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Krolnms 246 Krolmus
d.i.Altböhmische Sagen, Gesänge. Spiele.
Gebräuche, Feste und Melodien, mit
Berücksichtigung der äechisch-slavischen
Mythologie. Heft 1—45 (Prag, das erste
Heft im Jahre 1843); diese culturhisto-
rische Sammelschrift, welche K. unter dem
Anagramm seines Namens S u m l o r k
(Krolmus rückwärts gelesen) heraus
gab, bildet sein Hauptwerk. Es ist lange
noch nicht abgeschlossen und befinden sich
in seinem Nachlasse massenhafte Materia'
lim zu Fortsetzungen, deren weitere Her«
ausgäbe nur durch seinen Tod unterbro«
chen wurde; —
d. i. Chronik aller
Ueberschwemmungen, aller fruchtbaren
und unfruchtbaren Jahre, aller Hungers»
nöthen, Seuchen und anderer Schaden im
Königreiche Böhmen (Prag 1843); —
cic»
d. i. Beschreibung des hundert»
jährigen Gedächtnißtages der Gründung
des Stiftes der englischen Fraulein und
deren Ankunft in Prag. Mit einem An«
hange über die Karmeliterinen (Prag
1887); —
", d. i.
Die Ankunft des Wortes Gottes von Ost
nach West, aus Jerusalem nach Lewy
Hradeö an der Moldau in Böhmen
(Prag 1833); — „^os?6Hn/öo^s 6^-
noöoH« s i^6?2a??lz 7lH /3Ha/s/bn", d. i.
Ueber die unterirdische Opferftatte des
öernobog zu Skalsko im Bunzlauer Kreise
(Prag 1836); diese Abhandlung war^ie
letzte selbststandig erschienene Schrift des Pfarrers K. Wenn K. dieselbe Sorgfalt
bei der Kritik seiner Arbeiten angewen»
det hätte, welche er bei dem Aufsuchen
derselben bekundete, so würde er als Ar»
chäolog Böhmens einzig dastehen; seine
eigenen Landsleute aber machen ihm Man»
gel der Kritik, ja noch mehr zum Vor«
würfe, indem sie sagen, daß er sogar man»
ches selbst interpolirte. Immerhin sichern
ihm aber als nationalen Schriftsteller
sein so ergiebiger Sammlersteiß und seine
Volkstümlichkeit, die ihn bei seinen be«
schwerlichen Nachgrabungen nicht wenig
förderte, ein bleibendes Andenken. K.
war auch ein großer Freund der Musik
und förderte als solcher vornehmlich den
nationalen Gesang, wodurch er sich auch
eine mehrwöchentliche Haft zuzog. Im
Jahre 1848 nämlich versammelte er
öfter seine Freunde bei sich, die dann ihre
nationalen Lieder ertönen ließen, daß sie
weit und breit erschallten. Als er nun ein.
mal mit seinen Freunden seiner Gesangs-
schwärmerei zu sehr die Zügel schießen
ließ, wurde er, da zu jener Zeit über Prag
der Belagerungszustand verhängt war. in
Haft genommen. Als sich aber bei der
Untersuchung weiter gegen ihn nichts vor-
fand,, wurde er nach einigen Wochen
Haft freigelassen. Eine dichtgedrängte
Menschenmenge folgte seinem Sarge, dem
die Abzeichen des priesterlichen Standes
fehlten und der dem letzten Willen des Ver-
blichenen zu Folge auf dem Wyffehrader
Friedhofe an der Seite seines Freundes
Hanka beigesetzt wurde. Im Juni vorigen
Jahres (1864) meldeten die Journale,
daß
sich zu Brezinka und in der Umgegend
ein Comit6 gebildet habe, welches dafür
Sorge tragen wollte daß an dem Ge« ,
burtshause des verdienten Archäologen
eine Gedenktafel angebracht werde.
I^umir, b6ll6t.ri8tiok^ t^äßnuik, d. i. Lu»
mir, ein belletristisches Wochenblatt. Redigirt
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Kosarek-Lagkner, Volume 13
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Kosarek-Lagkner
- Volume
- 13
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1865
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 546
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon