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Lämmel 477 Lämmel
linken Helms erhebt sich ein offener, rechts
von Gold und Blau. links abgewechselt quer»
getheilter Adlerf!u<i, dem ein goldener Stern
eingestellt ist. Die Helm decken zu beiden
Seiten sind blau. mit Gold unterlegt. Das
frühere einfache Adclswappen unterscheidet sich
von dem jetzigen ritterlichen nur dadurch, daß
auf dem Schilde statt zweier, nur der eine.
und zwar der jetzt linksstehende Turnirrhelm
mit dem offenen Adlerfluge angebracht ist.
Liilllmel, Simon Edler von l In-
dustri eller, geb. zu Tusch kau,
einem Städtchen bei Pilsen in Böhmen,
28. August 1766, gest. zu Wien
18. April 1843). Der älteste Sohn
wohlhabender israelitischer Eltern, der
früh einen unternehmenden kciufman-
nischen Sinn an den Tag legte. Im
Jahre 1787. erst 21 Jahre alt. aber
bereits selbstftandig erklärt, übersiedelte
er. nachdem er sich noch verheirathet,
nach Prag, wo er ein Großhandlungs»
geschäft begründete, welches noch unter
seinem Sohne Leopold blüht. Durch
Umsicht, einen ungewöhnlichen Unter«
nehmnngsgeist und mit Scharfsinn ver»
bundenen raschen Ueberblick verwickelter
Verhältnisse, war es ihm gelungen, seine
Firma zu einer der gecichtetsten und
bekannteren in der Monarchie zu erheben.
Sein Hauptaugenmerk richtete er auf
den Handel mit Schafwolle, und gab so
d?r Erste den Anstoß zur Hebung dcr
Schafzucht in Böhmen und dadurcd zur
Wollveredlung; ertheilte den größten
Heerdenbeschern dcs Landes nach dieser
Seite hin treffliche Rathschläge, deren
Befolgung von den nützlichsten und besten
Ergebnissen begleitet waren. Durch die
Cultur dieses für Böhmens Industrie
und Handel so wichtigen Rohproductes
wurde er auch auf eine verbesserte tech«
nische Anwendung desselben geleitet,
dabei bewies er ein wahrhaft humanisti-
sches Vorgehen, indem er die ärmere Classe der Tuchmacher sehr wirksam
unterstützte und AlleS that, um sie
auch in bedrängten Zeiten "aufrecht,
erwerbsam und nahrungsfähig zu erhal'
ten. Ist schon diese eine Seite seiner
Thätigkeit so geartet, daß sie ihm in
einer Geschichte der österreichischen In-
dustrie eine ehrenvolle Stelle sickert, so
bildet sein Verhalten in den Kriegsjahren,
in welchem er Muth und patriotische
Gesinnung an den Tag legte, ein gleich«
falls bleibender Erinnerung würdiges
Moment. L.'s Wirksamkeit und kauf«
männische Thätigkeit fallt zum großen
Theile in die Zeit der französischen Kriege,
in denen eS von Seite des Feindes an
Gewaltthaten, Erpressungen, Brand»
schatzungen und Beraubungen aller Art
nicht fehlte. I n dieser Zeit nun war es
3., der zu verschiedenen Malen wichtige
und nützliche Dienste leistete. Heraus-
geber dieses Lexikons bemerkt hier, daß
er nicht etwa nach Familientraditionen,
sondern nach ämtlichen Acten arbeite
und auch nur das Wichtigste in Umrissen
berühre. So hatte 3. im Jahre 1801
alle in Oberösterreich vom Feinde genom»
menen Aerarialeffecten. als Tabak, Salz,
Schafwolle, ferner alle ärarischen Donau-
schisse, im Gesammtwerthe mehrerer Mit«
lionen, durch simulirten Kauf um einen
äußerst niederen Preis an sich gebracht
und um denselben wieder dem Aerar
zurückgegeben. Das Geschäft an und für
sich war gefährlich, weil. der Feind endlich
das Verhältniß durchblicken. oder ihm
doch dasselbe verrathen werden konnte;
so wurde ihm denn auch einmal, von den
Franzosen das Eigenthum der angekauf-
ten ärarischen Schiffe bestritten, er sogar,
falls er sie betreten sollte, mit dem Er-
schießen bedroht. 3. jedocb hat durch
muthvolles Benehmen sein Eigenthums-
recht geltend zu machen verstanden. Im
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Kosarek-Lagkner, Volume 13
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Kosarek-Lagkner
- Volume
- 13
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1865
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 546
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon