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Aopeckn 429 Kopecky
er in seinem Geburtsorte die Normalschu»
len besucht, kam er. 14 I . alt. zu einem
Uhrmacher in die Lehre. Spater wurde
er zum Militär genommen und machte
als Soldat die Feldzüge gegen Napo-
leon mit, in denen er zweimal verwun-
det wurde. Nach seiner Entlassung machte
er sich in dem Stadtchen Mirotice an-
sassig und begann einen kleinen Handel
mit Kurzwaaren. Da brachte ihn eine
Feuersbrunst um seine ganze Habe und,
um sich zu helfen, begann er Vorstellun«
gen mit einem Puppenspiele zu geben, zu
dessen Herstellung ihm seine Geschicklich-
keit, welche er sich wahrend der Lehrjahre
beim Uhrmacher angeeignet, gute Dienste
leistete. Bald wurde Kopecky im ganzen
Lande bekannt, von Stadt zu Stadt, von
Dorf zu Dorf zog er mit seinen Puppen,
die Massen ergötzend und, wie sein Bio>
graph berichtet, für Böhmen eine cultur»
historische Bedeutung gewinnend. Er war,
schreibt Waldau, nicht bloß Meister in
seinem Fache, sondern ein Liebling des
gemeinen Volkes und sein Ruf drang
selbst in die höchsten Kreise der Gesell-
schaft. Fürst Metternich auf seinem
Schlöffe in Plaß ließ sich von ihm unter«
halten; der alte Fürst Schwarzen«
berg ließ ihn während seiner Herbst» I
jagden zu Krumau rufen, damit er den
versammelten Cavalieren seine „Dramen"
zum Besten gebe; Fürst Wind i schgrah
fand an seinen Vorstellungen, die er einige
Male besuchte, Gefallen; ja selbst ge>
krönte Häupter, wie der Kaiser von
Rußland und der König von Preußen
befanden sich unter seinem Publicum.
Zur Krönung Ferdinand'S zum böh-^
mischen König im Jahre 1836 wurde K- !
auf dessen Befehl in das Schloß auf
den Hradschin beschieden, damit er mit
scinem prächtig ausstaffirten Theater
einige Vorstellungen gebe, für die er reich beschenkt wurde. So hatte K. d-nrcb
etwa vier Decennien vor Taufenden und
Tausenden an 18.000 Vorstellungen
gegeben, welche große Zahl sich leicht
erklärt, wenn man bedenkt, daß er an
manchen Tagen deren mehrere gab.
Für seine Marionettenbühne hatte er sich
selbst ein ziemlich reiches Repertoire ge-
schaffen, mehrere öechische Originalstücke,
als „Die Räuber auf Maria Kulm",
„Oldttch und Voöena" . „Prinz Aman-
tuö" geschrieben und noch mehr fremde
Stücke für die Zwecke seiner Bühne und
für sein Publicum zugerichtet; so z. B.
den „Faust" nach Göthe's Dichtung,
welche Bearbeitung in ihrer Art ein Mei<
sterstück. von ihm nicht weniger denn 2360
Mal gegeben wurde, den „Don Juan" nach
dem Libretto der Mozart'schen Oper,
den „Freischütz" nach Kind's Dichtung
zu Weber's Tonwerk u. s< w. Auch an
Räuber- und Ritterstücken hatte er keinen
Mangel, und mehrere seiner in denselben
und in seinen Lustspielen vorkommenden
komischen Lieder sind in den Volksmund
übergegangen, in welchem sie noch heute
fortleben. Jemand bemerkt: Gesetzt, einer
einzigen Vorstellung K.'s hatten durch-
schnittlich 20 Menschen beigewohnt —
eine gewiß nieder gegriffene Zahl — so
hatte er in seinen 18.000 Vorstellungen
vor einem Publicum von 360.000 Men-
schen gespielt. I n neuester Zeit veranstal-
teten E. Just, H. Prerhof und I . R.
Vi l imek nach den Aufzeichnungen von
Kopecky's Sohn Wenzel eine AuS-
gäbe von seinen Marionettenspielen in
zwei starken Bänden unter d. Tit.: „Ivo-
(v I-i-a-e 1863, <!. k. Vilimsk, kl. 8».),
deren erster 33 und der zweite 28 solcher
Marionettenspiele enthalt.
Der Ausgabe seiner ausgewählten Komödien:
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Klácel-Korzistka, Volume 12
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Klácel-Korzistka
- Volume
- 12
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1864
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 528
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon