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Kolomrat 394
des Fortschrittes und der Reform. Er'
galt lange als Vertreter des Fortschrittes ^
und wurde als Gegensatz Metternich's
hingestellt. Dadurch wurde ihm auf
Metternich's Kosten mehr gegeben, als
ihm gebührt und er selbst gewollt. Nur
das Uebergewicht des Metternich'schen,
oft als allmächtig bezeichneten Einflusses
konnte er nicht leicht ertragen und von
dem Fürsten unabhängiger, dem Kaiser
näher gestellt zu sein, bildete das Haupt-
ziel seines Trachtens. So lange der Kaiser
Franz lebte, trat der Gegensatz der
beiden Staatsmänner ziemlich merklich,
hervor; nach des Kaisers Tode aber
erfolgte, wenn nicht eine Versöhnung,
so doch Vereinbarung, welche msbcson»
dere durch eine strengere Theilung der
beiderseitigen Geschäftskreise ermöglicht
und befestigt wurde. Erst der Anbruch
der neuen Zeit verdrängte K. von seinem
hohen Amte. Wohl übernahm er, als am
21. März 4848 ein neues Ministerium
gebildet wurde, die Functionen des
Ministerpräsidenten. Aber der Bewegung
in jener Richtung, welche sie einge»
schlagen, zu folgen, war er unvermögend
und schon am 4. April wurde er auf sein
Ansuchen krankheitshalber dieser Dienst«
leistung enthoben, vierzehn Tage später
aber definitiv in den Ruhestand versetzt.
Von dieser Zeit an lebte der Graf in
stiller Zurückgezogenheit. Des Grafen
Wirksamkeit in seinem 30jährigen Staats«
dienste konnte im Vorstehenden nur
angedeutet werden; noch sei hier einiger
denkwürdigen Momente seiner Thätigkeit
in Kürze gedacht. I n Reichenau erbaute
der Graf die im Jahre 4798 durch
Brand zerstörte Dreifaltigkeits-Schloß«
kirche von Grund aus neu. Der 1837
begonnene Bau wurde 4843 vollen-
der; für den Hochaltar ließ er ein scbö-
nes Altacblatt von Lippar in i malen. Ein Freund der Kunst, vermehrte er
seine Gemäldesammlung mit werthvollen
Stücken, und D a f f i n g e r , Johann
Ender, Fendi, Schödelberger,
Gau ermann wurden vielfach von
ihm beschäftigt. Auf Verschönerung des
Lebens, nicht im nächsten Hinblick auf
sick, sondern für das Gemeinwesen sorg»
sam bedacht, hat er, wie in der ersten Zeit
seines amtlichen Wirkens in Prag, so
überall, wo er hinkam, Spuren seines
Feingefühls, Kunstsinnes und seiner Liebe
zur Natur hinterlassen. Wo Kolowrat«
sches Eigen stand, erwuchsen Gärten und
Parke. Die Horticultur war eine seiner
Lieblingsneigungen. Die Parke von Eb<
reichsdorf und Czernikowicz gehören zu
den prachtvollsten Anlagen dieser Art
und kosteten ihm Hunderttausende. Das
aufblühende Ischl, das er seit den dreißi»
! ger Jahren jährlich besuchte, stand hoch
' in seiner Gunst; er machte dort den Herr»
lichm Wafferfall „Waldbachstrub" zu-
gangig; erbaute den weitauslugenden
Kolowrats'Thurm ob der schönen Holsen«
rodalpe. einen der prachtvollsten Aus«
sichtspuncte um Ischl. Die nach ihm
benannte „Kolowrals-Esplanade" über-
liefert den Namen des um die Verschöne«
rung des Ortes so verdienten Staats«
mannes den spateren Generationen.
Seine 30.000 Bände starke Bibliothek,
in welcher sämmtliche Wissenschaftszweige
vertreten waren, legirte er dem böh»
mischen Museum. Durch diese letzte That,
wie bei seinem ersten Auftreten im öffent«
lichen Leben, stellte sich der Graf in die
Reihe der ersten Förderer der böhmischen
Nationalität. Wie er in früheren Jahren
Manches zur Erforschung und Populari»
sirung der Landesgeschichte Böhmens^
zur Pflege und höheren Ausbildung der
Sprache that, so hat er als einer der
Hauptgründer des böhmischen Museums
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Klácel-Korzistka, Volume 12
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Klácel-Korzistka
- Volume
- 12
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1864
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 528
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon