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Aoraiek. 460 Aoralek.
Physik unter Ettingshausen. Die ! die auf dem Wege nach Ruhm und Ehre,
Mathematik zog ihn vor allem an un
sie trieb er mit Leidenschaft. Nach den mi
Auszeichnung beendeten Studien kehrte
er in sein Vaterhaus zurück, wo es ihm
die hauslichen Verhältnisse gestatteten,
sich ganz seinen mathematischen Studie,
hinzugeben. Ein Gedanke beschäftigt«
ihn bei diesen beständig. Die erforder
lichen logarithmischen Tafeln bei logarith
mischen Rechnungen erschienen ihm wi,
eine Abhängigkeit der mathematischen
Wissenschaft, von der sie befreit werden
müsse. Diese Aufgabe hatte er sich gestell
und in der That war es ihm gelungen
den Logarithmus einer gegebenen Zah
oder geometrischen Function und umge
kehrt, die einem Logarithmus entsprechend«
Zahl ohne Hilfe von Tafeln sehr schnell
zu berechnen und auf diese Weise di
logarithmisch « trigonometrischen Tafeln
entbehrlich zu machen. Jubelnd kündigt
er dem Vater die glückliche Entdeckung
an und eilte nach Wien, sich da Bewun«
derung und Lohn zu holen l Nachdem er
in Wien die erforderlichen Aufklarungen
gegeben, wurde ihm die Auseinander
setzung des aufgefundenen Vortheils für
die Wissenschaft in einem öffentlichen Hör»
saale des polytechnischen Instituts frei>
gestellt, und er hielt darüber vorProfesso»
ren und zahlreich versammelten Zuhörern
zwei Vorträge. Damit war die Sache
abgethan. Nachdem der getraumte Ei>
folg ausgeblieben, beschloß der in seinen
Hoffnungen Getäuschte der Heimat den
Rücken zu kehren und dahin zu gehen,
wo, wie e? gelesen hatte, die He.
roen der Kunst und Wissenschaft Auszeich,
nung, Verherrlichung finden, mit Ehren
und Reichthum überschüttet werden —
nach Paris. Koralek hatte freilich nur
von den Ausgezeichneten und vom Glücke
Begünstigten, aber nicht von Jenen gelesen, worauf sie ihren Kenntnissen und Leistun-
gen nach ein Recht hatten, den Qualen
deS Hungers und Elends erliegen. Sein
Entschluß war rasch gefaßt und schon
hatte er dem Vater geschrieben, daß er
nach PariS gehen wolle, um sich dort
einen Wirkungskreis für seine Fähigkeit zu
erringen. Der Vater, der die Dinge von
der nüchternen Seite des Bewohners
einer kleinen Stadt auffaßte, gab ihm
(24. April 4846) zur Antwort: „So
lange er im Lande bleibe, wolle er mit
ihm theilen, waS ihm auch Gutes und
Schlimmes begegne; so wie er aber ein-
mal die Grenzen des Reichs überschritten,
höre jede Unterstützung auf' das sei sein
unabänderlicher Wille". Dieser Entschluß
des Vaters vermochte aber nicht den Ent-
schluß des Sohnes zu andern. Er machte
sich zur Reise nach Paris fertig und kam
am 13. Mai 1846 daselbst an. Obgleich
von mancher Seite, selbst von jener der
Journalistik, Alles geschah, den ausge.
zeichneten Mathematiker zu fördern, das
Feld seiner Thätigkeit blieb immer ein
sehr beschränktes und seine Existenz auf
Privatlectionen angewiesen, welche er aus
derMathematik ertheilte. K. hat wahrend
seines Aufenthaltes in Paris so viel
gedarbt und gehungert, daß seine Gesund«
heit darunter stark litt und es zu staunen
ist, daß er solcher Noth nicht schon langst
unterlegen ist. Er hat Monate lang mit
2—3 Sous taglich gelebt und anhaltend
gearbeitet. Nach- dem Iunikampft im
Jahre 4848 kam er um alle seine Habe.
Erst im Jahre 1831, also nach fünf
Jahren schwerer Leiden und Entbehrun-
gen, wurde sein Verdienst von der
Akademie der Wissenschaften öffentlich
nerkannt. Am 28. April g. I . erklärte
3 auchy, der berühmteste Mathematiker
Frankreichs, im Berichte, der im Namen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Klácel-Korzistka, Volume 12
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Klácel-Korzistka
- Volume
- 12
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1864
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 528
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon