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Leber 266 Leder
Uttsraria Voksiuias st Nloravias (I»i-»F»s
t?74, 0. Ni-ädo, kl. 8°.) x. 306. — ^unF-
mann <^ose^, Nistoris litsratur^ öss^s,
d. i. Geschichte der böhmischen Literatur
(Prag 1849, ?. NwuäL, 4«.) Zweite, von
W. W. Tomek besorgte Ausgabe, S. 591.
— H«2?ö2'n ^Vo/i«5?a2o>>, Lodsuiia äoota,. .
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?. Oanäiäas a 8. ^iisrsüia. (^ 12.32.6 l777,
0. Hr^2 , 80.) 9. 283.)
Leber, Ferdinand Joseph Edler von
sk. k. Leibwundarzt, geb. zu Wien
31.December 1727, gest. ebenda 14.Octo-
ber 1808). L. war der Sohn eines ganz
unbemittelten Perrückenmachers in Wien,
und seine Mutter war Hebamme. Unter
solchen Auspicien konnte er sich keiner
glänzenden Erziehung erfreuen, umsomehr
da er schon im 13. Jahre vaterlos wurde
und sein ganzes Erbgut in einem bil-
dungsfahigen Kopf und einem kraftigen
Körper bestand. Er hörte die Gram«
maticalclaffen in den Schulen der Gesell«
schaft Jesu, und ward dann zu einem
bürgerlichen Wundarzt in die Lehre
gegeben. Glücklicher Weise fiel ihm
während seiner Lehrzeit eine kleine Erb»
schaft zu, welche ihn in den Stand setzte,
den sehnlichen Wunsch nach gründlicher
Erlernung der Wundarzeneikunde zu be-
friedigen, wenngleich dieses nur durch
die bittersten Entbehrungen und nach
unaufhörlichen Kämpfen mit Noth und
Elend bewirkt werden konnte. Zu
Leber's großem Vortheil fügte es sich,
daß gerade damals die Lehrkanzeln
des chirurgischen Studiums mit auSge.,
zeichneten Meistern beseht waren, in
deren Schule er sich den theoretischen
Theil der Kunst auf das Vollkommensie
aneignete. Nach beendetem Curse kam L.
als unentgeltlicher Praktikant an das
Dreifaltigkeit Hospital, wo er ungeachtet
seiner traurigen Lage vier Jahre sich
thätig und unverdrossen verwenden ließ. Von welchem Nutzen ihm dieser praktische
Curs war, erwies sich bei der im Jahre
1771 mit ihm vorgenommenen strengen
Prüfung um das Magisterium der Chi>
rurgie, welche von den Prüfenden als
höchst gelungen anerkannt wurde. In
Folge dessen erwirkte ihm der berühmte
van Swieten kurz darnach eine Anstel.
lung als HospitalSarzt zu Breitenfurt in
Niederöfterreich, mit welcher freilich nur
der Gehalt von 100 Thalern verbunden
war. Indessen begann von hier aus
Leber's Ruf sich auszubreiten, und schon
im nächsten Jahre ward er nach Wien
als Wundarzt am Bürgerspitale berufen.
Sein Wirkungskreis war hier durch den
Umstand sehr ausgedehnt, daß mit dem
Bürgerspitale auch die Oberaufsicht über
zwei andere Hospitaler, ferner die syphi«
litische Klinik, die Irrenanstalt und das
Gebarhaus in Verbindung stand. Außer<
dem war er beauftragt, Criminal.Inqui-
fiten, denen die sogenannte peinliche
Frage bevorstand, ärztlich zu untersuchen,
ob ihre Konstitution ohne Lebensgefahr
die Qualen der Tortur überdauern könne.
Auf diesem traurigen Standpuncte machte
Leber dicBekanntschaft des menschlichen
Elends in seinen gräßlichsten Gestalten,
und sein Herz blutete, wahrend sein Ver»
stanh unschätzbare Erfahrungen in dem
praktischen Gebiete seiner Berufswissen«
schaft sammelte. Durch volle 19 Jahre
blieb Leber bei diesem entsetzlichen
Amte, bis endlich, und zwar im Jahre
1776 , die Folter auf immer aus den
Gerichtshöfen der Erbstaaten verwiesen
wurde. Leber hatte bei der großen
Mar ia Theresia nicht wenig dazu
beigetragen, indem er schriftlich und
mündlich gegen die Widersinnigkeit und
Grausamkeit dieses peinlichen Verfahrens
durch Vernunftgründe und Beispiele
eiferte. Leber hatte seit dieser Zeit die
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Laicharding-Lenzi, Volume 14
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Laicharding-Lenzi
- Volume
- 14
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1865
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 550
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon