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Gunst zu; mit deren Hilfe und der Be»
rechtigung nicht gewöhnlicher Talente
stieg er in verhältnißmäßig kurzer Zeit
von Stufe zu Stufe. I n dem für den
Kaiserstaat so verhängnißvollen Jahre
1809, als der Monarch seine Residenz,
die der Feind bedrohte und besetzte, ver-
lassen mußte, befand sich unter der kleinen
Schaar von Auserwählten, welche den
durch die Bekümmernisse um einen schwer
heimgesuchten Großstaat niedergedrückten
Kaiser begleiten durften und die Entbeh«
rungen und Anstrengungen der Flucht
mehrere Wochen hindurch in dem beschei-
denen Kämmerlein eines ärmlichen Dor-
fes theilten, auch Kar l Freiherr von L.
Nachdem die Tage des Jammers gezählt
waren und sich ein Umschwung in den
Verhältnissen vorzubereiten begann, wen»
dete auch der Kaiser jenen Männern sein
Vertrauen zu, die mit ihm die Drang-
sale getheilt und sich in seinen Augen be«
währt hatten. Es galt damals nicht nur
die Schäden, welche die Staatsmaschine
erlitten, zu heilen, sondern vielmehr —
so schwierig auch die Aufgabe
sich stellte
— an die Neugestaltung der Monarchie
zu schreiten und an das. wichtige Werk
ernstlich Hand anzulegen, ö.'s Gönner
Karl Graf Zichy wurde von Kaiser
Franz an die Spitze eines Central»
organs gestellt, welches diese Aufgaben
lösen sollte. 3., welcher mittlerweile zum
Staats- und Conftrenzrathe ernannt
worden war, erhielt das schwierige Ge»
schäft, die von allen Seiten einlangenden
Materialien zu sammeln, zu ordnen, zu
prüfen und zu beurtheilen. Die bren-
nendste Wunde — wie etwa in der Ge>
genwart — war damals die Finanzlage
des Staates. Um. die Sachlage mit
möglichst wenigen Federzügen, jedoch
kenntlich zu zeichnen, muß die Gegen»
wart zu Hilfe genommen werden. Den Ausweisen der Nationalbank entnimmt
die lebende Generation mit sichtlicher
Bangigkeit: daß 400 Millionen ihrer
Noten sich in Umlauf befinden und
ihr Realisirungsfond sich kaum auf
400 Millionen beläuft; daß diese Noten
bei dem Umtausche gegen Silber noch
vor wenigen Monaten ein Drittheil ihres
Nominalwerthes und die Staatspapiere
noch mehr — noch vor Kurzem die
Hälfte — verlieren; daß der Staat mit
einem jährlichen Ausfalle von 40 bis 80
Millionen zu kämpfen hat und daß das
Vertrauen immer tiefer sinkt. Und doch
waS sind diese wenig tröstlichen Zustände
der Gegenwart gegen jene der damaligen
Periode! Langjährige und unglückliche
Kriege hatten die Kräfte des Staates
tief erschüttert, die allgemeine Sicherheit
und das Vertrauen zerstört; die großen
Anstrengungen und die Vernichtungen
von Eigenthum hatten Handel und Ver»
kehr, ländliche Production und Industrie
gelähmt und eingeschüchtert; dem Ver»
trauen fehlte jeder Impuls und jede
Grundlage, auf welche es sich mit einiger
Aussicht stützen konnte. 700 Millionen
Papiergeld, welche bis zu einem Vier-
theile ihres Nennwerthes gesunken waren,
lasteten ohne allen Fond zur Realifirung
auf dem Staate, die Silbermünze war
gänzlich aus dem Verkehre geschwunden
und zum Schaustücke geworden. Und
schon in wenigen Jahren wendete sich
das Blatt, das Papiergeld des Staates
wurde ohne Gewaltstreich eingezogen,
Silber in den Verkehr zurückgeführt,
durch die Gründung der Nationalbank
daS großartigste Credit. Institut des
Festlandes geschaffen, das Gleichgewicht
zwischen den Einnahmen und Ausgaben
des Staates hergestellt und ohne Steuer«
druck die progressive Zunahme der Zu-
flüsse herbeigeführt. Das einfache Mittel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Laicharding-Lenzi, Volume 14
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Laicharding-Lenzi
- Volume
- 14
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1865
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 550
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon