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K«lo»r»t 391 Aolomrat
gründe genug, seine Gattin einer Nm>
gebung zu entreißen, in welcher er nicht
mehr jenes Entgegenkommen fand, das
seiner glänzenden Stellung entsprach,
und in welcher seine Gattin nicht mit
jener Auszeichnung behandelt wurde, die
seine Liebe für sie beanspruchte. Er quit«
tirte also im Jahre 1834 den Dienst und
zog in eine neue Sphäre nach Paris, um
dort die Kränkungen aus der Heimat
zu vergessen. Aber nicht lange währte
das eheliche Glück des Gatten. Als ihm
zu Meaux im Jahre 1861 der Tod die
Gattin entriß, kehrte der Graf nach Wien
zurück. Dort war er durch seine unbe«
grenzte Herzensgüte und sein echt edel»
männisches Vertrauen, welche beide von
Frevlern auf eine gewissenlose Weise
mißbraucht wurden, in schwere finanzielle
Bedrängnisse gerathen, die auch den
Cavnlier und erprobten Helden, nachdem
der Wucher nur so lange Fristen geschenkt,
bis er sein Opfer systematisch ausgesogen
hatte, jene äußersten Consequenzenempsin»
den ließen, welche tief des Mannes Herz
treffen, dessen Losung die Ehre, und vor
Allem die Ehre ist. Diese Umstände mit
ihrem peinlichen Gefolge, und ein Leiden,
welches der Graf zuerst unbeachtet gelas.
fen, und erst als es unheilbar geworden,
bemerkt hatte, brachendie letzte Spannkraft
des Helden, dem nichts übrig blieb, als in
das allgemeine Krankenhaus sterben zu
gehen. Daß er dort sei, kam zur Kenntniß
Sr. Majestät und in letzter Stunde wurde
dem Sterbenden die Nachricht, daß der
Kaiser, sein gnadigster Kriegsherr, Kennt»
niß von seiner Lage erhalten habe und
ihm zunächst baldige Genesung wünsche;
sollte aber Gott den Grafen zu sich
rufen, so ihn wissen lasse, daß er nicht
nur als ein freier Mann sterbe, sondern
daß ihm Se. Majestät für seine Dienste
den Dank ausspreche und er die Augen mit der Beruhigung schließen möge, daß
der Kaiser die ihm zugewandte Gnade
auf seinen Sohn übertrage. Der Graf
befand sich in der Agonie des Todes, als
der Abgesandte des Monarchen dieseBot«
schaft brachte, und nur Thränen brachen
aus seinen Augen, als dieser vollendet.
In der diesem Acte folgenden Nacht starb
der Graf, durch die Gnade seines Kaisers
als ein freier, mit feinem Mißgeschicke
versöhnter Mann. Geschwisterliebe und
Diencrtreue hatten sich wie gewöhnlich
im Unglücke auch hier bewährt. Zwei
seiner Geschwister, die Schwester Mar ia,
vermalte Ludwig Graf Zay, und sein
Bruder Ferdinand, im Leben die Lieb»
linge des Verewigten, hatten ihm beide
in den Tagen seines Unglückes die herz-
lichste Theilnahme bewiesen; obenan stand
aber der Commandant des Schulden»
arreftes, ein Feldwebel K., der mit einer
rührenden Treue und noch inniger in den
Tagen des Unglückes an seinem einstigen
General hing. Se. kais. Hoheit Erzher«
zog Albrecht ehrte auch diese Treue,
indem er dem Feldwebel einen goldenen
Chronometer, auf dessen Rückseite der
Name Albrecht eingegraben war, sammt
goldener Kette zustellen lieh. Das tiefe
Seelenleiden des Grafen in seinen letzten
Tagen, veranlaßt durch Manches, dessen
Ausführung ihm seine Verhältnisse nicht
gestatteten, vornehmlich dadurch, daß es
ihm nicht möglich war, den Metallsarg, in
welchem seine Gattin in der Kirche zu
Meaux beigesetzt war, nach Wien bringen
zu lassen u. dgl. m., sprach sich in seinen letz»
tenAugenblicken aus. in denen er öfterden
Namen seiner geliebten Gattin Natal ie
und den 'Ort ihres hauslichen Glückes
Meaux rief. Sein — ohne militärisches
Gepränge — zu Grabe getragener Sarg
wurde auf dem Währinger Friedhofe bei-
gesetzt. AuS seiner Ehe hatte er drei
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Klácel-Korzistka, Volume 12
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Klácel-Korzistka
- Volume
- 12
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1864
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 528
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon