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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Laicharding-Lenzi, Volume 14
Page - 206 -
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Page - 206 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Laicharding-Lenzi, Volume 14

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Laube 206 Laube berauschend wirkt, kurze Sätze wie geharnischt, Minerven aus dem Haupte schleudert und sie nur anstandshalber durch ein schüchternes „Und", die Conjunction der Ammenmärchen, verbindet. Wenn indeß die Heine'sche Poesie bei Laube nur abgeschwächt zum Vorscheine kommt, so findet sich dagegen bei diesem größeres Compositionstalent, größerer Ernst der Gesinnung bei aller flotten Haltung und in den Schilderungen des Volkslebens ein feineres Organ für die stillwirkenden Ver schiedenheiten utld den Zusammenhang des Locals mit der Volssitte". — Eine treffende Charakteristik Laube's ist wohl folgende: „Heinrich Laube ist wohl die interessanteste Künstlerfigur Wiens. Wenn man ihn genau ansieht, ist eine gewisse Gedrungenheit, Pr< cision, Sirenge der Erscheinung seiner Figur nicht wegzuleugnen. Der geistreiche Kopf. das tiefliegende dunkle Auge, die scharfmarkirten Gesichtszüge, die sich sogar an einem fremd> artigen, außereuropäischen Typus kenntlich machen, das Alles gibt der Figur dieses Mannes den Ausdruck des Kategorischen. Wer je mit Laube wenige Worte gewechselt, dem ist dieser Ausdruck auch in seiner Rede- weise , in seiner Unterhaltungsart nicht ver- borgen geblieben. Der Mann liebt nicht langes Herumreden, das hört ihr ihm gleich an. Dabei ist keine Eitelkeit, kein Behagen» finden an Originalität deS Geberdens im Spiele. Laube gibt sich wie er eben ist, stnng, markig, kurz, präcis. Für den Beob- ackter hat diese Weise ihre interessanten Seiten, der an die Alltäglichkeit gewöhnlicher Men» schen gewohnt ist, dem wird sie Ansangs ab» stoßend, unfreundlich,unliebenswürdigscheinen; da5 ist sie jedoch in der That nicht. Ein gewisser Grad männlicher Liebenswürdigkeit ist bei Laube's Umgangsweise immer im Spiele, sehr oft ist sie äußerst anregend, pikant und witzig. Besonders heilbringend ist sein kategorisches, scharfkantiges Wesen' dem Theater, in dem er ein strenges Regi« ment, eine kategorische Hausordnung einge- führt hat. Er beherrrscht die Künstlerschaar, deren Wirken unter seiner Controle steht, mit fester gediegener Einsicht, er imponirt ihr durch den Reichthum dramaturgischer Ersah» rung, durch ein festgeordnetes Wissen und durch seine auf das Höhere gerichtete Kritik. Er gewinnt sie aber auch durch seine hilf- reiche Hand, die er jedem echten Talente zu reichen gewohnt ist, durch die Liebe, Vorliebe, Zärtlichkeit, könnte man sagen, mit der er eine wirkliche Begabung Pflegt, hätschelt, ja sogar oft zu verzärteln weiß." — In der literarischen Kritik eines Ungenannten über Laube ^Europa 1859. S. 23!h heißt es über ihn: „Als Kritiker trieb er, was er Mittel. Mäßigkeiten nannte, heerdenweise vor sich her. Noch schärfer fast als die ideallose Mittel« Mäßigkeit verfolgte er die formlose Idealistik; er forderte mit einer Brauour, die freilich bald genug bloß bei den Franzosen die ver- mißte Formgestaltung des deutschen Drama's und des deutschen öffentlichen Lebens suchte und bewunderte, um jeden Preis straffere, ' faßbar tüchtigere Formen zur Neugeburt einer besseren Gegenwart, er war mit slavischer Hitze im Stande die Formen zu octroyiren, um einen neuen Inhalt zu erzielen, despotisch neue Trachten zu erfinden, um Brauch und Schönheitssinn zu vereinigen und in der ge- sammten literarischen Arbeit der Jahrhunderte nur ein Ringen nach neuen Formen zu sehen. Gegen Doctrinen, die er höchstens als Stich- wort gelten ließ, stieg sein Fanatismus der Form bis zur Verblendung, daß er die Ent» deckungen Schelling's im Reiche der Meta- physik für eitel Erfindungen, Hegel's Dia- lektik für luechanischen Schulkram hielt, und als kecker Realist, der den gesunden Natur- trieb der sinnlichen Kraft in sein Recht ein» setzen wollte, für die neubelebtcn Stosse des Daseins keine andere Idealistik als Goethe's plastische Grazie und Scribe's Virtuosität in technischer Formvollendung zum Abschluß fand. I n Heine sah er einen Hochpunct der Culturgeschichte Deutschlands; in ihm selbst gestaltete sich ein Gemisch von Heine und Heinse, obschon der geniale Schwung der Lyrik in Jenem auf dem Felde deutscher Romantik erblühte, Ardinghello's „classisch antike Liebe ohne Pfaffen und Kirche" in Laube's natürlicher Grazie ihren Widerstand fand. Von ou5a.ut von Haus aus. erwuchs in Laube der Literatur ein heiterer und tapferer Charakter; sein Gemisch von gesun- der Kindlichkeit und starker Mannhaftigkeit bezeugt am besten die von ihm selbst geschil- derte Idylle seiner Sprottauer Familienhei- mat." — Cerr i zeichnet in seiner bekann» ten Weise in der „Ir is" folgende Silhouette Laube's: „Slavischer Typus, mittelgroße Gestalt, brünette Farbe, kleine, graue, lebhafte Augen, turzgeschornes, braunes Haar, brauner Schnur« und Backenbart, um den Mund ein sarkastischer Zug, im Ganzen ernstes geist- reiches Aussehen; leichter, rascher Gang
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Laicharding-Lenzi, Volume 14
Title
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Subtitle
Laicharding-Lenzi
Volume
14
Author
Constant von Wurzbach
Publisher
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Location
Wien
Date
1865
Language
German
License
PD
Size
13.41 x 21.45 cm
Pages
550
Keywords
Biographien, Lebensskizzen
Categories
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