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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Kosarek-Lagkner, Volume 13
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Page - 240 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Kosarek-Lagkner, Volume 13

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Krochmai 240 Krochmal. strenge Methode hatten auf K.'S denken- den Geist bereits zu nachhaltigen Einfluß geübt, als daß er mit der Naturphilo» sophie sich vollständig hatte befreunden können. Aus diesem ihn so beseligenden Wandeln im Reiche des Geistes und der Geister wurde K. mit einem Male durch eine Aenderung seiner materiellen Ver« hältniffe herausgerissen. Vorerst verlor er seinen Schwiegervater und die Ver« mögensverhältnijse seines vordem wohl- habenden Vaters hatten sick zu gleicher Zeit so sehr verschlimmert, daß K. die Ver« waltung seines Vermögens selbst zu über« nehmen und also Kaufmann zu werden gezwungen war. I n diesem Vorsatze ward er noch durch das folgende Ereigniß mächtig bestärkt. Unweit Zolkiew ist eine Gemeinde Karäer ansässig. Die Karaiten oder Karäer werden von den orthodoxen Israeliten allgemein für Ketzer gehalten und ein engerer Verkehr mit ihnen ist dem rechtgläubigen Juden ein Gräuel. Im Jahre 4813 wurde K. bei einem Besuche Zolkiews mit dem Chacham der Karäer bekannt und,, von dem schlichten Manne sich angezogen fühlend, fand zwischen ihm und K. bald ein Ver« ständniß Statt, aus welchem ein freund» schajtlicher Briefwechsel sich entwickelte. Der den orthodoxen Juden schon langst verdachtige K. wurde durch diesen Um« stand nur noch verdächtiger und nur noch mehr verketzert. Durch eine List gelang es seinen Feinden, mehrere Briefe K.'s. die er an den Chacham der Karäer geschrie« ben, zu erhalten. So wenig der Inhalt dieser Briefe vor besonnenen Denkern anfechtbar war, den jüdischen Zeloten genügte er, um K. allen jüdischen Ge- meinden in Galizien und Russisch.Polen zu demmcicen, ihn als dem rechtgläubigen Iudenthume bereits entfremdet und als einen Abtrünnigen darzustellen, der die Abficht habe, den Karäern sich anzu- schließen. Als K. von dieser Nichtswür- digkeit Kunde erhielt, so erließ er wohl auch seinerseits ein Schreiben, in welchem er die gegen ihn vorgebrachten Beschul- digungen widerlegt. Aber wenn es viel» leicht damals und schon lange früher sein Plan war, als Lehrer zu wirken, einen Kreis junger empfänglicher Denker um sich zu sammeln und eine Schule, wie er sie sich dachte, zu bilden, so gab er unter solchen Verhältnissen den Gedanken auf, deffen Verwirklichung bei dem herrschen» den Zelotismus seiner Glaubensgenossen für ihn eine unversiegbare Quelle von Leiden und Unannehmlichkeiten geworden wäre. So beschloß er denn Kaufmann zu werden. „Rührend war es", wie Zunz schreibt, „K. mit einer Arbeit sich ab« mühen zu sehen, der er nicht gewachsen war. Strenge Moralität, Gutmüthigkeir und eine nicht gewöhnliche Leichtgläubig« keit bildeten einen zu schroffen Gegensatz gegen die Grundsätze, die seine Umgebung hegte." Nun aber, K. unterzog sich dem Unvermeidlichen und zwanziq Jahre, von 1816 bis 1336, betrieb er dieses Geschäft, freilich in ftiner inneren Ent- Wickelung und geistigen Läuterung nie innehaltend und die Muße. die ihm blieb, seinen Forschungen widmend. Im Jahre 1826, in welchem er auch seine Frau durch den Tod verlor, dafür aber in seinen Vermögensvechältniffen nur neue Widerwärtigkeiten gewann, lernte er die Schriften Hegel's kennen, welche auf sein Denken für die Zukunft bestim» mend einwirkten. Hingerissen von dem Tiefsinne dieses Forschers, nannte er dessen System „die Philosophie der Phi« losophien". Es näher dem efsäischen Iudenthume als dem Christenthume ver» wandt haltend, versuchte er die Grund« läge des Hegel'schen Systems im alten
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Kosarek-Lagkner, Volume 13
Title
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Subtitle
Kosarek-Lagkner
Volume
13
Author
Constant von Wurzbach
Publisher
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Location
Wien
Date
1865
Language
German
License
PD
Size
13.41 x 21.45 cm
Pages
546
Keywords
Biographien, Lebensskizzen
Categories
Lexika Wurzbach-Lexikon
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