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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Klácel-Korzistka, Volume 12
Page - 409 -
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Page - 409 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Klácel-Korzistka, Volume 12

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Kompert 409 Aompert kein Blatt bestäube, räumt Kompert den Schutt der Zeit weg und zeigt der erstaunten und beschämten christlichen Welt: Seht, so wird da geliebt, geglaubt, gebetet und geseg« net, wo ihr meint, das Recht zu haben, hassen und verfolgen zu müssen? weil ihr nur seit. Jahrtausenden die rauhe, borstige, stachelige, schmutzige Schale kennen lernen, aber nie be« preisen konntet, daß sich darunter das süßeste Fleisch der süßesten Frucht, die Barmherzigkeit und Treue der gläubigen Liede birgt." — Gie« secke bemerkt über K ompert anläßlich seiner Beurtheilung des Romans „Der Pflug": „ In Kompert's Geschichte finden sich nicht bloß Ansichten über Emancipation, es sind auch nicht moderne Kaufmannsfiguren, die zufällig jüdisch sprechen, wie in einzelnen Romanen der Lewald, noch abenteuerliche Romantypen, wie sie ja wohl S p i n d l e r zuerst für phantastische Bedürfnisse zugerichtet hat; Kompert gibt in seinem Werke (und das gilt von allen Arbeiten dieses gemüthvollen tiefempfindenden Dichters) ein Stück nationa» len Lebens, den Versuch des ewig wandern« den Juden an der Scholle haftend. wieder eine Heimat zu finden, den Kampf des Nacen» Bewußtseyns, das unter dem Drucke entartet, in die ursprünglichen Zustände des alttesta- mentarischen Patriarchenthums zurückzukehren strebt. Kompert's Erzählung bietet nicht nur lugische Reflexionen dar, sondern individuelles, durch den Verstand nicht zu berechnendes, nur aus der unmittelbaren Auffassung zu begrei- fendes Leben." — Kürnberger schrieb bald nach K o mp e r t's erstem Auftreten in der 2i' teratur: „Ich möchte Kompert in Ansehung der Art und Eigenthümlichkeit seines Talentes den Koryphäen der Dorfpoesie an die Seite stellen. Weniger Aehnlichkeit hat cr mit Rank und dessen mehr subjeclioer, sentimentaler und breiterer Schreibart; näher stelle ich ihn zu Auerbach. Mit Auerbach hat er die Schärfe der Beobachtung, den Scharfblick in die menschliche Seele, die strenge objectiv epische Form, die Präcision und Naivetät in der Behandlung gemein. Beiden aber reiht er sich an durch die schlichte Wahrheit und Naturtreue seiner Schilderungen, durch ein glückliches Streben nach echter Schönheit der Kunstform, durch Tendenz und leidenschaftslose Selostständigkeit in Beherrschung seineS Stof« fes, mit einem Worte durch jenen hohen Grad "künstlerischer Ruhe. die diesen Dichter uoc dcn demokratischen Literaten der zwei nächst» ! vergangenen Decennien (1830 — 1848) so vor» ^ züglich und zu einer bleibenden Werthbestim, mung auszeichnet." — Hieronymus Lorm, der seit Jahren die schöngeistige Literatur seiner geistvollen Beurtheilung unterzieht, sagt bei einer Gelegenheit, nachdem er das nationale (jüdische) Element, welches allen Schöpfuw gen Kompert 's gemeinschaftlich ist, berührt hat: „nicht das nationale Moment könnte den Schriften Kompert's die Bedeutung geben, die ihnen zugeschrieben wird. In mehreren Auflüden verbreitet, gegenwärtig auch in das Französische übersetzt, sind sie in Kreise a.e» drungen, werden sie von Gesellschaftsclassen gelesen, die den jüdischen Gebräuchen und Traditionen völlig fremd und daher selbstver- ständlich ohne Sympathien gegenüber stehen. Die Sympathien, die sich die Bücher trotzdem erworben, sind somit ausschließlich das Ver- dienst des Poeten. Das Stossliche begünstigt ihn nicht unmittelbar, nicht durch ein so ho. hes Interesse des Gegenstandes an sich. daß es dem Dichter die Mühe erleichtern würde, Interesse zu erregen. Das Stoffliche begün- stigt ihn nur insoferne, als es der specielle Boden ist. auf dem dieser Antäus einzig und allein dichterische Kraft gewinnen zu können scheint. Was Kompert's Schriften so viele Anerkennung erworben hat uno ferner sichern wird, ist vor Allem die warnie tiefe Farben^ gebung, die allem Genre unerläßliche reali- stische Darstellung. In der engen Wirklichkeit, die K. umschreibt, ist zum Glück nicht Alles von so äußerlicher Beschaffenheit, daß ein bloßer Copist hinreichen würde, sie wiederzu« geben oder schon ein oberflächliches Idealist« ren sie poetisch machen konnte. In dieser klei, nen Welt ist die „Volksseele" eine lebendige Wahrheit und es muß schon ein echter Poet durch sein Geschick und durch sein Gemüth veranlaßt worden sein, sich in sie hineinzu» leben um sie künstlerisch zu reproduciren. Aus dieser Volksseele stammt der tiefe Fami» liensirm; der kaustische Witz als die Waffe des Schwacken stammt ohnehin schon aus den historischeu Schicksalen. Eigenthümlich ist ihm aber auch die dem Oriente überhaupt inne« wohnende Lust, die Dinge, dieser Welt bis auf die kleinsten Attribute der Alltäglichkeit sym» bolisch aufzufassen, die Weisheit in ein Gleich« niß. die Lebenserfahrung in Märchen zu klei« den. Diese Specialitäten des Nationalcharak» ters sind sämmtlich in K.'s Geschichten zu Gestalt und Leben gekommen, manchmal durch ein ermüdend hartnäckiges Hin« und Her« wenden einer und derselben Io^e, manchmal
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Klácel-Korzistka, Volume 12
Title
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Subtitle
Klácel-Korzistka
Volume
12
Author
Constant von Wurzbach
Publisher
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Location
Wien
Date
1864
Language
German
License
PD
Size
13.41 x 21.45 cm
Pages
528
Keywords
Biographien, Lebensskizzen
Categories
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