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Leiningen 327 Leiningen
Frieden mit. Im Jahre 4808 war er
bereits Hauptmann. Als solcher zeicknete
er sich vor Ulm, am 45. October, durch
seltene Bravour aus. Die Franzosen
hatten bereits das Fraumthor gestürmt
und die Infanterie»Regimenter Erzherzog
Karl und Rainer wurden zu eiligem
Rückzüge gezwungen. Eben als der Feind
durch das Thor eindrang, stellte sich
Leiningen, ohne dazu beordert zu sein.
mit feiner Compagnie den Vordringenden
entgegen und hielt sie nicht nur in ihrem
siegreichen Vorrücken auf, sondern besetzte
dasselbe Thor, das der Feind kurz zuvor
gestürmt, nahm ihm 3 Kanonen ab und
den feindlichen Bataillonschef mit 43Offi«
eieren und 309 Mann gefangen. Einem
wetteren Vordringen des Feindes wurde
durch diese schöne Waffenthat Einhalt
gethan und dadurch einerseits die Stadt
vor Plünderung bewahrt, andererseits
aber die Garnison in die Lage gesetzt,
jene Voranstalten zu treffen, welche alle
weiteren Angriffe des Feindes unmöglich
machten, bis die Kapitulation dem Kampfe
ein Ende machte. Unmittelbar nach dieser
That wurde Graf L. zum Major beför-
dert und überdieß dafür in der 74. Pro»
motion (April 4806) mit dem Ritterkreuze
des Maria Theresien>OrdenS ausgezeich.
net. Den Feldzug des Jahres 4809
machte L. als Oberstlieutenant und Gre«
nadier-Bataillonscommandant mit. I n
der Schlacht bei Wagram wiesen seine Gre-
nadiere, vereint mit jenen von Georgi
und Portner den von Bessiöres mit
zwölf Reiterregimentern unternommenen
Angriff entschlossen zurück. Im Treffen
bei Znaim (40. Juli 1809) führte Graf
3. eine so schöne Waffenthat aus, daß sie
ein österreichischer Künstler, Fritz L'A l le-
rn and 15 S. 43 d. Bds.^, durch ein
treffliches, im Jahre 4845 gemaltes Bild
verherrlicht hat. Die Franzosen waren in gedrängten Kolonnen, während ein hef>
tiger Platzregen fiel und jedes Feuern un«
möglich wurde, auf der Heerstraße aufge«
stellt. Diesen Moment benutzte der Graf
und führte seine Grenadiere, erst im Dop-
pelschritte, dann im vollen Laufe gegen
den bereits vorder Stadt stehenden Feind,
den er bis über die Brücke von Neuschel«
lersdorf zurücktrieb, und dabei zwei Ge«
nerale und mehrere Officiere gefangen
nahm. Aber hier wieder, wie bei ande»
ren Gelegenheiten zeigte es sich, wie es
im Kriege gefahrlich ist, sich von der
Begeisterung blindlings hinreißen zu
lassen. Als die anderen Truppen die vor-
dringenden Grenadiere sahen, hielt es sie
nicht langer und Alles, selbst die Reserve
nebst zwei Geschützen, rückte, ohne Befehl
erhalten zu haben, vor, um an der Ver<
folgung Theil zu nehmen. Da brachen
mit einem Male über ein paar Hun»
dert feindliche Kürassiere aus einer Seiten«
snaße hervor und warfen sich, da keine
Reserve mehr vorhanden war, in die
linke Flanke der vorgedrungenen siegen«
den Colonnen und schnitten sie in der
Mitte ab. Schon sind mehrere Grenadiere
gefallen, nun erobert der Feind die ge<
nommenen Geschütze zurück und befreit
die Gefangenen. Die ganze Sachlage
kehrt sich um, aus den Verfolgern wer-
den Verfolgte, die kaum daS Stadtthor
erreichen, wo rasch der Schlagbaum
niedergelassen und dadurch der Feind so
lange aufgehalten wird. bis Major
Sal is mit dem 3. Bataillon der Wiener
Freiwilligen aus der Stadt heranrückt
und ihn auf derselben Straße zurückwirft.
I n den Kämpfen der Jahre 4843 und
4844 war Graf L. bereits Oberst des
Infanterie-Regiments Erzherzog Rainer.
Nachdem die Verbündeten den Rhein
überschritten hatten, erhielt der Graf von
dem Fürsten Alois Liechtenstein den
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Laicharding-Lenzi, Volume 14
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Laicharding-Lenzi
- Volume
- 14
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1865
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 550
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon