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Krolmus 245 Krolmus
Anfang des Jahres 1818 wurde er Cap«
lan zu Neulifsa, wo er die Agende in's
Böhmische übersehte und nach derselben
die kirchliche Liturgie unter den Akatholi
ken einzuführen begann. Deßhalb beim
Konsistorium verklagt, wurde er im fol>
genden Jahre nach Mscheno übersetzt.
Nun überwarf er sich
mit demLeitmeritzer
Consistorium und wurde in Folge dessen
mit siebentägiger Klosterhaft bestraft. Im
Jahre 1823 kam er als Caplan nach
Mscheno, wurde aber noch in selbem Jahre
Erposit in Kreseyn, wo er durch mehrere
Jahre verblieb, bis er im Jahre 1832
die Pfarrei zu Zwikowiö erhielt. Alö
Pfarrer kam er mit seinem Kirchenpatron,
dem als Archäologen und landwirthschaft'
lichen Schriftsteller bekannten Gutsbe-
scher Mathias Kal ina Ritter von Iä -
t h e n
st e i n j^Bd. X, S. 391^. mit dem er
übrigens vorher gemeinschaftlich archäo>
logische Studien betrieben hatte, in Strei-
tigkäiten, welche zuletzt den Ausgang
nahmen, daß K. in voller Manneskraft
sein Pfarramt niederlegte. Dieß geschah
im Jahre 1849, und K. zog sich
nun nach
Prag in's Privatleben zurück, dort bis
an seinen Tod sicy ganz seinen archaolo»
gischen Forschungen und literarischen. Ar«
beiten hingebend. Krolmus ist einer
der ersten und eifrigsten Sammler öechi»
scher Volkslieder, Volksspiele, Bräuche,
Sagen und Märchen. Als praktischer Ar-
chäolog besitzt er gleichfalls nicht geringe
Verdienste. Besonders bearbeitete er die
heidnische Epoche. Im Aufgraben von
Heidengräbern kam ihm Niemand gleich.
Sine glückliche Combination und ein
nicht zu ermüdender Eifer paarten sich bei
ihm mit einem seltenen Finderglück. Mehr
als fünfzig heidnische Opferplätze und
mehrere Tausend von Heidengräbern
dürfte K. entdeckt und aufgegraben haben.
Wohl unterstützte das böhmische Museum den emsigen Forscher bei feinen Ausgra«
bungen. Aber die nicht reichen Mittel
dieses Instituts gestatteten keine ausgiebige
Unterstützung, und so war K. in den mei-
sten Fallen auf sich selbst angewiesen und
griff, um die Auslagen kostspieliger Tag«
löhner zu ersparen, nicht selten selbst zum
Spaten. Noch in seinen letzten Jahren,
als ihn schon körperliche Leiden heim«
suchten und ihm das Arbeiten erschwerten,
machte er noch immer seine archäologi-
schen Allsflüge, von denen er in der Zeit-
schrift I>am.at1c^ aroliaeoloFiol^ regel«
maßig Bericht erstattet, und wenn er nicht
mehr selbst graben konnte, so leitete er
an den von ihm bezeichneten Stätten die
Ausgrabungen. Seit Jahren war K. und
vornehmlich auf dem Gebiete der heimi«
schen Alterthumskunde als Schriftsteller
thätig. Seine im Drucke erschienenen
Schriften, einige Gelegenheitsgedichte,
welche der „I^umir" aufzählt, ausgenom«
mm. sind in chronologischer Folge:
„HVSi^ o ^>oia. X'niHce Tno^z'n' e'l. F.",
d.i. Das Licht des Lebens. Gebetbuch (Prag
183l)), auf diesem Buche schreibt er seinen
Namen mit G. (Grolmus); — „OöT-a-na
", d. i. Die Vertheidi.
gung des katholischen Glaubens oder
Unterschied zwischen dem Katholiken und
Nichtkatholiken (ebd. 1343); — „T^c l
", d. i. Die Burg Sternborg, sonst
Stremelin im Kaurc)imer Kreise (ebd.
1344); —
", d. i.
Denkwürdigkeiten der öden Veste auf
Schönberg (richtiger Schellenberg) bei
Vozic. Mit einem Anhange über die Pra«
ger Volksfeste Strohsak und Fidlowacka
(ebd. 1844); —
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Kosarek-Lagkner, Volume 13
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Kosarek-Lagkner
- Volume
- 13
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1865
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 546
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon