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Kopitir 438 Kopiiar
Bücher und Handschriften in Paris zurück ! gen Slavisten und Patriarchen der slavi»
zu übernehmen. Zweimal reiste K. aus
diesem Anlasse nach Paris und entledigte
sich mit Glück der ihm gewordenen Auf-
gabe; auch besuchte er bei dieser Gelegen-
heit London und Oxford. Nach seiner
Rückkehr widmete er sich wie früher den
bibliothekarischen Arbeiten und sewen sla»
vischen Studien. Schon die ersten Jahre
seines Wiener Aufenthaltes hatte K.
dazu benützt, mit Neugriechen, Serben,
Nalachen und Albanesen zu verkehren.
Zur Zeit des Wiener Kongresses lernte er
den Serben Vuk Stephanowitsch 'Ka-
radschitsch sBd. X, S. 464^>. der die
Sammlung der bekannten herrlichen ser-
bischen und bosnischen Volkslieder nach
Wien gebracht, kennen. Mit ihm verband
sich K. zur Abfassung eines Wörterbuches
des serbischen Dialectes und einer Gram-
matik desselben. Diese Arbeit wurde l818
vollendet und fand sogleich ihre Gegner.
Während D o b r o w s k y Md. I l l ,
S. 334^, im übrigen Kopitar's Freund,
mit den Wortformcn und Lettern nicht
ganz einverstanden war, erklärten der
Metropolit von Carlowitz, Stephan
Strat imirowics und sein Freund,
der Feldmarschall-Lieutenant Du ca. die»
ses lericirte Serbisch im „Oesterreichischen
Beobachter" für einen „Pöbeldialect" l
Kopitar beleuchtete nun diesen der
Sprache von dem Walachen Duca —
denn Duca. obgleich er sich für einen
Serben ausgab, war in der That ein
Walache — angethanenen Schimpf im
vierten Bande der „Wiener Jahrbücher
für Literatur" in einer Weise, daß man
es nun für gerathener fand, über diesen schen Literatur des morgen» und abend»
landischen Ritus zu einer Reise nach
Wien, wo er in der Frist von anderthalb
Jahren, von Kopi tar in der Arbeit
wesentlich gefördert, seine
8iZ,vi<39,6 äialsoti. veteris" be-
endete. Zu gleicher Zeit war Kopi tar
für die „Wiener Jahrbücher" thätig und
es erschienen von ihm in denselben fol»
gende Aufsatze: „Recension von Do>
Punct in Hinkunft zu schweigen. Da
Kopitar Kenntniß hatte, daß Dc»
browsky den Entwurf zu einer alt«
slavischen Grammatik ausgearbeitet lie-
gen habe, bewog er den damals 70jahr'i. ( 1822); — „Ueber
griechisch - russisch » walachisches Kirchen»
recht" (Bd. XXI I I , 1823)' — „Ueber
die Volkspoesie der Serben und Neu-
griechen" (Bd. XXX, 1823); — „Ueber
die Nationalitat und das Schreibsystem
der Bulgaren. Walachen und Albanesen"
(Bd. XXXIV, 1826, und Bd. XI.VI,
1829); — „Ueber die Slavonisirung
Giiechenlands" (Bd. I.1, 1830). Als
Dobrowsky im Jänner 1829 starb,
übernahm K. das literarische Patriarchat
unter den Slavisten, welches aber für
ihn eine wahre Quelle der Leiden und
bittersten Anfeindungen wurde. Zum Ver-
ständniß der Sachlage möge dasFolgende
dienen. Kopitar und Dobrowsky
waren in der slavischen Sprachforschung
stets vollkommen einig, hingegen auf dem
Gebiete der Geschichte, vornehmlich der
Kirchengeschichte deS neunten Jahrhun-
derts, waren sie ganz abweichender, ja
fast entgegengesetzter Ansicht. Neber den
Ursprung der slavischen Kirchenliteratur
und das Alter der glagolitischen Schrift-
zeichen hatte jeder sein eigenes System:
Dobrowsky (mit den Russen) daS
Bulgarische; Kopitar (gegen die
Russen und die protestantischen Slavisten)
das carantanische System. Die Do»
browskyaner (in Ru-ßland nach dem
Philologen Wostokow auch Wostoko»
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Klácel-Korzistka, Volume 12
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Klácel-Korzistka
- Volume
- 12
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1864
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 528
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon