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Ksrtum 472 Aortmn
und Widersacher war gering, und mußte
der öffentlichen Meinung, die dem biederen
Staatsdiener einstimmig Beifall zollte,
weichen und vor der allgemeinen Stimme
schweigen. Kor t um hat als Schrift-
sieller wenig geleistet, wichtigere Geschäfte
hielten ihn von den Wissenschaften, denen
er mit warmer Liebe ergeben war. ab;
von ihm erschien eine einzige, aber gehalt»
volle Schrift im Drucke, betitelt: „Ag^n-,
cbzlta uan Galizien, ader Tntrrsnchnng der Ne>
schwerden des gulizischen Adels polnischer Nation
über die bezte Acgierung" (Iemberg ^790).
Wie sehr K. die Beförderung des Guten
in dem ihm angewiesenen Wirkungskreise
am Herzen lag. beweisen die vielen Vor»
schlage, die er zur Verbesserung der Ver«
waltung der Staatsgüter und Salinen
machte, und die Einrichtungen, die er
hierin getroffen, wobei er nie das In«
tereffe seines Monarchen und der Unter-
thanen aus den Augen ließ. Seine Vor»
siellung gegen die Erhöhung der Salz-
preise in Galizien (im Jahre 1807)
schloß er mit folgenden Worten: „Ein
Mann. der seit 22 Jahren im Dienste
Eurer Majestät grau geworden ist, isolirt
und ohne Kinder und Anhang, vielleicht
verkannt, aber fest entschlossen, sein äuße.
res Wohl dem wahren Nutzen des Staa«
tes niemals vorzuziehen, hat es gewagt.
Eure Majestät in einer Angelegenheit
unmittelbar anzureden, die nicht ihn,
aber seine Dienstpflichten und daS Wohl
zweier Provinzen betrifft, auf die er nach
diesen Dienstpfiichten zu wirken hat. Seine
vieljährige Erfahrung gibt ihm einigen
Anspruch auf die Präsumtion voller
Eachkenntniß, und sein Eid befiehlt ihm.
Schaden und Nachtheil nach seinen Kraf-
ten vom Staate abzuwenden." So war
Kortum als Staatsmann. Die Vielsei,
tigkcit seiner Talente und seltener Gaben
erhoben ihn zum vorzüglichen Menschen, und er war im wahren Sinne des Wor.
tes ein origineller Kopf. Als Philosoph
war er dem Wolf'schen und Leibnitz'schen
Systeme zugethan. sowie er auch die
Kant'sche Philosophie fleißig studirte.
An scholastisch-spitzfindigen Systemen der
Philosophie fand er kein Wohlgefallen,
und hielt diese übertünchte Finsterniß für
Vorboten eines allmäligeu Verfalls der
wahren Wissenschaft. Bewunderungswür-
dig war sein seltenes Gedächtniß, das
sich durch so viele Sprachkenntnisse beur-
kündete. Fast mit allen europaischen
Sprachen innig vertraut, verlegte er sich
in seinen letzten Lebensjahren mit einem
besonderen Fleiße auf die ungarische
Sprache. Mehrere Sprachen, z. B. die
dänische und schwedische, lernte er mit Hilfe
einer Grammatik und eines Wörterbuches
ohne Sprachmeister. Hiebei beobachtete
er die von dem gelehrten Sprachforscher
Schlötzer angegebene Methode. Er las,
nachdem er sich zuerst aus einer Gram»
matik mit der Aussprache bekannt machte,
die Bibel, theils weil die einfache, natür»
liche Schreibart derselben am verstand»
lichsten ist, theils weil er mit dem In»
halte derselben am besten bekannt war,
und weil man bei Uebersetzungen der
Bibel
sich am wenigsten Freiheiten erlaubt,
und sie so viel möglich treu und wörtlich
zu geben sucht. Bei dem ersten lauten
Durchlesen eines Buches blieben ihm meh»
rere Worte im Gedächtnisse, bei dem
zweiten einzelne Redensarten und beim
dritten und vierten Cursus. wo schon ein
brauchbares Wörterbuch zu Rathe gezo-
gen war. hatte er die Sprache in seiner
Gewalt.
Oesterreichs Pantheon. Gallerte allcs Gu»
tcn und Nützlichen im Vnterlande. Authen«
tische Notizen u. s. w. (Nü>n 183U. M. Chr.
Adolph. 8<>.) Bd. I, S. l«9. — Annalen
der Literatur und Kunst in dem österreichi»
schen Klliserthume (Wien. Ant. Doll, 8".)
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Klácel-Korzistka, Volume 12
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Klácel-Korzistka
- Volume
- 12
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1864
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 528
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon