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Kreuher 209 Kreucher
Wunder wirkt. Im Jahre 1840 beglei
tete K. seine Tochter, die er zur Sängerin
herangebildet hatte, auf ihrer Gastspiel-
reife durch Deutschland und nahm noch
im selben Jahre die angebotene Musik-
directorsstelle in Cöln an. Im Jahre
1846 erhielt er von Neuem den Ruf als
Capellmeister des Wiener Hof-Opern-
theaters an Nicolai 's Stelle, der
nach Berlin gegangen. Im nämlichen
Jahre dirigirte er personlich mehrere
seiner Opern in Gratz, Hamburg, wo
„Nie Hochland erin" am 16. November zum
ersten Male in die Scene ging. Zuletzt
begab er sich nach Riga als Capellmeister
des dortigen Theaters, von wo im De-
cember 1849 plötzlich die Trauerkunde
kam, daß der „Lyriker der deutschen
Operncomponisten, der sinnigedle schwa»
bische Fn'lhlingssanger Conradin K.",
wie Riehl ihn nennt, dort gestorben sei.
„König Conradin" wäre, wie die Harn»
durger „Jahreszeiten" schreiben, das
letzte Werk, welches K. componirte, gewe-
sen und im Winter 1848 vollendet wor»
den; denn die gewöhnlich als letztes
Opus angesehene „Anrrllll",nütdemTeite
von Gollmick. welche erst mehrere
Jahre nach Kreu>tzer's Tode in Caffel
und Darmstadt und mit Beifall gegeben
wurde, war bereits im Jahre 1843 wäh'
rend einer wiederholten Anwesenheit des
Componisten in Paris entstanden, aber
erst 1,847 ausgearbeitet worden. Heraus-
geber dieses Lexikons meint aber, dieser
Ansicht, als märe „Conradin" unseres
Meisters letzte Operncomposüion gewesen,
entgegentreten zu dürfen. Die Oper „Con>
radin" mochte K. sehr früh und zwar im
Jahre 1811 bereits componirt haben,
denn diese Oper war es, welche auf semer
im genannten Jahre durch Deutschland
gemachten Kunstreise in Stuttgart aufge»
führt wurde und seine Ernennung zum
o. Wurzbach, biogr. Lerikon. AIII Capellmeister durch den König von Würt«
temberg zur Folge hatte. Ja diese Oper
war bereits früher noch in Wien zur
Aufführung vorbereitet, aber Censurhin»
derniffe vereitelten dieselbe. Eine zweite
Oper desselben Titels von K. ist aber
nicht bekannt und es müßte denn nur eine
völlige Umarbeitung derselben als letztes
OpuL angesehen werden. — Wohl fehlte
es nicht an Ehren, welche den Manen des
Verewigten um das deutsche Lied so viel«
verdienten Tondichters erwiesen wurden;
in Riga selbst wurde ihm eine erhebende
Todtenfeier bereitet; aber damit war der
drückenden Lage, in welcher er seine
Familie zurückließ, nicht abgeholfen.
Seine Tocdter hatte aus Gram und
Schmerz über den Tod des Vaters in
Riga die Stimme verloren. Als sie
sich nun dem recitirenden Schauspiele
zuwendete, für das sie in Wien die
tüchtigsten Studien gemacht, nöthigte sie
eine durch den Tod des Vaters veran«
laßte Nervenkrankheit, auch dieser Lauf-
bahn zu entsagen. So waren Witwe
und Tochter des um den deutschen Gesang
hochverdienten Meisters bitteren Sorgen
Preis gegeben. Spaterhin geschah einiges
zur Linderung ihrer Noth' mehrere Lie»
dertafeln veranstalteten Concerte, ein paar
Theater, darunter jenes von Hamburg,
gaben Benesiz'Vorstellungen zur Grün«
düng eines kleinen Fonds; auch die Oper
„Aurelia" wurde von einigenDirectionen
aufgeführt, und so erwuchs durch das
dafür gezahlte Honorar der Witwe ein
kleiner Vortheil. Ausgiebiges. Hinreichen»
des, im Ganzen und Großen, eines Vol>
kcs wie des deutschen Würdiges, ist,
so weit bekannt, nicht geschehen. Eine
Charakteristik Kreutzer's vom Stand-
Puncte seiner musikalischen Bedeutsamkeit
gibt R ieh l , der ihn schon treffend in
der Aufschrift: „Zwei kleine Meister",
. 26. Dcc. iüüi.) ^
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Kosarek-Lagkner, Volume 13
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Kosarek-Lagkner
- Volume
- 13
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1865
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 546
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon