Page - 267 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Laicharding-Lenzi, Volume 14
Image of the Page - 267 -
Text of the Page - 267 -
Leber 267 Leber
Obliegenheit, alle in den Kerkern der
Residenz befindlichen Häftlinge zu super«
arbitriren, d. i. ein spruchreifes zweites
Gutachten über ihren wie immer gearteten
Geisteszustand abzugeben. Dieß that er
durch 28 Jahre, und war nach seinen
besten Kräften bemüht, Gutes zu thun
auch an den Scheusalen der Menschheit,
so wie er auch manche Unschuld an den
Tag brachte, und Andere, bloß Verirrte,
auf den rechten Pfad zurückleitete. Im
Jahre 1761 ward Leber mit der Lehr«
kanzel der Anatomie und theoretischen
Wundarzeneikunde betraut, welche mit
einem ansehnlichen Gehalte und dem
Titel eines k. k. Rathes verbunden war.
1786 vertauschte er damit den Vortrag
über chirurgische Krankheits«, Operations-,
Maschinen« und Bandagenlehre, welchen
er bis zu seinem Tode ununterbrochen
versah. Im Verlaufe seines Lehramtes
erhielt er von der großen Mar ia The«
resia den Auftrag, zum Behufe des
neuen Criminalcoder eine Instruction zu
verfassen, nach welcher bei der Beschau
criminel ler Verletzungen, gewaltsa<
men Todes, bei der Abfassung der Visa.
rspertH) Ausstellung und Controlirung
ärztlicher Zeugnisse u.dgl. m. vorgegangen
werden solle. Am 1. Februar 1776 zeich,
nete die Kaiserin 3. mit der Ernennung
zu ihrem Leibwundarzt aus, und zwei
Jahre später ward er in den erblandischen
Adelstand mit dem Ehrenworte „Edler
von" erhoben« Von Kaiser Franz erhielt
L. 1801 eine Personalzulage von 300 fi.
Die letzte Auszeichnung aber ward ihm
1803, da er 44 Jahre als Professor
diente und er dafür mit der großen gol-
denen Medaille mit der Kette belohnt
wurde; sie wurde ihm im Saale der
Universität in feierlicher Weise im Bei»
sein der gesammten Arzte und Wund«
ärzte umgehängt. Ungeachtet seines hohen Alters fuhr Leber dennoch in der
Ausübung seiner Mühewaltung zum
Heile der leidenden Menschheit bis zu
seinem Tode fort, der ihn im Alter von
81 Jahren der leidenden Menschheit
entriß. L. hat als Wundarzt, Operateur,
und Schriftsteller seines Faches sehr Ver«
dienstliches geleitet. Als öffentlicher Lehrer
that er sich keineswegs durch einen blü«
hmden Vortrag, oder blendenden Bom-
bast gesuchter technischer Ausdrücke her»
vor, wohl aber wußte er seine Erklärun-
gen so ganz der Individualität derSchü«
ler und dem Gegenstande anzupassen,
daß selbst dem beschranktesten Kopfe nichts
unklar bleiben konnte. Seine Gegner
tadelten daher seine Vorträge als geist-
los und unwissenschaftlich. Dabei stocht
er mittelst ungemein geschickter Wendun«
gen auffallende Ergebnisse aus seiner
reichen Praxis ein, und fesselte die Auf»
merksamkeit seiner Zuhörer unwidersteh.
lich an den Faden seiner Rede. Eine
Menge der tüchtigsten Wundärzte ging
aus seinem Unterrichte hervor, welche
mit Stolz sich ihres geachteten Meisters
rühmen. Von besonderem Nutzen für
seine Vorträge war seine trefflich geord-
nete Sammlung anatomisch.pathologischer
Präparate, womit er der Wiener Univer»
sität im Jahre 1786 ein werthvolles und
willkommenes Geschenk machte. Auch als
Schriftsteller war L. thätig und hat fol«
gende Schriften herausgegeben: „Maud-
lnng nlln der Nutzbarkeit iles Schierlings in der
Vundurzeneikuntt" (Wien 1762, Trattner,
8l>.); — ^Vorlesungen über die Sergliede>
rungskunst" (Wien 1772. zweite Ausgabe
1778, Blumauer, gr. 8".), spater von
I . Chr. Nosenmüller mu bearbeitet
und unter dem Titel: „Umriß der Zer»
gliederungskunst, umgearbeitet und ver«
mehrt" (Leipzig 1808, Winter, gr. 8".)
herausgegeben; die lateinische Bearbei«
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Laicharding-Lenzi, Volume 14
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Laicharding-Lenzi
- Volume
- 14
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1865
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 550
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon