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Kronser 262 Kronser
eines Romans und cineö Schauspiels machte,
erlangt. Was mich betrifft, so war ich mit
dieser Berühmtheit weder in Rücksicht auf
ihre Kunst noch auf ihren Charakter einver-
standen. Sie holte ihre Komik aus der Hefe
des Pöbels und aus der Cloake der Unsitt-
lichkeit, sie kokettirte mit ihrer eigenen Unsitl>
lichkeit. Was ihren Köper anbelangt, so war
sie fürchterlich mager und abgelebt, und Alles
war schlaff und welk an ihr, mit Ausnahme
von zwei schönen großen Augen, mit denen
sie aber auch zu kokettiren verstand. Alle
Bewegungen ihres Körpers waren eckig, die
beiden Arme dünn wie zwei Leimruthen:
aber sie verstand durch Kleider nachzuhelfen
und jene Theile des Körpers, welche beson
ders die Lorgnetten alter Roue's so gerne
in Bewegung setzen, durch Schwingungen
und Biegungen aller Art in das rechte Licht
zu bringen. Ich habe Leute gekannt, welche
Alles an ihr graziös fanden. Ich fand das
Gegentheil und bin ü!?'vzeugt, daß jene Leute,
wenn sie den Kern dieser Hülle gekannt hätten,
zurückgeschreckt sein würden. Was war es
denn also, was fic zu einem der Lieblinge
des Leopoldstädter Theaters machte? Gs war
die Freiheit, ja die Frechheit ihres Spieles;
es waren Worte, welche oft aus ihrem Munde
gingen, und die man einem Manne nicht ver«
ziehen hätte, welche sie aber so beruorzulispeln
verstand, als wenn sie gar nicht wüßte, was
sie ausdrücken; es waren wollüstige Körper«
bcwegungen, darin sie eine Mei^erin war;
es waren Anspielungen auf sich selbst und
ihr Leben, welche sie sich nicht scheute, zur
Oessenilichkeit zu bringen; kurz, es war ein
Etwas, das die wahre Kunst verdammt; aber
wodurch die Künstelei, verbunden mit Scham«
losigkeit, auf lüsterne Menschen eine Wirkung
hervorbringt. In diesem Einzigen war sie
auch originell, in allem Acbrigen eine Nach»
ahmerin. Hätte keine Hub er undkeinKorn«
theuer eristirt, so würde auch nie eine
Krones eristirt haben. Sie suchte die Erste
zu copiren; was aber bei jener natürliche
Anmuth war, das wurde bei ihr Ziererei,
und die Spässe, welche Ko rntheuer machte,
schnappte sie auf und brachte sie im nächsten
Stücke selbst. Man hatte sie die deutsche
Dejazet genannt. Mag sein, daß sie mit ihr
eine Aehnlichkeit hatte, aber gewiß nur in
den Schattenseiten."
Kronser, Antonie <Hofschauspie-
lerin. geb. um das Jahr 4810). Eine geborene Fournier, unter welchem
Namen sie auch in den dreißiger Jahren
die ersten Rollen im Hofburg«Theater
spielte, war sie vordem ein Mitglied der
Berliner Bühne. Unter Deinhard»
stein's Direction trat sie am 8. October
1832 in der Jul ie als erste Gastrolle
auf. Dieser folgten Kunigunde in
„Hans Sachs" , Johanna d'Arc,
Olga, Bertha in der „Ahnfrau",
Lucia in „König Gnzio". Sie wurde
sofort engagirt und erschien am 16. Fe>
bruar 1833 in der Rolle der Julie zum
ersten Male als wirkliches Mitglied auf
der Hofbühne. Bis 1836 stand sie stark
im Vordergrunde; ihre Hauptrollen
in dieser Zeit waren Marianne in
Treitschke's gleichnamigem Stücke,
Gülnare in Gril lparzer's „Traum
ein 3eben" . Lucretia in Halm's
„Adept". Mar ia Stuar t , Chriem-
hild in Naupach's „Nibelungenhort",
Lady Mi l for t , Ophelia, Beatrice
in der „Braut von Messina", Porzia,
Cordelia; später, u. z. in den Jahren
1839-1642, in denen sie aber schon
seltener spielte, gab sie die Ol iv ia in
Viola" (Was ihr wollt). Ieopoldine
in „Der beste Ton", die Anna in
Bauernfeld's „Bekenntnissen". In den
folgenden Jahren erschien sie
nur 'äußerst
selten auf der Bühne und erst in neuerer
Zeit wieder öfter, insbesondere seit sie
die Rollen der Zeiner übernommen
hat. Bald nach ihrem Engagement,an
der Hofbühne heirathete sie den auch als
Fachschriftsteller bekannten Wiener Arzt
Dr. Kronser und hieß noch einige
Zeit Kronser'Fournier; führt aber,
seit die Erinnerungen an ihre Leistungen
als Fournier allmalig verblaßt sind,
den ersteren Namen allein.
Recensionen und Mittheilungen über Thea«
ter und Musik (Wien, 4".) IX. Jahrgang
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Kosarek-Lagkner, Volume 13
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Kosarek-Lagkner
- Volume
- 13
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1865
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 546
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon