tritt veranlaßt. I n Mailand hatte er
Natalie von Blaszezynski, die
Tochter eines russischen Departements»
Chefs, kennen gelernt. Nata l ie , eine
jener seltenen Frauengestalten, die
durch Schönheit, Geist und Anmuth in
gleichem Grade entzücken, war Schau»
spielerin an einem Mailänder Theater.
Alle Vorzüge des Geistes und Herzens
waren jedoch nicht im Stande, die Vor-
urtheile der altadeligen Familie des
Grafen gegen ihren Stand zu verwischen.
Der Graf, feurig wie in der Schlacht, so
auch im Gefühle, ließ sich durch Ansich.
ten, die sich nicht lange mehr mit dem
Geiste der Zeit vertragen, nicht anfechten
und führte, einzig und allein dem Ge>
fühle seines Herzens folgend, daS Mad»
chen seiner Wahl zum Altar. So war
der Würfel gefallen. Als sich aber nach
der Heirath die Verhältnisse in der
Familie nicht günstiger stellten, so waren
für den feinfühlenden Helden dieß Beweg»
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Klácel-Korzistka, Volume 12
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Klácel-Korzistka
- Volume
- 12
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1864
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 528
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon